Verhungerndes Kind Gaza
Fadi Al Zalat, ein 6 Jahre altes Kind, kämpft gegen die Auswirkungen von Unterernährung & Dehydrierung im Kamal Adwan Hospital in Gaza. Foto: Imad Ghaboun

UN-Experte: Israel plant Hungersnot in Gaza

Der UN-Sonderberichterstatter Michael Fakhri sagt, dass Israels vorsätzliche Aushungerung des Gazastreifens beispiellos ist: „Wir haben noch nie gesehen, dass eine Zivilbevölkerung so schnell und so vollständig hungern musste„, sagt er gegenüber Mondoweiss. „Noch nie in der neueren Geschichte.

Dieser Artikel von David Kattenburg erschien am 11.03.2024 im Onlinenachrichtenmagazin Mondoweiss unter dem Titel „UN expert: Israel is engineering famine in Gaza„. Hier veröffentlichen wir unsere deutsche Übersetzung.

Mitte Dezember, zweieinhalb Monate nach Beginn des israelischen Krieges gegen den Gazastreifen, berichtete ein von der UNO eingesetztes Komitee von Hungerexpert:innen, dass über eine halbe Million Menschen im Gazastreifen von katastrophalem Hunger betroffen seien, alle 2,3 Millionen Menschen sich in einer Ernährungskrise befänden und sich die Situation „rapide verschlechtere“.

Am Vorabend der Folgebewertung durch den Hungerprüfungsausschuss wird der erzwungene Hunger in Gaza immer schlimmer. In einer Erklärung vom 5. März erklärten sieben UN-Expert:innen, dass „Israel den Gazastreifen absichtlich aushungert“ und dass eine „weit verbreitete Hungersnot“ in der belagerten, gewalt ausgesetzten Enklave „unmittelbar bevorsteht“.

Mondoweiss sprach mit dem Erstautor des Berichtes, Michael Fakhri, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

„Es entwickelt sich mit einer Geschwindigkeit, wie wir sie noch nie gesehen haben“, sagte Fakhri gegenüber Mondoweiss. „Wir haben noch nie gesehen, dass Kinder so schnell in die Unterernährung getrieben werden. Das war alles vermeidbar.“

„Ich habe keinen Zweifel daran – und das ist wiederum in Absprache mit Expert:innen auf der ganzen Welt – wir alle haben keinen Zweifel daran, dass das Grauen, die Zahlen, das Ausmaß des Hungers, das Ausmaß des Todes durch Unterernährung höher sein wird, als wir im Moment messen können.“

Nach Angaben von Gesundheitsbehörden in Gaza und eines „leitenden Arztes“, die am 8. März von Associated Press zitiert wurden, sind in den Krankenhäusern Kamal Adwan und Al Shifa im Norden des Gazastreifens mindestens 20 Menschen an Dehydrierung und Unterernährung gestorben, und im Emirati Hospital in Rafah sind 16 Frühgeborene an „unterernährungsbedingten“ Krankheiten verstorben. Am 10. März meldete Al Jazeera 25 „bekannte Hungertote“ im nördlichen Gazastreifen.

Damit in Gaza eine Hungersnot ausgerufen werden kann, müssen drei Kriterien erfüllt sein, sagt Michael Fakhri. Erstens müssen mindestens 20 % der Bevölkerung von Hunger betroffen sein. Zweitens muss eines von drei Kindern akut unterernährt oder „ausgezehrt“ sein.

Der dritte Hungerindikator – der in Kriegen, zu denen Journalist:innen und Hilfsspezialist:inneen keinen Zugang haben, am schwersten zu messen ist – ist, dass zwei von 10.000 Einwohnern einer Bevölkerung täglich an Hunger, Unterernährung oder damit verbundenen Krankheiten sterben.

