Zu Tode gefoltert

Zu Tode gefoltert

Vor zwei Tagen wurden tausende palästinensische Arbeiter aus Israel zurück nach Gaza deportiert. Was sie berichten lässt ahnen, welcher Horror sich gerade in den Gefängnissen der Besatzung abspielt. Nach Berichten von Euro-Med Human Rights Monitor wurde mindestens ein Arbeiter wurde zu Tode gefoltert. In dem Bericht der NGO werden die Stimmen palästinensischer Arbeiter gesammelt, die in den letzten zwei Wochen in israelischen Lagern gefangen und dort massiver Folter ausgesetzt waren. Das Schicksal tausender weiterer Arbeiter ist ungewiss.

Folter

Die Arbeiter waren während ihrer Gefangenschaft verschiedenen Formen psychischer und physischer Folter, Schlägen und brutalen Misshandlungen ausgesetzt. Lebenswichtige Medikamente wurden verweigert, Nahrung und sogar Wasser wurden ihnen mehrere Tage lang vorenthalten. Die Arbeiter berichten von Misshandlungen mit Stromschlägen und durch das Zufügen von Verbrennungen. Auch sexualisierte Übergriffe und Demütigung durch das Urinieren auf ihre Körper werden in dem Bericht der NGO dokumentiert.

Gegenüber Al Jazeera berichtete der 55-jährige Zaki Salameh, dass er und andere palästinensische Arbeiter aus dem Gazastreifen am 8. Oktober verhaftet und in das Ofer-Gefängnis am Rande von Ramallah im Westjordanland gebracht wurden. Salameh berichtet, sie seien zum Verhör vorgeladen und mehrere Tage lang auf einem elektrischen Stuhl gefoltert worden. „Einige der jungen Männer wurden auf sehr brutale Weise gefoltert und beleidigt“, sagte Salameh. „Die Fragen waren lächerlich. Die Israelis wissen genau, wer wir sind, und wenn wir irgendwelche Verbindungen zur Hamas hätten, würden wir nicht einmal die Arbeitserlaubnis bekommen.“

Ein 62-jähriger Arbeiter, identifiziert als „AS“, sagte dem Team von Euro-Med Monitor bei seiner Ankunft im Gazastreifen: „Sie hielten uns zehn Tage lang fest und wurden während dieser Zeit harten Verhören ausgesetzt. Sie fragten uns nach Einzelheiten über die palästinensischen bewaffneten Gruppen, und jeder, der antwortete, er habe keine Informationen, wurde gnadenlos geschlagen.“ Gemäß der NGO “Euro-Med Monitor” wurde der Arbeiter Mansour Nabhan Warsh Agha aus dem nördlichen Gazastreifen bei den brutalen Verhören zu Tode gefoltert wurde.

Deportation nach Gaza

Am 3. November wurden 3.026 palästinensische Arbeiter*innen, die seit Beginn des Kriegs in Israel und im Westjordanland festgehalten worden waren, zum Grenzübergang Karem Abu Salem/ Kerem Shalom nach Gaza gebracht.

https://www.youtube.com/watch?v=UQgVr6btLqM

Den deportierten Arbeitern sollen die Augen verbunden worden seien; ihre Hände und Füße wurden gefesselt und sie wurden in privaten israelischen Bussen zum Grenzübergang Karem Abu Salem/ Kerem Shalom im Südosten des Gazastreifens transportiert, wie aus von “Euro-Med Monitor” gesammelten Zeugenaussagen hervorgeht. Von dort aus mussten mehr als fünf Kilometer laufen, bevor sie den Grenzübergang Rafah erreichten und in den Gazastreifen gelangten. Ein Arbeiter berichtet: “Als ich am Zufluchtsort meiner Familie mitten im Gazastreifen ankam, konnte ich mich nicht mehr bewegen. So lange war ich mit gefesselten Füßen, auf dem Rücken gefesselten Händen und mit verbundenen Augen gelaufen.”

Kontext: Palästinensische Arbeiter in Israel

Die Arbeiter*innen gehörten zu den mindestens 18.500 Bewohner*innen Gazas, die eine Arbeitserlaubnis hatten, um außerhalb Gazas zu arbeiten. Durch die langjährige Blockade in Gaza ist die Wirtschaft in Gaza weitgehend zusammengebrochen.

Angesichts einer Arbeitslosigkeit von 48%, ist Arbeit bei israelischen Firmen für viele Palästinenser die einzige Hoffnung darauf, ihre Familien versorgen zu können. Sie arbeiten in körperlich harten und schmutzigen Jobs, sind massiven Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt und verkaufen ihre Arbeitskraft unter besonders prekären Bedingungen. Das Genehmigungssystem ermöglicht es Arbeiter gezielt in Branchen zu schicken, in denen ein Mangel an Arbeitskräften herrscht, durch Erteilung oder Entzug von Genehmigungen kann die Arbeitskraft je nach Konjunktur angezapft werden. Die Verweigerung von Arbeitsgenehmigungen wird sowohl zur Unterdrückung von Widerstand gegen die Besatzung als auch als Instrument gegen jede gewerkschaftliche Organisierung eingesetzt. Nachdem jahrelang so gut wie keine Arbeiter aus Gaza in Israel arbeiten durften, wurden zuletzt wieder mehr Arbeitsgenehmigungen für palästinensische Arbeiter erteilt.

Am Donnerstag hatte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu angekündigt keine Arbeitsgenehmigungen für Palästinenser aus Gaza auszustellen: “Es wird keine palästinensischen Arbeiter aus Gaza mehr geben. Die Arbeiter aus Gaza, die am Tag des Kriegsausbruchs in Israel waren, werden zurück nach Gaza gebracht”

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