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“Wir stehen kurz vor dem Tod”

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Leichen vor dem Al-Shifa Krankenhaus

Gaza

  • Aktuelle Totenzahlen in Gaza: Mehr als 11,000 Tote , darunter mehr als 4,500 Kinder.
  • Israelische Panzereinheiten sind nur 20 Meter von dem Al-Shifa Krankenhaus entfernt (stand: 19h). Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds befinden sich dort rund 14.000 Vertriebene in einem Zustand “extremer Panik und Angst”. “Wir stehen kurz vor dem Tod”, sagte Muhammad Abu Salmiya, Leiter des Krankenhauses, am Samstag gegenüber Al Jazeera aus dem Inneren der belagerten Einrichtung, wo der Betrieb eingestellt werden musste, nachdem Strom und Treibstoff ausgegangen waren.
  • Weniger als 2 Kilometer trennen die israelische Invasionsarmee von der Isolierung des nördlichen Gazastreifens vom Meer. Entlang der Küste wurden heute neue Fortschritte der Besatzungsarmee verzeichnet. Israel verkündet auch die Übernahme des Badr-Militärkomplexes, der als eines der wichtigsten militärischen Hauptquartiere der Hamas bezeichnet wird. Das Al-Shifa Krankenhaus bleibt ohnehin das Ziel der Invasion. Die Panzer, die sich darauf zubewegen, sehen sich heftigen Gefechten gegenüber. Hamas, Islamischer Dschihad und PFLP kündigten an, sowohl die Invasionstruppen als auch Militärbasen außerhalb des Gazastreifens anzugreifen. In separaten Erklärungen behauptete die Hamas, zahlreiche Panzer zerstört und beschädigt zu haben: “Wir haben seit Beginn des Krieges über 160 israelische Militärfahrzeuge zerstört.”
  • Die israelische Zeitung “Haaretz” berichtet, fünf Soldaten kamen am 10.11 im Norden Gazas ums Leben.
  • Ärzte ohne Grenzen: Wir fordern die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada, die Mitgliedstaaten der Liga der Arabischen Staaten, die Mitgliedstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit und die Europäische Union auf, Maßnahmen zu ergreifen, um jetzt einen Waffenstillstand zu gewährleisten:

Die Organisation bestätigt auch Berichte, wonach Menschen beschossen werden, wenn sie versuchen, das Al-Shifa-Krankenhaus zu verlassen. “Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts beobachten unsere Mitarbeiter, wie auf Menschen geschossen wird, die versuchen, aus dem Al-Shifa-Krankenhaus zu fliehen”, heißt es auf Twitter.

  • Corinne Fleischer, Regionaldirektorin der Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen für den Nahen Osten, Nordafrika und Osteuropa: “Jeder Tag, der vergeht, bringt mehr und mehr Menschen dem Hungertod näher”.
  • “Als Folge des Stromausfalls ist die Neugeborenen-Intensivstation ausgefallen. Zwei Frühgeborene sind gestorben, und das Leben von 37 weiteren Frühgeborenen im Al-Shifa-Krankenhaus ist ernsthaft in Gefahr”, teilte die israelische Organisation Ärzte für Menschenrechte mit. Der stellvertretende Gesundheitsminister des Gazastreifens, Youssef Abu al-Reesh, der sich derzeit im Al-Shifa-Krankenhaus aufhält, erklärte gegenüber Al Jazeera, dass alle Generatoren und Stromquellen abgeschaltet seien. Dutzende von “Babys kämpfen gegen den Tod”, sagte er.
  • Die Organisation “Defence for Children International-Palestine”: “Zu sagen, dass die israelischen Streitkräfte in eklatanter Weise gegen die Kriegsgesetze verstoßen, ist eine Untertreibung”. Mehr als 4.506 palästinensische Kinder sind im Gazastreifen getötet worden und etwa 1.500 weitere werden vermisst, wahrscheinlich tot unter den Trümmern, so die Gruppe.
  • Die hygienische Lage in Gaza wird immer schlimmer: Nach Angaben der UN-Agentur OCHA wurde die Müllabfuhr im gesamten Gazastreifen wegen der unsicheren Lage und dem Mangel an Treibstoff eingestellt. “Der Abfall sammelt sich auf den Straßen und vor den Unterkünften der Binnenflüchtlinge an und birgt ein hohes Risiko für durch die Luft übertragene Krankheiten und den Befall von Insekten und Ratten”, so die Agentur. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation nehmen Infektionskrankheiten wie Durchfall und Windpocken im Gazastreifen stark zu, während medizinische Organisationen vor der Gefahr von Cholera und Epidemien warnen.
  • Nach Angaben der Washington Post bietet die Hamas an, über 100 Gefangene mit ausländischer Staatsangehörigkeit, als auch alle israelische Frauen und Kinder, die am 7.10 gefangen wurden, zu entlassen, als Teil eines Gefangenenaustausches gegen Hundert palästinensische Frauen und Kindern, die in israelischen Gefängnissen gehalten werden. Die Zeitung berichtet, die Verhandlungen befinden sich momentan in einer Sackgasse, da Israel darauf besteht, dass die Gefangenen aus Gaza erst entlassen werden, bevor Israel seine Gefangenen frei lässt.

