Und plötzlich liegt alles in Trümmern

Hauszerstörungen gehen weiter, Palästinenser*innen demonstrieren vor deutschem Vertretungsbüro in Ramallah für Freilassung des BDS-Koordinators Nawaja’a, Amnesty International unterstützt Nawaja’a, 11 Palästinenser*innen inkl. 4köpfiger Familie verhaftet

“Stell dir vor, du hast dieses schöne Haus auf deinem eigenen Land mit Blick auf Jerusalem, wo deine Familie seit Jahrhunderten lebt. Es ist voll möbliert; die Speisekammer ist voll; der Kühlschrank hat einige Lebensmittel, die gegessen werden müssen, bevor sie verderben; die Schränke sind vielleicht etwas unordentlich; Bilder an der Wand, die du nochmal gerade gerückt hast; Erinnerungen, so viele Erinnerungen in jeder Ecke, vor allem diese herrliche Veranda, auf der du unzählige Male mit deiner Familie & deinen Freunden zusammen gesessen hast, um miteinander zu essen, und dieser herrliche Blick auf den Felsendom. Und eines Tages kommen die Fremden, die dein Land besetzen, mit ihren großen Gewehren und reißen alles nieder. In wenigen Minuten ist dein ganzes Leben in Schutt & Asche gelegt. Und die Fremden haben alle möglichen gesetzlichen Rechtfertigungen, da sie alle Regeln, alle Gesetze machen dürfen.”— Susan Abulhawa, palästinensische Schriftstellerin, zu den aktuellen Ereignissen

Hauszerstörungen gehen weiter: “Hört auf, hört auf, oh Gott, wo sollen wir leben, wohin sollen wir gehen!” rief das im Video zu sehende palästinensische Mädchen, das letzte Nacht hilflos mitansehen musste, wie ihr Elternhaus in Jerusalem, das Haus der Familie Saibah, von der Besatzung dem Erdboden gleichgemacht wird. Die Zerstörung palästinensischen Wohneigentums in den besetzten Gebieten ist leider nichts neues, jedoch hat die Besatzungsmacht hat den Abriss im besetzten Palästina im Allgemeinen & in Jerusalem im Besonderen dieses Jahr massiv eskaliert. Palästinenser*innen werden nun noch schneller aus Jerusalem vertrieben.

Auch in Wadi Susya nahe Hebron, wurde heute pal. Wohneigentum zerstört. Eine Palästinenserin stellte sich dabei den schwerbewaffneten israelischen Besatzungstruppen mit einer Stange entgegen, um sie daran zu hindern, ihre Unterkunft zu zerstören.

Auch im Jerusalemer Stadtteil Silwan holten Arbeiter Möbel aus 3 palästinensischen Wohnungen für die israelischen Besatzungstruppen heraus, um sie anschließend abzureißen. Dadurch wurden insgesamt 5 palästinensische Familien im Silwan-Viertel obdachlos.

Protest vor deutscher Auslandsvertretung: Palästinenser*innen demonstrierten heute vor dem deutschen Vertretungsbüro des Auswärtigen Amtes in Ramallah aus Solidarität mit dem inhaftierten BDS-Koordinator in Palästina, Mahmoud Nawaja’a (34) & forderten seine sofortige Freilassung (s. Fotos). Er wurde vor 2 Wochen von Besatzungssoldat*innen nachts verschleppt und ist seitdem in Haft — ohne Anklage & ohne Nennung von Haftgründen. Einen Anwalt durfte er bisher nicht sehen. Auch Amnesty International fordert seine sofortige Freilassung. Aus deren Statement: “Er wurde ausschließlich wegen der Ausübung seiner Rechte auf Meinungs- & Vereinigungsfreiheit inhaftiert und ist daher ein Gewissensgefangener” [1]. 
[1] https://www.amnesty.org/en/documents/mde15/2851/2020/en/
Petition für Nawaja’as Freilassung: https://act.jewishvoiceforpeace.org/a/free-bds-organizer-mahmoud

Verhaftungen: Die Besatzung stürmte heute im ganzen Westjordanland mehrere Wohnhäuser, randalierte & verhaftete 11 Palästinenser*innen, darunter eine vierköpfige Familie: Faisal Najjar, seine Frau Maha sowie ihre Söhne Muhammad & Musa.

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