Mütter in Gaza suchen nach Arbeit, um über die Runden zu kommen
Foto: Activestills/Yousef Zaanoun

Mütter in Gaza suchen nach Arbeit, um über die Runden zu kommen

Ein abgenutztes Zelt im Lager al-Saraya in Gaza-Stadt ist alles, was Fatima Abu al-Kas (28), die ursprünglich aus Shujaiya stammt, und ihren drei Kindern – von denen das älteste gerade einmal 10 Jahre alt ist – noch geblieben ist. Ihr Zelt wurde vom Bruder ihres verstorbenen Mannes gespendet.

Abu al-Kas berichtete gegenüber The Electronic Intifada, dass ihr Ehemann Ahmad im März 2024 durch israelischen Panzerbeschuss getötet wurde, als er versuchte, Mehl aus dem Gebiet al-Nabulsi zu holen. Um über die Runden zu kommen, gründete Abu al-Kas Anfang 2025 ein kleines Geschäft für selbstgemachte Süßigkeiten. Manche Witwen erhalten bescheidene finanzielle Unterstützung von Wohltätigkeits- und humanitären Organisationen, doch viele gehen völlig leer aus und selbst für diejenigen, die Hilfe erhalten, reicht diese bei weitem nicht aus, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken.

Sie verdiente etwa 14 Dollar pro Tag, wie sie sagte – ein Einkommen, das bei weitem nicht ausreichte, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu bestreiten. „Der Raum war winzig, die Arbeit nahm meine ganze Zeit in Anspruch und ich musste die sengende Hitze ertragen“, sagte sie. „Die Preise für alles – vom Brennstoff zum Kochen bis hin zum Zucker – waren extrem hoch, aber ich hatte keine andere Wahl, wenn ich meine Kinder versorgen wollte.“

Sie hatte kein Startkapital für ihr Unternehmen, doch ein ihr unbekannter Spender versorgte sie mit einem Ofen und Backblechen, während sie als Vertriebene in Tal al-Hawa, einem Stadtteil von Gaza-Stadt, lebte.

Im September 2025 wurde sie erneut vertrieben, diesmal in den Süden des Gazastreifens. Die einzigen Habseligkeiten, die sie mitnehmen konnte, waren, wie sie sagte, jeweils ein Satz Ersatzkleidung für jedes ihrer Kinder. Als sie nach der Verkündung des Waffenstillstands im Oktober 2025 nach Gaza-Stadt zurückkehrte, stellte sie fest, dass ihr ehemaliges Zelt, ihr Ofen und ihre gesamte Backausrüstung bei einem Bombenangriff zerstört worden waren. Abu al-Kas sagte, sie hoffe, dass ihr jemand einen neuen Ofen und Backbleche zur Verfügung stelle, damit sie ihr Süßwarengeschäft wieder aufnehmen könne. Seitdem sie ihre Ausrüstung verloren habe, könne sie sich nicht einmal mehr die grundlegendsten Schulmaterialien für ihre Kinder leisten. „Meine Kinder weinen jeden Tag, bevor sie zur Schule gehen, weil sie kein Heft haben.“

Mehr als 22.000 Witwen sind Ernährerinnen der Familie

Abu al-Kas’ Geschichte ist keineswegs ein Einzelfall. Laut Aziza al-Kahlout, der Pressesprecherin des Sozialministeriums im Gazastreifen, hat Israels Völkermord im Gazastreifen etwas mehr als 22.000 Frauen zu Witwen gemacht. Der Anteil der Haushalte im Gazastreifen, deren Haushaltsvorstand eine Frau ist, beträgt mittlerweile 18 Prozent, verglichen mit 12 Prozent vor Oktober 2023.

