Weihnachten in Palästina
Bilder via Facebook: British Mandate Jerusalemites Photo Library

Weihnachten in Palästina

Eigentlich sind wir ja eine Nachrichtenseite… aber heute werfen wir mal einen Blick auf Weihnachten in Palästina, lassen dabei palästinensische Christ:innen zu Wort kommen & schauen auf Weihnachten vor & nach der Besatzung. Euch erwartet:

Wie war Weihnachten vor der israelischen Staatsgründung? Wie ist Weihnachten heute unter Besatzung? Zeitzeugen berichten | “Wir sind alle eingesperrt”: Christen in Gaza | Ein Appell von Hanna Atallah, Erzbischof der griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem | Eine kleine palästinensische Weihnachtstradition zum Nachkochen | Die ethnische Säuberung der palästinensischen Christ:innen, über die niemand redet | Alte Foto-Impressionen — Bilder aus den Jahren 1900–1920 | Ideen für ein Weihnachtsgeschenk über & aus Palästina, das zeitgleich Palästina unterstützt |Ein Schlusswort

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Weihnachten ohne Besatzung vs Weihnachten unter Besatzung

“In Aboud klammern wir uns weiterhin an unsere Weihnachtstraditionen & die Feste der Vergangenheit, doch unsere Freude ist ständig begleitet von Sorge & Angst vor einem Überfall der israelischen Armee auf das Dorf.” — Rafiha Elyas, 83

“Die Glocken läuteten & die Kirchen öffneten ihre Türen — wir begannen unseren Tag mit einem Gebet, bevor wir uns aufmachten, Familie, Freunde & Nachbarn zu besuchen, Segen auszutauschen und Süßigkeiten & Kaffee anzubieten. Heute haben diese Formalitäten abgenommen & die Besuche beschränken sich mehr auf die Familie”, sagt Saad und erklärt, dass die israelische Besatzung es schwierig & manchmal sogar unmöglich gemacht hat, Familie & Freunde zu erreichen oder sogar in der Geburtskirche in Bethlehem & der Grabeskirche in Jerusalem zu beten. “Heutzutage gibt es an jeder Ecke Kontrollpunkte der israelischen Armee — sogar am Eingang zu unserem Dorf — sie zwingen uns zum Anhalten, verzögern & schränken unsere Bewegung ein. Das Leben wird jeden Tag enger & wir verlieren den Willen, die Feiertage zu feiern — wir sind ständig von einem Gefühl der Angst & Besorgnis erfüllt”, — Saad Saad Elyas Bashariya, 89

Mehrere alte Palästinenser:innen erinnern sich in diesem lesenswerten Artikel daran, wie sie vor der israelischen Staatsgründung 1948 Weihnachten gefeiert haben & wie sie heute unter Besatzung die Festtage erleben:

“Wir sind alle eingesperrt”: Christen in Gaza

Während Touristen aus aller Welt an Weihnachten nach Jerusalem & Bethlehem reisen, ist den ältesten christlichen Gemeinden der Welt — den palästinensischen — genau dies verwehrt: Die israelische Besatzung macht es für Christen aus Gaza & dem Westjordanland nahezu unmöglich, Weihnachten an ihren heiligen Orten zu zelebrieren. Vor allem der von Israel auferlegten Totalblockade Gazas zu entkommen, ist schwer…

Dieses Video aus dem Jahr 2018 ist nach wie vor aktuell & gibt einen Eindruck, wie sich Weihnachten, weggesperrt vom Rest der Welt & Verwandten in anderen Teilen Palästinas, anfühlt:

Ein Appell

“In wenigen Tagen werden Christen auf der ganzen Welt Weihnachten feiern. Die Straßen & Stadtplätze werden in Europa & der ganzen Welt mit Lichtern, Ornamenten & Weihnachtsbäumen geschmückt. Ich möchte alle Christen auf der ganzen Welt daran erinnern, dass es keinen Sinn hat, Weihnachten zu feiern, wenn man sich nicht dafür interessiert, was in Palästina geschieht, denn es ist der Ort, wo Jesu Christi geboren wurde, wo das Christentum seinen Ursprung hat & von wo seine Botschaft in die Welt hinausgetragen wurde. Die Geburtsgrotte befindet sich in Bethlehem, das wahre Weihnachtslicht wird in Bethlehem angezündet. Deshalb rufen wir alle Kirchen der Welt, im Osten & Westen, auf, Palästina, die Kinder Palästinas & die palästinensische Sache dringend zu verteidigen.” — Hanna Atallah, Erzbischof der griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem, Dezember 2019