Westjordanland

  • Nach Angaben der UN-Agentur OCHA wurden seit dem 7. Oktober im besetzten Westjordanland 168 Palästinenser, darunter 46 Kinder, von israelischen Streitkräften getötet.
  • Seit dem 7. Oktober kam es in den Dörfern von Nablus zu schweren Angriffen durch Siedler, von denen einige tödlich endeten, so Ghassan Daghlas, der amtierende Gouverneur von Nablus. Sieben Menschen wurden von Siedlern in den Dörfern Qusra und al-Sawiya getötet, es gab mindestens 108 Angriffe von Siedlern auf Häuser, Fahrzeuge und anderes Eigentum. Auch Olivenbäume wurden verbrannt und beschädigt. In den Dörfern von Nablus wurde den Palästinensern der Zugang zu mehr als 60 Prozent der mit Olivenbäumen bepflanzten Flächen verwehrt, und die Ernte blieb aus, was zu großen Verlusten führte. In der südlich von Nablus gelegenen Stadt Huwara herrscht seit mehr als 36 Tagen mit Unterbrechungen eine israelische Ausgangssperre. Etwa 500 Geschäfte entlang der Hauptstraße dürfen nicht geöffnet werden, was zu großen wirtschaftlichen Verlusten führt.
  • In der Stadt Araba in der Näh von Jenin hat das israelische Militär einen 24-jährigen Palästinenser, Wissam Hamran, erschossen, nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds.

Libanon

  • Hisbollah Anführer Sayyed Hassan Nasrallah sagt, dass die Operationen der Hisbollah an der Front zu Israel “verbessert” worden seien. “Die Zahl der Operationen, der Umfang und die Zahl der Ziele sowie die Art der Waffen haben sich quantitativ verbessert”, sagte er in einer Fernsehansprache. Er fügte hinzu, dass die Hisbollah eine als Burkan bekannte Rakete eingesetzt habe, deren Sprengladung zwischen 300 kg und 500 kg liege, und bestätigte, dass die Gruppe zum ersten Mal bewaffnete Drohnen eingesetzt habe.

Israel

  • Israel hat die Zahl der Todesopfer des Angriffs am 7. Oktober auf rund 1.200 Menschen nach unten korrigiert, während die Regierung zuvor von 1.400 ausgegangen war. “Rund 1.200 ist die offizielle Zahl der Opfer des Massakers vom 7. Oktober”, sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Lior Haiat, am Freitag in einer schriftlichen Erklärung, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
  • Der Israelische Agrarminister, Avi Dichter: “wir rollen jetzt die Gaza-Nakba 2023 aus.” — so seine Antwort auf die Frage, ob die Bilder der Vertriebenen, die vom Norden Gazas in den Süden fliehen, mit der Nakba vergleichbar seien, berichtet “Haaretz”.
  • Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant warnte die Hisbollah, dass ein Krieg im Libanon ähnliche Zerstörungen wie im Gazastreifen nach sich ziehen würde. “Was wir in Gaza tun, können wir auch in Beirut tun” sagte Gallant vor Soldaten an der Nordgrenze Israels in einer von seinem Büro übermittelten Erklärung.

Global

  • In vielen Städten fanden Solidaritätsdemonstrationen statt, unter anderem Paris, Sydney, Berlin und München.
  • In London haben ca. 500,000 Menschen gegen die Angriffe auf Gaza und für einen Waffenstillstand demonstriert. Mehrere Hunderte Rechtsradikale, unter ihnen der frühere Anführer der English Defence League Tommy Robinson versuchten, die Demonstration zu stören, und haben dabei Gegenstände auf die Polizei geworfen und Israelfahnen geschwenkt. Laut der Londoner Polizei wurden ca. 100 Gegendemonstranten festgenommen.
  • Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte gegenüber britischen Medien, Israel muss aufhören, den Gazastreifen zu bombardieren und Zivilisten zu töten. Es gebe “keine Legitimation” für die Bombardierung, sagte Macron der BBC in einem am späten Freitag veröffentlichten Interview und fügte hinzu, dass ein Waffenstillstand Israel nützen würde. “Diese Babys, diese Frauen, diese alten Menschen werden bombardiert und getötet”, sagte der französische Staatschef. “Es gibt also keinen Grund dafür”, fügte er hinzu. “Deshalb fordern wir Israel auf, damit aufzuhören”, fügte er hinzu. Macron hat nicht erklärt, zu welchen Maßnahmen Frankreich greifen würde, damit Israel die Bombardierungen stoppt.

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