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Weitere Angriffe vor dem Waffenstillstand

Aktuelle Todeszahlen in Gaza:

14,532 Toten, davon circa 6,000 Kinder und 205 medizinisches Personal.

4-tägiger Waffenstillstand vereinbart

In der Nacht zum Mittwoch haben die Hamas und die israelische Regierung bekannt gegeben, dass sie sich auf eine vorübergehende Feuerpause geeinigt haben, mit einigen Unterschieden in den angekündigten Details. Die Feuerpause wird voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag beginnen. Am Mittwoch hat das Israelische Militär seine Angriffe in Gaza fortgesetzt.

Die wichtigsten Punkte der Vereinbarung sind:

  • Feuerpause für 4 Tage
  • 50 Gefangene der Hamas sollen in den 4 Tagen schubweise freigelassen werden.
  • Freilassung von 3 palästinensischen Gefangenen aus den israelischen Besatzungsgefängnissen für jeden Gefangenen der Hamas. Nach der Version der Hamas sollen Frauen und Kinder aus den israelischen Gefängnissen freigelassen werden.
  • Die Vereinbarung schließt lebende Gefangene ein.
  • Die Vereinbarung schließt Gefangenen ein, die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen.
  • Die Vereinbarung gilt nicht für Kriegsgefangene, die von Widerstandsgruppen festgehalten werden.
  • Ein zusätzlicher Waffenstillstand für 24 Stunden im Gegenzug für die Freilassung von 10 Gefangenen.
  • Erlaubnis, “große” Mengen an Treibstoff und humanitärer Hilfe in den Gazastreifen zu bringen. Die Version der Hamas fügt hinzu: “in alle Teile des Gazastreifens”.
  • Aus der Version der Hamas: Die Besatzung verpflichtet sich, die Bewegungsfreiheit der Menschen von Norden nach Süden zu gewährleisten.

Gaza

Weitere Angriffe in der Nacht auf Mittwoch — Ein Bauernhof in Khan Younis wurde bombardiert, und auf das Flüchtlingslager Nuseirat wurde ein Angriff verübt, bei dem Dutzende von Palästinensern getötet wurden. Im Norden wurden Gebiete in der Nähe des indonesischen Krankenhauses und des Kamal Adwan Krankenhauses beschossen, und Berichten zufolge wurde ein Krankenwagen bombardiert. Auch das Flüchtlingslager Jabalia wurde bombardiert, das zuvor mehrfach von israelischen Streitkräften beschossen worden war. Al-Jazeera berichtet, mehr als 50 Menschen kamen bei einem Angriff des Israelischen Militärs auf das Flüchtlingslagar ums Leben. Mehr als 2.000 Palästinenser werden noch immer überall in Gaza unter den Trümmern vermisst, und der Zivilschutz hat Schwierigkeiten, sie zu bergen.

Der palästinensischer Roter Halbmond ist bereit zur Evakuierung von Al-Shifa-Patienten. Nach Angaben der Hilfsorganisation sind 14 ihrer Krankenwagen in Begleitung von Mitgliedern der UN und der humanitären Organisation Ärzte ohne Grenzen in dem belagerten Krankenhaus in Gaza-Stadt eingetroffen. “Nierenpatienten werden in das Abu Youssef al-Najjar Krankenhaus in Rafah verlegt und die Verletzten werden in das Europäische Krankenhaus südlich von Khan Younis gebracht”, heißt es auf Facebook. Es wird geschätzt, dass mehr als 250 Patienten und medizinisches Personal im al-Shifa-Krankenhaus festsitzen.

Ismail al-Thawabta, Generaldirektor des Medienbüros der Regierung in Gaza, sagte, Israel begehe weiterhin “Verbrechen” gegen das indonesische Krankenhaus im Norden. Die israelischen Streitkräfte besetzen auch weiterhin das al-Shifa-Krankenhaus und “verwandeln es in eine Kaserne, ein Massengrab und ein Gebiet der Zerstörung und des Tötens”, so al-Thawabta gegenüber Reportern. Die humanitäre Lage im Gazastreifen habe sich in einer noch nie dagewesenen Weise verschlechtert, da es auf den Märkten an lebensnotwendigen Gütern fehle und die Bäckereien “ihren Betrieb vollständig eingestellt” hätten. Al-Thawabta forderte auch die Öffnung des Grenzübergangs Rafah, um die Einfuhr von Treibstoff zu ermöglichen, der von den Krankenhäusern dringend benötigt wird, und um die Abwasser- und Wasserversorgung sicherzustellen.

Westjordanland

Ein 16-Jähriger wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei einer Razzia der israelischen Streitkräfte in der Stadt Burin in der Nähe von Nablus im besetzten Westjordanland getötet. Zeugen berichteten Al Jazeera, dass die Soldaten bei den Zusammenstößen mit scharfer Munition auf die Bewohner schossen.