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Eine kleine palästinensische Weihnachtstradition zum Nachkochen

Eid Al Burbara ist ein christlicher Feiertag, der jedes Jahr im Dezember in Palästina & den angrenzenden Ländern begangen wird. Auf diesen Bildern bereiten Palästinenser:innen in der Griechisch-Orthodoxen Kirche im Dorf Aboud, westlich von Ramallah im besetzten Westjordanland, zum Auftakt des Weihnachtsfestes, diese Süßigkeit vor:

Die ethnische Säuberung der palästinensischen Christen, über die niemand redet

Die christliche Bevölkerung im besetzten Westjordanland & Gaza schrumpft mit alarmierender Geschwindigkeit. Ausländische Pilger strömen nach Bethlehem, um Weihnachten zu feiern, aber palästinensische Christen fürchten um das Überleben ihrer eigenen Gemeinschaft im Land von Jesu Geburt. Die älteste christliche Gemeinschaft der Welt zieht woanders hin. Und der Grund dafür ist Israels Besatzung. Zahlreiche Studien & Umfragen unter palästinensischen Christen & Muslimen kommen zu diesem Schluss. Die folgenden Artikel beleuchten dies näher:

Alte Foto-Impressionen

Ein paar der folgenden Bilder aus den Jahren 1900–1920 geben einen kleinen Eindruck, wie Bethlehem & Weihnachten in Palästina aussahen, lange vor der Gründung Israels, lange vor der Besatzung. In einer Zeit, in der Palästinenser*innen allen Glaubens sich frei bewegen & feiern konnten, ohne Einschränkungen, Demütigungen, Militärcheckpoints & verweigerten Travel permits, auf ihrem eigenen Land, an ihren eigenen heiligen Stätten.

Inspirationen für ein Weihnachtsgeschenk über und/oder aus Palästina, das zeitgleich Palästina unterstützt?

  1. Olivenöl, in uraltem Handwerk hergestelltes Glas, Keramik & Seife & Kuffiyahs aus dem letzten Kufiya-Werk (Familienbetrieb) in Palästina: https://www.madeinpalestine.de/
  2. Keramik & allerlei hübscher Schnickschnack im Onlineladen von Hanan Al Murqaten: https://palestineinabox.com/
  3. Kleidung mit Statement, Koch- & Kinderbücher (englisch) & so manches mehr: https://mondoweiss.net/2020/12/the-mondoweiss-gift-guide-the-best-of-handmade-from-palestine-and-more/?utm_content=buffer18784&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

Unsere Geschenkideen für Bücherwürmer & Interessierte:

Belletristik & Erlebnisberichte/Memoiren

  1. Susan Abulhawa: “Während die Welt schlief”, “Als die Sonne im Meer verschwand”, “Nahrs letzter Tanz”
  2. Ghassan Kanafani: “Rückkehr nach Haifa”, “Männer unter der Sonne”
  3. Ghada Karmi: “In search of Fatima” (nur auf englisch oder französisch erhältlich)
  4. Atef Abu Saif: “Frühstück mit der Drohne”
  5. Ahed Tamimi & Dena Takruri: “They Called Me a Lioness: A Palestinian Girl’s Fight for Freedom”. Die Geschichte der Palästinenserin Ahed Tamimi, die mit 15 Jahren einen Soldaten ohrfeigte & dafür monatelang ins Gefängnis musste.

Sachbücher:

  1. Ilan Pappe: “Die ethnische Säuberung Palästinas”
  2. Ben White: “Israeli Apartheid — A Beginner’s Guide”

Bethlehem heute

Bethlehem: Ein Ort, der durch die 8m hohe israelische Trennmauer, die Checkpoints, die Nähe und gleichzeitige Unerreichbarkeit Jerusalems für palästinensische Christen & Muslime ein Ort ist, der durch die Besatzung voller Widersprüche, Angst & Hoffnung, Freude und tiefes Leid die Zerrissenheit Palästinas zeigt. Die israelische Mauer umgibt die Stadt auf zwei Seiten und trennt sie so von Jerusalem. Die Einwohner Bethlehems sprechen daher von einem Gefängnis.

Ein Schlusswort

Solltet ihr also heute Lieder über Bethlehem & Jerusalem hören & singen, vergesst nicht die Besatzung & denkt an die leidenden & kämpfenden Palästinenser:innen. Hofft & engagiert euch für einen gerechten Frieden im historischen Palästina.

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