„Diese Frauen brauchen dringend Hilfe“, sagte al-Kahlout gegenüber The Electronic Intifada. „Viele Witwen haben große Probleme, selbst die grundlegendsten Dinge des täglichen Bedarfs für ihre Familien zu beschaffen, darunter Lebensmittel, Kleidung und medizinische Versorgung.“

Die 28-jährige Aya Hillis saß mit ihren beiden Kindern, dem dreijährigen Amir und der 18 Monate alten Alma, in einem Gebäude im Stadtteil Tal al-Hawa, das sie als „einen Haufen aufgeschichteter Steine“ beschrieb. Das „Wohnzimmer“ – die kleine Wohnung ist durch Planen in ein Schlafzimmer, eine Küche, ein Badezimmer und einen Wohnbereich unterteilt – war bis auf zwei Stühle und einen Plastiktisch völlig unmöbliert. Auf dem Boden lagen einige Matratzen. Sie berichtete, dass das Gebäude von Ratten und Mücken befallen sei. Um ihre Kinder zu schützen und Nagetiere fernzuhalten, hat sie zudem Löcher in der Wand mit Planen abgedeckt. Trotz des Zustands des Gebäudes zahlt sie eine hohe Miete von 340 Dollar im Monat. „Wenn ich eine bessere Wohnung mieten wollte“, sagte sie bei einem Interview Mitte Juli, „müsste ich mehr bezahlen.“

Der Völkermord Israels im Gazastreifen hat Tausende von Müttern in Gaza dazu gezwungen, nach dem Verlust ihrer Ehemänner ihre bisherige Rolle als Hausfrauen aufzugeben und unter extrem schwierigen Umständen die Rolle der Ernährerinnen zu übernehmen.

Hillis berichtete gegenüber The Electronic Intifada, dass ihr Ehemann, Deeb Zuhair (35), im Juni 2025 an Blutkrebs gestorben sei. Etwa 50 Tage vor seinem Tod, so sagte sie, habe er unter Schwindel und körperlicher Schwäche gelitten. Zunächst glaubte sie, dass er lediglich an Unterernährung leide, da Israel die Einfuhr von Lebensmitteln nach Gaza blockiert hatte und eine Hungersnot einsetzte. Er begab sich in das Krankenhaus des Palästinensischen Roten Halbmonds in Gaza, wo die Ärzte feststellten, dass sein Hämoglobinwert auf nur noch 5 gesunken war.

Ein normaler Wert liegt zwischen 13,5 und 17,5, und derart niedrige Hämoglobinwerte – die zu einer Anämie führen – können oft durch Unterernährung oder eine zugrunde liegende chronische Erkrankung verursacht werden. „Wir waren schockiert“, sagte sie. „Er hatte immer hohe Blutwerte und spendete regelmäßig Blut.“ Weitere Untersuchungen ergaben, dass Zuhair an Blutkrebs litt.

Die Ärzte teilten der Familie mit, dass er dringend außerhalb des Gazastreifens behandelt werden müsse. Hillis organisierte alle für die Überweisung erforderlichen Formalitäten. Sie warteten nur noch auf die Genehmigung für die Reise. „Ich war fest davon überzeugt, dass er zur Behandlung aufbrechen und wieder gesund werden würde“, sagte sie. „Ich packte zwei Koffer – einen für mich und einen für ihn.“

Israel hielt den Grenzübergang bei Rafah jedoch geschlossen und erlaubte keine Ausreise aus dem Gazastreifen. Deeb starb im Helou-International-Krankenhaus, während er auf die Erlaubnis wartete, sich im Ausland behandeln zu lassen. Hillis lebt mittlerweile von der Unterstützung ihrer eigenen Familie, den Verwandten ihres verstorbenen Mannes und gelegentlichen Hilfsprogrammen. Sie hofft, eine Arbeit zu finden, damit sie ihre Kinder selbst versorgen kann, doch sie sagte, dass es nicht nur kaum Arbeit gebe, sondern dass ihre Jüngste auch erst 18 Monate alt sei und noch ständige Betreuung benötige. Seit Zuhairs Tod, so sagte sie, sei jede Aufgabe – sei es, Essen zu besorgen, Wasser zu holen, Reparaturen durchzuführen oder für die Sicherheit der Familie zu sorgen – zu einer enormen Belastung geworden.