Ein israelischer Überfall auf das Flüchtlingslager im Tulkarem, bei dem sechs Palästinenser ums Leben kamen, hinterließ auch “Verwüstung”, nachdem Bulldozer des Militärs Straßen und andere wichtige Infrastrukturen zerstört hatten, so Faisal Salama, der das Komitee leitet, das Dienstleistungen für die Bewohner erbringt. Salama erklärte gegenüber Al Jazeera, die Armee habe alle Zugänge zum Lager zerstört und sie mit Erdwällen und anderen Barrieren verschlossen. Außerdem wurden fünf Häuser abgerissen und mehr als 50 Palästinenser verhaftet. “Die Armee zerstörte Wasserleitungen und Stromnetze sowie Mobilfunk- und Breitbandmasten und beschädigte mehr als 100 Geschäfte und 120 Häuser”, sagte sie. “Dies ist der dritte Überfall auf das Lager seit dem 7. Oktober und der fünfte in den letzten zwei Monaten. Diese Übergriffe sind Teil der Politik der kollektiven Bestrafung durch die israelische Besatzung.”

Israel

Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat das Waffenstillstandsabkommen zwischen der Hamas und Israel scharf kritisiert und behauptet, dass die Kampfpause einen “gefährlichen Präzedenzfall” darstellt. Er sieht zwar einen “Vorteil” in der Vereinbarung über die Rückgabe der Gefangenen, aber “wir haben kein Recht und keine Befugnis, der Idee zuzustimmen, sie zu trennen und nur einen Teil zurückzugeben”. Ben-Gvir gehörte zu den israelischen Ministern, die gestern Abend gegen das Waffenstillstandsabkommen stimmten. “Diese Entscheidung wird uns über Generationen hinweg großen Schaden zufügen”, wurde er von israelischen Medien während der Regierungssitzung zitiert.

Global

Reuters berichtet, Südafrikanische Gesetzgeber stimmten am Dienstag für die Schließung der israelischen Botschaft in Pretoria und die Aussetzung aller diplomatischen Beziehungen, bis ein Waffenstillstand im Gazastreifen vereinbart wird. Die Resolution ist weitgehend symbolisch, da es der Regierung von Präsident Cyril Ramaphosa überlassen bleibt, ob sie sie umsetzt. Ein Sprecher der Präsidentschaft sagte, Ramaphosa nehme die Hinweise des Parlaments zu den diplomatischen Beziehungen Südafrikas zu Israel, insbesondere zum Status der Botschaft, “zur Kenntnis und schätze sie”.

Einem Bericht von Politico zufolge, in dem Beamte der US-Regierung zitiert werden, bleibt Washington hinsichtlich des Endspiels der israelischen Regierung im Gazastreifen “vorsichtig”. Ein hochrangiger Beamter der US-Regierung sagte der Publikation, es sei nicht abzusehen, dass die Kampfpause in einen längeren Waffenstillstand münden werde. Darüber hinaus ist man in der Regierung besorgt über “eine unbeabsichtigte Folge” des Waffenstillstandsabkommens, wie Politico berichtet. “Dass es Journalisten einen breiteren Zugang zum Gazastreifen ermöglichen würde und die Gelegenheit, die Verwüstung dort weiter zu beleuchten und die öffentliche Meinung gegen Israel zu wenden”, hieß es.

Aktivisten besetzen das britische Parliament in London:

Das Arabische Zentrum für die Förderung sozialer Medien (Arab Center for the Advancement of Social Media), auch bekannt als 7amleh, hat herausgefunden, dass Meta — das Unternehmen, dem Facebook und Instagram gehören — finanzielle Vorteile aus der Verbreitung schädlicher Inhalte auf seinen Plattformen zieht. Die Untersuchung der palästinensischen Gruppe für digitale Rechte wurde durch die Entdeckung ausgelöst, dass Facebook gezielte Anzeigen schaltet, die zur Ermordung von Personen und zur gewaltsamen Vertreibung von Palästinensern aus dem besetzten Westjordanland nach Jordanien aufrufen. Die Gruppe fand 19 Anzeigen mit Hassreden und Aufrufen in hebräischer Sprache gegen Araber und Palästinenser im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Gaza. Die genehmigten Anzeigen enthielten Aufrufe zur “Auslöschung des Gazastreifens, seiner Frauen, Kinder und älteren Menschen” und andere aufrührerische Formulierungen, die ausdrücklich dazu aufriefen, Palästinenser zu töten, den gesamten Gazastreifen niederzubrennen, Menschen zu deportieren und eine zweite Nakba zu veranstalten.

Ein ehemaliger hochrangiger US-Beamter sieht sich nach der Belästigung eines Anbieters von Halal-Lebensmitteln in New York einer Gegenreaktion ausgesetzt. Stuart Seldowitz, der früher stellvertretender Direktor des Büros für israelische und palästinensische Angelegenheiten des US-Außenministeriums war, wurde auf Video aufgenommen, wie er den Verkäufer in Manhattan verhöhnt und bedroht. Inmitten des offensichtlichen Streits über den laufenden Gaza-Krieg sagte er zu seinem Gegenüber, dass mehr palästinensische Kinder sterben sollten. “Wenn wir 4.000 palästinensische Kinder getötet haben, war das nicht genug”, sagt Seldowitz ruhig in einem Austausch, der auf Video aufgenommen und auf der Social-Media-Plattform X veröffentlicht wurde.

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