Massengrab in Beit Lahiya (Twitter)

Es gibt viele Arten zu töten

Die israelischen Kriegsverbrechen in Gaza und im Westjordanland gehen weiter – aber anders als in der Vergangenheit werden sie klar dokumentiert, von Palästinensern, ausländischen Medien oder oft auch von israelischen Soldaten selbst, die stolz auf ihre Taten sind. In den letzten Tagen sind einige schockierende neue Beispiele ans Licht gekommen. Eine Zusammenfassung.

Massengrab deutet auf Hinrichtungen von Zivilisten hin

In der Khalifa Bin Zayed Schule in Beit Lahiya im nördlichen Gazastreifen wurde vorgestern ein Massengrab mit mehr als 30 Leichen entdeckt. Ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt, ihre Augen mit Tüchern bedeckt und ihre Körper wurden von den israelischen Besatzungstruppen in Reißverschlusstaschen im Sand vergraben. „Sie wurden mit verbundenen Augen und gefesselten Händen getötet, was ein klarer Beweis dafür ist, dass sie … hingerichtet wurden“, erklärte das palästinensische Außenministerium. Berichten zufolge befand sich unter den Leichen auch ein Ehepaar.

Auf einem Video des Senders Al-Jazeera sind auf den Leichensäcken deutlich Etiketten in hebräischer Schrift mit einem Strichcode und der Aufschrift „Seriennummer des Toten“ zu erkennen. Da die Hände der Leichen auf dem Rücken gefesselt sind, kann ein Tod durch Kampfhandlungen ausgeschlossen werden. Die grausamen Szenen, die sich in der Kahlifa Bin Zayed Schule abspielten, sollten besser nicht in Worte gefasst werden.

Weiterlesen: https://www.middleeasteye.net/live-blog/live-blog-update/discovery-mass-grave-prompts-calls-international-investigation

Wohnhäuser in Brand gesetzt

Die liberal-zionistische israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete gestern, dass mehrere israelische Soldaten auf direkten Befehl ihrer Offiziere „mehrere hundert“ verlassene Wohnhäuser in Gaza in Brand gesetzt hätten, nachdem deren Bewohner vertrieben worden seien. Laut „Haaretz“ ist dieses Vorgehen in den letzten Wochen gängige Praxis. Die Häuser werden samt Mobiliar und Habseligkeiten verbrannt, bis sie nicht mehr bewohnbar sind.

Oft werden die Häuser zuvor als Stützpunkt für Soldaten genutzt – und wenn die Einheit weiterzieht und das Gebäude nicht mehr für Kampfzwecke benötigt, wird es verbrannt. Dies bestätigten drei Offiziere gegenüber „Haaretz“. In guter IDF-Tradition teilen einige Soldaten selbst Videos von der Verbrennung in ihren sozialen Medien – und beschreiben sie oft als Vergeltung und Rache, nicht als militärische Aktion. Solche Verbrechen stellen sicher, dass die vertriebenen Palästinenser, wenn sie die Angriffe überleben und in ihre Häuser zurückkehren können, auch dort keinen Schutz finden werden.

„Es gibt Fehler, das ist Krieg“

Am 23. Januar veröffentlichte der britische Sender „ITV“ ein Video, das einen Mann zeigt, der eine weiße Fahne schwenkend aus einer Kampfzone flieht, um kurz darauf erschossen zu werden. Die unmittelbare Reaktion der IDF war, dass das Video „eindeutig bearbeitet wurde und wir keine Möglichkeit haben, es zu kommentieren“.

Am Dienstag veröffentlichte ITV das ungeschnittene Rohmaterial des Videos, aus dem klar hervorgeht, dass der Mann tatsächlich erschossen wurde. In einem Interview mit ABC News sagte Brigadegeneral Dan Goldfuss, Kommandeur der 98. IDF-Division, dazu: „Es gibt Fehler, das ist Krieg“.

Menschlicher Schutzschild in der Westbank

Ein Video des Senders Al-Jazeera zeigte am Dienstag, wie Soldaten einen Palästinenser zwangen, eine IDF-Uniform anzuziehen und als menschlicher Schutzschild vor den Truppen herzulaufen, als diese in das Flüchtlingslager Qalandiya in der Nähe von Ramallah eindrangen.

Die Anschuldigung, dass palästinensische Widerstandsgruppen in Gaza Zivilisten als Schutzschilde benutzen, ist ein sehr beliebter zionistischer „Talking Point“ – aber wie so oft ist es in Wirklichkeit die IDF, die solche Taktiken anwendet, die eindeutig als Kriegsverbrechen zu betrachten sind.

Völkermord mit technologischen Mitteln

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Hightech-Waffensystemen durch das israelische Militär hat in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt. In einem kürzlich aufgetauchten Video kann man den Einsatz solcher Technologien „im Alltag“ beobachten – während Flüchtlinge aus dem Norden des Gazastreifens in den Süden vertrieben werden, werden sie von einer Gesichtserkennungskamera erfasst und registriert. Um die Szene noch bösartiger zu machen, ertönt aus einem Lautsprecher die Stimme eines Soldaten, der die Geflüchteten beschimpft und verhöhnt.

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