Unverhohlener Genozid: Der öffentliche israelische Diskurs lässt über die Ziele Israels tief blicken

Gefangener Palästinenser in Westjordanland (Bild: Times of Israel)

Seit den militärischen Operationen am 07.10.2023 und den darauffolgenden Angriffen des israelischen Militärs auf Gaza wird der öffentliche Diskurs in der israelischen Gesellschaft zunehmend aggressiver. So hat Netanjahu in einer Ansprache am 28.10.2023 aus der Bibel zitiert und das palästinensische Volk mit „Amalek“ verglichen: „Darum zieh jetzt in den Kampf und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!” (Das Buch Samuel). Amalek ist ein Volk aus der Bibelzeit, das die Israeliten nach dem Exodus angegriffen hat. Im alten Testament wird dem jüdischen Volk befohlen, Amalek komplett zu vernichten.

Solche Aussagen knüpfen auch an frühere Aussagen Netanjahus an, beispielsweise als er am 16.10.2023 auf Twitter als auch in einer Rede meinte, die jetzigen Angriffen seien „ein Kampf zwischen den Kindern des Lichtes und den Kindern der Dunkelheit, zwischen der Menschlichkeit und dem Gesetz desDschungels“. Wenn man sich aber den öffentlichen Diskurs in der israelischen Gesellschaft allgemein schaut, sind Netanjahus Äußerungen keineswegs ungewöhnlich. Auch ihre fundamentalistische, religiöse Natur (Netanyahu selbst ist Atheist) nimmt immer weiter zu. So veröffentlichten am 10.10.2023 duzende von Rabbis verschiedener Strömungen einen offenen Brief, in dem sie argumentierten, es gäbe keine „religiöse, moralische, oder juristische“ Gründe, das Shifa-Krankenhaus in Gaza nicht zu bombardieren.

Das ist bezeichnend. Seit Wochen sind mehr und mehr Indizien dafür sichtbar, dass die absolute Mehrheit der Gesellschaft, Politik, und Medien auf einen kompletten Genozid und die Zerstörung der Palästinenser hofft. So sendet der zionistisch-rechte Fernsehsender „Kanal 14“ einen Live-Ticker, der die Anzahl der Toten in Gaza unter dem Titel „Durch uns liquidierte Terroristen“ ständig aktualisiert. Die angezeigte Nummer beinhaltet alle Zivilisten samt Kindern. Kanal 14 sendete außerdem am 29.10.2023 ein Interview mit einem Veteranen der Nachrichteneinheiten „8200“ des Militärs, Eliyahu Behrouz Youssian, in dem er meint: „es gibt keine Unschuldigen in Gaza… Sie sprechen von Bevölkerung, es gibt dort keine Bevölkerung, es gibt dort 2,5 Millionen Terroristen“. Das sind keine Ausreißer.

Live-Ticker von Kanal 14 mit Anzahl der “liquidierten Terroristen” und ein Live-Stream von “Gaza brennt”

In so einer Stimmung werden auch jegliche Stimmen, die das offizielle staatliche Narrativ in Frage stellen, zum Schweigen gebracht. So wurde der Sprecher des „Ikhilov“ Krankenhauses, Avi Shushan, für eine Woche seiner Stelle suspendiert, nachdem in dem Krankenhaus eine Pressekonferenz mit Yokheved Lipschitz stattfand, die in Gaza gefangen gehalten war und auf der Pressekonferenz meinte, sie sei gut behandelt worden. Die Aussage sorgte für Aufruhr, der Sprecher wurde diszipliniert.

Israelischen Berichten zufolge, bereitet sich das israelische Militär auf eine lange Kampagne vor, die mehrere Monaten dauern kann. Dementsprechend wird auch die Stimmungunter den Soldaten immer aggressiver. Es kursieren immer mehr Videos, die von israelischen Soldaten selbst aufgenommen und online gestellt wurden, in denen sie brutale Gewalt gegen Palästinenser zeigen. Zahllose Telegram-Gruppen mit Namen wie „tote Terroristen“ zeigen diese Videos oder andere aus Gaza mit „humoristischen“, zutiefst rassistischen und sexistischen Kommentaren und Beschreibungen, die hier nicht übersetzt werden sollen, und dienen nach eigenen Angaben den Zweck “ein bisschen jüdische Stolz auf die Liquidierung von Terroristen” zu zeigen. Ende Oktober tauchte ein weiteres Video aus einem Militärlager auf, in dem zu sehen ist wie Soldaten Fahnen der faschistischen Organisation „Lehava“ wehen und „Ahmad Tibi ist tot“ singen. Tibi ist ein palästinensisches Mitglied des israelischen Parlaments.

Die Telegramm-Gruppe “Terroristen aus einem anderen Blickwinkel”

Nicht nur gegen Tibi, sondern auch gegen andere Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit richten sich diese Hasswellen. So berichtet die Menschenrechtsorganisation„Adalah“, dass zahllose palästinensische Studierenden an israelischen Unis wegen ihrer politischen Positionen exmatrikuliert oder diszipliniert werden. Ähnliches passiert auch palästinensischem Lehrpersonal.

Laut einer Umfrage des „Israel Democracy Institute“ sind 83,4% der israelischen Gesellschaft der Meinung, Israel solle „das Leiden der zivilen Bevölkerung in Gaza“ nicht in Betracht ziehen, wenn es weitere Angriffe plant. Zionisten machen keinen Hehl aus ihren Plänen in Gaza — man muss ihnen nur richtig zuhören.

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