Zum Judentum konvertierter Palästinenser hingerichtet

Zum Judentum konvertierter Palästinenser hingerichtet

Bild: AFP via Sky News Arabia

Er war 63 Jahre alt, zum Judentum konvertiert und streckte die Hände hoch, trotzdem wurde er von einem israelischen Soldaten hingerichtet. 11 weitere Palästinenser hat Israel in den letzten 72 Stunden im Westjordanland getötet, 800 Hektar palästinensischen Privatlandes wurden von der israelischen Besatzung illegal beschlagnahmt und ein weiteres Gebiet de facto annektiert. Doch die Geschichte von Sameh Zaytoon ist eine ganz besondere.

Die ersten Berichte am Donnerstag waren traurige Routine. Ein palästinensischer Mann wurde von einem israelischen Soldaten in der Nähe eines Militärcheckpoints im Westjordanland getötet. Die Armee sagte, der Mann habe versucht, die Soldaten zu erstechen, und Augenzeugen berichteten, er sei älter, habe die Hände in die Luft gestreckt und stellte überhaupt keine Gefahr dar. Auch der Fahrer des Taxis, aus dem der Mann Sekunden zuvor ausgestiegen war, sagte dies. Die Armee behauptet, er sah verdächtig aus. Die „Tapferkeit“ des Soldaten wurde gelobt. Solche Geschichten wiederholen sich im Westjordanland immer wieder, und niemand in den israelischen oder westlichen Medien hätte die offizielle Version dieser in Frage gestellt, wenn es in der Geschichte nicht ein kleines Detail gegeben hätte.

Der Mann war vor einigen Jahren offiziell zum Judentum konvertiert und trägt den Namen David Ben-Avraham. Berichten zufolge hatte er versucht, die israelische Staatsbürgerschaft zu erhalten, was ihm jedoch von den Behörden verweigert wurde. Nach der Veröffentlichung dieser Informationen beschloss die Armee, eine Untersuchung des Vorfalls seiner Tötung einzuleiten. Die Anwälte des Soldaten sind sicher, dass er für seine Tapferkeit geehrt werden wird.

David oder Sameh, wie sein Geburtsname lautete, hat nicht damit gerechnet, von israelischen Soldat:innen getötet zu werden. Er wiederholte angeblich oft: „Ich gehöre zum jüdischen Volk“. Sein Großvater hatte im letzten Jahrhundert Dutzende von Juden bei Ausschreitungen gerettet.

Israel behandelt palästinensische Konversionen zum Judentum mit Vorsicht, und die für jüdische Konversionsverfahren zuständige Behörde lehnt palästinensische Anträge in der Regel ohne Prüfung ab. Einige wenden sich an private Organisationen, wie im Fall von David Ben-Avraham. Nach einem langen und strengen Verfahren wurde er von einem Gericht in Bnei Brak in das Konversionsprogramm aufgenommen. Er erwartete, als Bürger des Staates Israel akzeptiert zu werden, aber die israelischen Behörden ignorierten ihn, und er erhielt nicht einmal eine dauerhafte Einreiseerlaubnis oder ein Arbeitserlaubnis in Israel.

Sameh scheint den israelischen Behauptungen geglaubt zu haben und dachte, dass der Name “David” ihn schützen würde. Aber sein Palästinensertum und seine Gesichtszüge waren den Soldat:innen wichtiger. Sein Leben ist wie das eines jeden anderen Palästinensers. Es ist erwähnenswert, dass der Mann nach seiner Konversion zum Judentum weiter in seiner palästinensischen Stadt lebte.

Hinrichtungen aus der Luft

Am Mittwochabend wurden drei junge Männer bei einem israelischen Beschuss eines Fahrzeugs am Rande des Flüchtlingslagers Jenin (Westjordanland) getötet, ein vierter wurde schwer verwundet und erlag am Freitag seinen Verletzungen. Zwei weitere Männer wurden bei einem Angriff auf das Flüchtlingslager Nour Shams in Tulkarm (Westjordanland) kurz vor Mitternacht in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag von einem israelischen Kampfflieger getötet. Noch zwei weitere Palästinenser im selben Lager wurden anschließend mit scharfer Munition erschossen.

Bei den acht Personen handelte es sich um Mitglieder des militärischen Flügels des Islamischen Jihad, von denen einer der Kommandant des militärischen Flügels im Westjordanland und der andere der Kommandant der militärischen Operationen in Jenin war.

Die vier Getöteten aus Tulkarem

Der Islamische Jihad gab bekannt, dass er den für die Ermordung der vier in Jenin verantwortlichen Agenten gefasst und nach seinem öffentlichen Geständnis durch ein Erschießungskommando hingerichtet habe.

Weitere Tote

Am Donnerstag wurden bei Zusammenstößen mit israelischen Besatzungstruppen im Flüchtlingslager Al Amari und in der Stadt Al Bireh (Westjordanland) ein unbewaffneter Jugendlicher getötet und zwei weitere verletzt.

Heute führte ein Palästinenser in der Nähe von Ramallah im besetzten Westjordanland einen Anschlag durch, bei dem 7 Israelis verletzt wurden. Der Angreifer wurde mehr als 4 Stunden nach einem bewaffneten Zusammenstoß mit ihm, an dem ein Hubschrauber und eine Drohne beteiligt waren, durch eine gelenkte Rakete getötet.

Der Angreifer war ein Vater von zwei Kindern und israelischen Berichten zufolge war er ein ehemaliges Mitglied der palästinensischen Präsidentengarde. Er habe seinen Anschlag mithilfe einer modernen Scharfschützenwaffe mit Zielfernrohr durchgeführt, und hat seinen Hinterhalt gut geplant und vorbereitet. Er errichtete eine Reihe von Schießständen für sich, in denen er sich bewegte und die ihm als Schutz und Unterschlupf dienten.

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