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“Wenn Sie töten wollen, was von uns übrig ist, sagen Sie uns einfach Bescheid”

Bis gestern, 14 Uhr meldete die UN seit dem 7. Oktober sind 9061 Palästinenser*innen durch Bombenangriffe in Gaza getötete worden, mindestens 3760 von ihnen Kinder. Am 2. November wurden vier UNRWA Notunterkünfte angegriffen und dabei mindestens 23 Schutzsuchende getötet. Heute wurden mindestens drei Gesundheitseinrichtungen durch Bombenangriffe in der unmittelbaren Umgebung beschädigt.

Angriffe auf Krankenhäuser und Rettungskonvois

Dabei wurde heute ein Konvoi von Krankenwägen außerhalb des al-Shifa Krankenhauses von einem israelischen Luftangriff getroffen, meldete das Gesundheitsministerium Gazas.

Der mit der WHO und UN koordinierte Konvoi sollte Schwerverletzte für Notoperationen aus Gaza zur ägyptischen Grenze bringen. Die genaue Zahl der Verletzten und Verstorbenen ist noch unklar. In den Krankenwagen befanden sich 15 bis 20 Palästinenser*innen in kritischem Zustand.

Laut einem Sprecher des Krankenhauses sei Israel unmissverständlich darin eingeweiht gewesen, dass der Konvoi um Punkt 16:00 Uhr das Krankenhaus verlassen würde. Daraufhin seien die Rettungstransporte umgehend vor dem Eingang des Krankenhaus angegriffen worden. Das Krankenhaus wurde durch die zahlreichen Einschläge heute stark beschädigt, so Lokaljournalisten bei Al Jazeera. Das israelische Militär gab zu, für die Bombardierung verantwortlich zu sein und behauptete Hamas hätte eines der Fahrzeuge genutzt. Beweise für diese Behauptung legte Israel nicht vor.

Mads Gilbert, ein ehemaliger Arzt am al-Shifa Krankenhaus unter anderem während früherer Kriege, berichtete al Jazeera, dass solche Angriffe von Israel auf klar kommunizierte Krankentransporte keineswegs neu sind: “Also es ist eine sehr beängstigende Erfahrung, die Verantwortung für einen Patienten zu haben, vielleicht intubiert, vielleicht an einem Beatmungsgerät, schwer verletzt und du gehst dahin und fühlst dich ziemlich nackt und hoffst, dass der internationale Anstand und Reguliergungen dich beschützen werden,” sagte er. “Nicht so in Gaza, nicht so mit palästinensischen Krankenwägen. Wir haben das oft gesehen”. Er fügte hinzu: “Dies ist der letzte in einer langen Reihe von extrem, extrem zynischen und brutalen Attacken der israelischen Armee auf Patient*innen, Gesundheitspersonal und Krankenhäuser”.

Zuvor hatte das al-Shifa Krankenhaus in einer Pressekonferenz bereits um internationalen Schutz durch das Rote Kreuz gebeten, da es wiederholt zu Angriffen auf Krankenwägen kam. Das Krankenhaus steht kurz vor einem kompletten Kollaps und ist bereits jetzt überfordert von der großen Zahl an Verletzten, aber auch Leichen und Zufluchtsuchenden. “Wir haben SOS Nachrichten an die ganze Welt gesendet,” so der Direktor des al-Shifa Krankenhauses, Abu Silmeyeh. “Das Gebäude hinter mir [beherbergt] Tausende von Patient*innen und Opfern. Es steht jetzt ohne Strom da”. Er fügt hinzu: “Wenn Sie töten wollen, was von uns übrig ist, sagen Sie uns einfach Bescheid. Wenn dieses Krankenhaus kollabiert, zerreißt der gesamte Gesundheitssektor.

Seit dem 7. Oktober hat israel 39 Gesundheitseinrichtungen angegriffen.

Angriffe auf Fliehende

Auch die Attacken auf Palästinenser*innen, die auf den von Israel dafür vorgeschlagenen Straßen vom Norden Gazas in den vermeintlich sicheren Süden fliehen, gehen weiter, dabei wurden heute mindestens 14 Palästinenser*innen getötet.

https://t.me/QudsNen/85315

Angriffe auf Unterkünfte für Vertriebene

Israelische Kampfflugzeuge haben heute Abend die Ben Zaid Grundschule in der Nähe von Saftawi im Norden Gazas bombardiert. In der Schule hatten Vertriebene Schutz gesucht. Die Menschen hatten versucht etwas Schlaf zu finden, als das Krankenhaus bombardiert wurde. Ein Augenzeuge berichtet gegenüber Al Jazeera: “”Meine Familie und unsere Cousins haben alle geschlafen, und plötzlich landet eine Rakete auf uns. Schaut sie euch jetzt an. Sie wurden getötet und in Einzelteile zerfetzt, alle von ihnen.” Das palästinensische Gesundheitsministerium spricht von mindestens 20 Toten.