Die Straßenverkäuferin

Auf dem Rückweg vom Lager al-Saraya trafen wir gegen 13:30 Uhr die 44-jährige Um Muhammad, die die al-Saraya-Straße entlangging. Sie wollte für das Interview ihren vollständigen Namen nicht nennen. Um ihren Hals hing eine dicke Schnur, an der ein Pappkarton befestigt war, der mit kleinen Süßigkeiten gefüllt war, die sie beim Gehen verkaufte. Sie trug eine abgetragene Mütze, die in der Mitte zerrissen war – ein vergeblicher Versuch, sich vor der sengenden Sonne zu schützen.

Sie sah erschöpft aus und erzählte, dass sie nach Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens vertrieben worden war. Am Vortag war sie von Deir al-Balah nach Gaza-Stadt gelaufen – eine Strecke von fast sechs Stunden –, um ihre Süßigkeiten zu verkaufen. Als sie schließlich al-Nabulsi erreichte, erkannte ein Fahrer sie von früher am Tag wieder. „Er fragte mich, warum ich immer noch zu Fuß unterwegs sei“, erinnerte sie sich. „Ich sagte ihm, dass ich mir die Fahrtkosten nicht leisten könne. Er bot mir an, mich nach Gaza-Stadt zu fahren, und nahm mich mit.“

Um Muhammad berichtete gegenüber The Electronic Intifada, dass ihr 22-jähriger Sohn Muhammad im November 2024 bei einem Bombenangriff ums Leben kam, als er Zigaretten kaufen wollte. Die überwältigende Trauer ihres Mannes führte dazu, dass er einen Schlaganfall erlitt, der ihn erblinden ließ, während sie nach dem Tod ihres Sohnes sowohl ihr Gehör als auch ihre Sprachfähigkeit verlor.

Drei Tage später wurde ein Nachbarhaus bombardiert. Durch den Schock kehrten ihr Gehör und ihre Sprache zurück, doch sie erlitt eine so schwere Verletzung am linken Fuß, dass die Ärzte ihr sagten, ihr Bein müsse amputiert werden. Als sie jedoch in den Operationssaal gebracht wurde, stieg ihre Herzfrequenz gefährlich an, sodass die Ärzte gezwungen waren, die Operation zu verschieben. Die Amputation wurde nie durchgeführt.

„Ich wurde zur alleinigen Ernährerin meiner Familie“, sagte sie – einer Familie, zu der neben ihrem mittlerweile erblindeten Ehemann auch vier Kinder gehören. „Ich konnte es mir nicht leisten, meine Arbeitsfähigkeit zu verlieren.“ Ende 2024 eröffnete sie einen kleinen mobilen Straßenstand, an dem sie Süßigkeiten verkaufte.

Die Gründung des Geschäfts kostete etwa 25 Dollar – Geld, das ihr ein Passant, ein ihr unbekannter Fremder, zur Verfügung gestellt hatte. Heute verdient sie etwa 5 Dollar pro Tag. „Natürlich reicht das nicht“, sagte sie, als sie gefragt wurde, ob das ausreiche. „Aber ich versuche, damit auszukommen.“

Al-Kahlout erklärte, dass berufstätige Frauen in Gaza – insbesondere diejenigen, die auf informelle Tätigkeiten wie den Straßenverkauf angewiesen sind – mit zahlreichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sind, allen voran unregelmäßige Einkünften, die vollständig von den täglichen Umsätzen abhängen.

Zwar erhalten manche Witwen bescheidene finanzielle Unterstützung von Wohltätigkeits- und humanitären Organisationen, doch viele gehen völlig leer aus, so al-Kahlout. Und selbst für diejenigen, die Hilfe erhalten, reicht diese bei weitem nicht aus, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken.

Dies, fügte sie hinzu, werde sich nicht ändern, solange nicht mehr finanzielle Unterstützung nach Gaza fließe – sei es direkt an Witwen, damit diese die Grundbedürfnisse ihrer Familien decken können, sei es zur Finanzierung kleiner einkommensschaffender Projekte oder zum Ausbau psychologischer und sozialer Unterstützungsangebote für Familien, um ihnen zu helfen, den Verlust des Familienversorgers zu bewältigen.

Quelle: The Electronic Intifada

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