Vollständige seelische Verwüstung angestrebt?

Ein israelisches Gericht hat die Isolationshaft des 20-jährigen palästinensischen Häftlings Ahmad Manasra trotz seines schweren psychischen & physischen Zustands verlängert. Er ist seit seinem 14. Lebensjahr israelischer Haft & Folter ausgesetzt. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen sowie die EU & UN-Behörden fordern seit langem seine unverzügliche Freilassung.

Am 24.11.2022 verlängerte das israelische Bezirksgericht Beer Sheva die Isolationshaft Ahmad Manasras um weitere vier Monate & stützte sich dabei erneut auf “geheime Beweise”. Ahmad befindet sich bereits seit über einem Jahr, seit November 2021, in Einzelhaft.

Die EU forderte daraufin die israelischen Besatzungsbehörden auf, Ahmad Manasra “dringend” freizulassen. In einem Tweet schrieb die EU-Delegation in Palästina:

“Die EU und einige Mitgliedstaaten haben heute an der Anhörung von Ahmad Manasra teilgenommen. Das Gericht hat seine einjährige Isolationshaft um weitere 4 Monate verlängert. Die UNO legt fest, dass eine Einzelhaft von mehr als 15 Tagen als Folter gilt […] Wir appellieren an die israelischen Behörden, die Isolationshaft sofort zu beenden & sicherzustellen, dass er die notwendige psychologische Beratung & Unterstützung erhält. Angesichts ernster internationaler Bedenken hinsichtlich der Standards für faire Gerichtsverfahren & ordnungsgemäße Verfahren in diesem Fall fordern wir die israelischen Behörden auf, ihn unverzüglich freizulassen.”

Ahmad Manasra ist ein zugrunde gerichtetes Kind. Er ist seit Beginn seiner Haft — er war erst 13 — immer wieder Folter & Isolationshaft ausgesetzt. Er wurde seiner Kindheit & letztlich auch seiner Gesundheit in israelischen Gefängnissen beraubt. Durch seine unmenschlichen Haftbedingungen leidet er mittlerweile an Schizophrenie & ist hochgradig suizidal.

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Ahmad Manasra wurde als 13-jähriger zu 12 Jahren Haft in einem israelischen Gefängnis verurteilt, später wurde das Urteil auf 9 Jahre reduziert. Ahmad & sein Cousin Hassan Manasra waren im Jahr 2015 gemeinsam nahe der illegalen Siedlung Pisgat Zeev im besetzten Ostjerusalem unterwegs, als Hassan plötzlich 2 israelische Siedler mit einem Messer verletzt. Obwohl Ahmad überhaupt nicht an dem Angriff beteiligt war — was von den israelischen Gerichten bestätigt wurde — wurde Manasra wegen versuchten Mordes angeklagt.

Hassan, der damals 15 Jahre alt war, wurde von einem israelischen Zivilisten erschossen, während der 13-jährige Ahmad von einem israelischen Mob schwer verprügelt & von einem israelischen Fahrer absichtlich überfahren wurde, wobei er Schädelfrakturen & innere Blutungen erlitt.

Ein Video (s. oben), das zeigt, wie Ahmad Manasra blutend am Boden liegt & nach Hilfe ruft, während Israelis um den Jungen herumstehen & ihn anschreien, beschimpfen & zubrüllen “stirb du Hurensohn!” sowie “Schießt ihm in den Kopf!”, sorgte international für Entsetzen. Ein weiteres Video (s. unten) zeigt, wie Manasra nach dem Vorfall von israelischen Polizisten brutal — ohne Answesenheit der Eltern oder eines Anwalts — verhört wird. Sie setzten bei den Verhören psychologische Einschüchterung, unzumutbar lange Verhördauern & Schlafentzug ein — zusätzliche Belastungen zu den zuvor erlittenen körperlichen Verletzungen, die ein Kind in diesem Alter nicht ertragen kann.

Immer wieder tauchten in den letzten Jahren Videos auf, die klar auf die schweren Misshandlungen & Folter Ahmads hinweisen. Außerdem schränkten die israelischen Behörden Familienbesuche massiv ein — auch Anrufe zwischen dem Kind & seinen Eltern.

Zum Zeitpunkt von Manasras Verhaftung besagte das israelische Gesetz, dass Kinder unter 14 Jahren nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Um dies zu umgehen, warteten die israelischen Behörden, bis Manasra 14 Jahre alt war, um ihn zu verurteilen, bevor das Gesetz im August 2016 von der Regierung geändert wurde.

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Während seiner Zeit im Gefängnis verschlechterte sich Manasras geistiger Gesundheitszustand erheblich. Letztlich entwickelte sich bei ihm eine Schizophrenie. Im Dezember 2021 durfte ein externer Arzt Manasra zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung besuchen. Der Arzt, ein Psychiater von Ärzte ohne Grenzen (MSF), erstellte einen medizinischen Bericht, der inzwischen seiner Akte beigefügt wurde & in dem es heißt, dass Manasra an Schizophrenie leidet. Den Ärzten zufolge erfordert Manasras Zustand eine sofortige fachärztliche Behandlung außerhalb des Gefängnisses.

“Er leidet, er ist ein chronisch psychisch kranker Patient & es besteht eine echte Gefahr für sein Leben. Als ich ihn das letzte Mal besuchte, fragte er mich, ob ich mir sicher sei, dass es im Islam ungesetzlich ist, wenn Menschen sich selbst töten” — Zabarqa, Ahmad Manasras Anwalt, Juni 2022.

Das Anwaltsteam sowie auch zahlreiche Menschenrechtsorganisationen vertreten die Auffassung, dass die Bedingungen, denen Ahmad Manasra ausgesetzt ist, Folter und Misshandlung darstellen & gegen internationale Menschenrechtsvorschriften verstoßen. “Die israelische Justiz verwendet systematisch geheime Beweise, um Entscheidungen zu rechtfertigen, die die Menschenrechte von Palästinenser:innen in allen Gebieten unter israelischer Kontrolle verletzen”, kommentierte Adalah (The Legal Center for Arab Minority Rights in Israel). “Wir werden weiter dafür kämpfen, dass Ahmad die Behandlung erhält, die er braucht.”

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