Wieder Trauerzüge

Gestern verstarb der Palästinenser Mohamed Abu Sabah (30) an den Folgen seiner schweren Bauchverletzungen, die er vor etwa 2 Wochen bei einem Überfall des israelischen Militärs in der besetzten Stadt Jenin im Westjordanland erlitten hatte.

Die Mutter Mohamed Abu Sabahs bei der gestrigen Beerdigung ihres Sohnes. Jenin, besetztes Westjordanland, 23.02.2023 Quelle: Quds News Network

Außerdem haben israelische Besatzungssoldat:innen im südlichen besetzten Westjordanland den Palästinenser Mohammad Jawabreh (22) getötet. Ihm schossen die Besatzer am Donnerstagnachmittag bei einem Angriff der israelischen Armee auf das Flüchtlingslager Arroub in Al Khalil (Hebron) in den Kopf. Heute erlag er vor Sonnenaufgang seinen Verletzungen. Bei seiner Ankunft im Al Ahli-Krankenhaus der Stadt wurde er in die Intensivstation eingeliefert & blieb dort bis zu seinem Tod.

Der Polizist & Student Mohammad Jawabreh (22)

Jawabreh war Polizeibeamter der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) & arbeitete in Bethlehem. Außerdem studierte er neben seinem Beruf Medientechnologie an der Palästinensischen Technischen Universität Kadoorie.

Die Zahl der in diesem Jahr durch israelische Besatzungskräfte, einschließlich Siedler, getöteten Palästinenser:innen im Westjordanland (inkl. Jerusalem) & dem Gazastreifen ist somit auf 66 gestiegen, darunter 14 Kinder & 1 Frau.

Das sind im Durchschnitt 1,2 Tote pro Tag im Jahr 2023. Damit waren die ersten beiden Monate des Jahres 2023 die tödlichsten für Palästinenser:innen im Westjordanland & Jerusalem seit 23 Jahren.

Das palästinensische Gesundheitsministerium erklärte am Mittwoch: “In den vergangenen 22 Jahren haben wir in den ersten beiden Monaten eines Jahres nicht so viele Getötete verzeichnet.”

Am Donnerstag war es im gesamten besetzten Westjordanland zu Protesten gegen die israelische Besatzung & Solidaritätskundgebungen für den Widerstand gekommen, nachdem Israel am Vortag gewaltsam in die Stadt Nablus einfiel & dort 11 Palästinenser tötete & mehr als 100 weitere verletzt hatte, 82 davon mit scharfer Munition. Zig Tausende Demonstranten machten deutlich, dass das Recht auf Widerstand gegen die Besatzung legitim sei. Auf die gestrigen Proteste reagierte die Besatzung mit Gewalt.

Unabhängig davon berichtete das palästinensische Gesundheitsministerium am späten Donnerstagabend, dass 2 palästinensische Männer von israelischen Siedlern, die in das palästinensische Dorf Qusra in Nablus eingedrungen waren, angeschossen wurden & sich seitdem in einem kritischen Zustand befinden.

Am Donnerstag kam es in dem seit 1967 völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland, Jerusalem & im Gazastreifen zu einem Generalstreik, bei dem aus Protest gegen die Tötungen alle Aspekte des täglichen Lebens zum Stillstand kamen. Geschäfte, Schulen etc. blieben geschlossen.

In Al Khalil (Hebron) marschierten heute Palästinenser:innen nach dem Freitagsgebet, um des 29. Jahrestages des Massakers in der Ibrahimi-Moschee im Jahr 1994 zu gedenken. Damals drang ein israelisch-US-amerikanischer Siedler während des Gebets in der Moschee ein & erschoss 29 Palästinenser & verletzte mehr als 100 weitere. Als Reaktion darauf sperrte die Besatzung die Innenstadt — für Palästinenser:innen. Bis heute dürfen sie sie nicht betreten. Nur die illegalen Siedler:innen können sich frei in der gesamten Stadt bewegen. Israels aktueller Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, ist im übrigen ein Bewunderer des Attentäters von 1994, Baruch Goldstein. Unter anderem hing jahrelang ein Bild Goldsteins in Ben Gvirs Wohnzimmer.

Bei den Protesten in Al Khalil kam es heute zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden & Besatzer:innen. Dabei verletzten israelische Soldat:innen mindestens 3 Palästinenser, einer von ihnen befindet sich in kritischem Zustand, nachdem er von einer Blendgranate am Kopf getroffen wurde.

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