Am Donnerstag hatte Israel Schule, die mit der UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) verbunden ist, in einem Flüchtlingslager westlich von Gaza-Stadt mit Rauchbomben angegriffen. Der lokale Sender Al-Aqsa berichtete, dass israelische Kriegsflugzeuge eine UNRWA-Schule im Al-Shati-Lager mit international verbotenen Brandwaffen aus weißem Phosphor angegriffen haben. In einem Video ist zu sehen, wie Rauch aus den Bomben aufsteigt, als sie im Schulhof der Einrichtung abgeworfen werden, wo sich aufgrund der anhaltenden israelischen Luftangriffe in Gaza seit dem 7. Oktober eine Reihe von Vertriebenen aufhält. (Anadolu Agency).

Weitere Entwicklungen Gaza und Westjordanland

Ungefähr 3.000 Palästinenser*innen, die sich bei Ausbruch des Krieges zum Arbeiten in Israel befunden haben, wurden gezwungen sich zurück in den Gazastreifen zu gehen. Zuvor wurden Tausende im Zuge von Masseninhaftierungen nach dem 07. Oktober vermisst geglaubt.

Mindestens neun Palästinenser*innen wurden im Zuge von israelischen Militärrazzien in der besetzten Westbank getötet, fünf davon in Jenin.

International

In einer Lagebesprechung für die UN-Mitgliedstaaten verkündete der Chef der UN-Hilfe, Martin Griffiths, heute, dass es bei den Verhandlungen für Treibstofflieferungen für Gaza “etwas Fortschritt” gab. Gleichzeitig forderte er auch erneut die Ermöglichung “humanitärer Pausen”, in denen wichtige Hilfslieferungen nach Gaza geschafft werden könnten.

Israels Premierminister Netanyahu jedoch wiederholte Israels Weigerung einen temporären Waffenstillstand oder humanitäre Pausen zu ermöglichen, “welche nicht die Rückgabe der Gefangenen beinhaltet.” Stattdessen werde Israel mit “all seiner Kraft” weitermachen.

Auf die Frage von Journalist*innen in Tel Aviv, ob die USA bereit sei seine Durchsetzungskraft in der Region einzusetzen, antwortete der US-Außenminister Blinken: “Bezüglich Lebanon, bezüglich Hezbollah, bezüglich Iran — wir sind von Anfang an sehr klar gewesen, dass wir entschlossen sind keine Öffnung einer zweiten oder dritten Front in diesem Konflikt zuzulassen”.

Hisbollah

Hezbollah und Israel haben gestern erneut Feuer ausgetauscht, kurz vor der erwarteten Rede des Anführers der schiitischen Gruppe, Hassan Nasrallah, am Freitag — seine erste seit Beginn des Israel-Hamas-Krieges am 7. Oktober. Die israelische Armee erklärte in einer Stellungnahme, dass sie am Donnerstag “eine Reihe von terroristischen Zielen der Hisbollah im Libanon” angegriffen habe. Israel und die Hisbollah haben seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober tödliches Feuer über die israelisch-libanesische Grenze ausgetauscht. Die jüngste Konfrontation gilt als die tödlichste Eskalation an der Grenze seit dem Krieg von 2006, Nasrallah sprach von bisher 57 getöteten Kämpfern der Hezbollah. In seiner Rede sprach Nasrallah außerdem davon, dass Libanon sich weiterhin alle Optionen offen halte und auch nicht durch die Anwesenheit US-amerikanischer Kampfschiffe im Mittelmeer eingeschüchtert sei. Wer auch immer eine Ausweitung des Krieges in der Region verhindern wolle, so Nasrallah, müsse den Krieg gegen Gaza stoppen. (Al Jazeera)

Ibrahim Fraihat, Analyst des Doha Institut, betont dabei vor allem, dass die Hezbollah eigenen Angaben nach bereits seit dem 08. Oktober in den Krieg involviert sei, es geht also nicht mehr darum ob, sondern wie stark sich die Hezbollah und Libanon in Zukunft einmischen werden. Fraihat verweist dabei Al Jazeera gegenüber vor allem auf zwei rote Linien, die Nasrallah nennt, bei deren Überschreitung eine weitere Eskalation und regionale Erweiterung des Krieges möglich wäre: “zum einen, die Entwicklungen vor Ort in Gaza und das ist verknüpft, in meiner eigenen Analyse, mit dem Fall der Hamas, in welchem er [in die weiteren Kampfhandlungen] eintreten würde. Und [zweitens] was er das israelische Verhalten gegenüber Libanon nannte, welches auch ein Grund sein könnte, weshalb er dem Krieg auf einem höheren Level beitreten könnte”.

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