„Es ist schwer zu bestimmen, wie viele Menschen tatsächlich an Unterernährung, Krankheiten und Hunger sterben, im Gegensatz zu Bomben und Kugeln“, sagte Michael Fakhri gegenüber Mondoweiss. „Aber die Tatsache, dass wir jetzt sehen, wie Kinder an Unterernährung und Dehydrierung sterben, sagt uns allen, dass es wahrscheinlich bereits eine Hungersnot gibt.“

Und die Hungersnot entwickelt sich in Gaza in einem noch nie dagewesenen Tempo, sagt Fakhri. „Wir haben noch nie erlebt, dass eine Zivilbevölkerung so schnell und so vollständig ausgehungert wird. Niemals in der modernen Geschichte. Wir haben noch nie erlebt, dass Kinder so schnell in die Unterernährung getrieben wurden. Niemals.“

Verhungerndes Kind Gaza
Fadi Al Zalat, ein 6 Jahre altes Kind, kämpft gegen die Auswirkungen von Unterernährung & Dehydrierung im Kamal Adwan Hospital in Gaza. Foto: Imad Ghaboun

Israels Einsatz von Nahrungsmitteln als Verhandlungsmasse in den Verhandlungen mit der Hamas bestätigt laut Fakhri seine und seiner Kolleg:innen Behauptung vom 5. März, dass Israel die Menschen im Gazastreifen „absichtlich hungern lässt„. „Das ist genau das, was Präsident Biden heute [in seiner Rede zur Lage der Nation am 7. März] gesagt hat, nämlich dass Israel humanitäre Hilfe nicht als Verhandlungsmasse einsetzen sollte“, so Fakhri.

Zerstörung des Nahrungsmittelsystems in Gaza

Während die israelischen Unterhändler:innen mit dem Hungertod pokern, weigern sich wichtige Minister:innen des Kabinetts, eine Aufstockung der Hilfslieferungen zu genehmigen und blockieren gleichzeitig Hilfslieferungen.

Laut Sky News ist Israels militärische Besatzungsbehörde (COGAT) bereit, die Hilfslieferungen in den nördlichen Gazastreifen zu verstärken, wenn das israelische Kabinett sie dazu auffordert. „Das wäre eine Entscheidung, die von der Regierung getroffen werden müsste“, sagte COGAT-Sprecher Shimon Freedman am 7. März gegenüber Sky News.

„Wenn sie eine solche Entscheidung treffen würde, würden wir einen Weg finden, ihr die Entscheidung zu erleichtern. Wenn die Anweisung von der Regierung käme, dann würde COGAT einen Weg finden, diese Aufgabe zu erfüllen“.

Die blockierte Nahrungsmittelhilfe ist nur ein Teil des Problems, sagt Fakhri. Das Nahrungsmittelsystem in Gaza wird systematisch zerstört.

„Es geht nicht nur darum, humanitäre Hilfe zu verweigern“, sagte Fakhri gegenüber Mondoweiss. „Es geht nicht nur darum, auf Zivilist:innen zu schießen, die versuchen, humanitäre Hilfe zu bekommen. Es geht nicht nur darum, Konvois von humanitären Lastwagen zu bombardieren, obwohl diese humanitären Lastwagen mit Israel koordiniert werden. Sie zerstören das Nahrungsmittelsystem… sie haben über 80% der Fischereiflotten und Fischernetze der Kleinfischer in Gaza zerstört. Sie zerstören landwirtschaftliche Flächen, Felder, Gewächshäuser und Obstplantagen. Sie setzen weißen Phosphor ein, der den Boden vergiftet. Das macht es fast unmöglich, in naher Zukunft auf diesem Land Landwirtschaft zu betreiben.“

All dies nach 17 Jahren Belagerung, die mit der offen erklärten Politik der Einschränkung der Kalorienzufuhr im Gazastreifen einherging. „Die Idee ist, die Palästinenser:innen auf Diät zu setzen, aber nicht, sie verhungern zu lassen“, erklärte Dov Weisglass, ein Berater des damaligen israelischen Premierministers Ehud Olmert, im Jahr 2006.

Lebensmittel als Kriegswaffe

Am 7. Oktober gestattete Israel im Rahmen seines inzwischen gut etablierten Regimes der Nahrungsbeschränkung täglich etwa 500 Hilfslieferwagen die Einfahrt in den Gazastreifen. Heute ist diese Zahl auf 100 oder weniger gesunken.

„Das ist bei weitem nicht genug“, sagt Fakhri. „Das Wenige, was an Hilfsgütern hineingelangt, geht zum größten Teil nicht in den Norden… in dem Bestreben, alle aus dem Norden in den Süden zu drängen, was, wie ich hinzufügen möchte, ein Kriegsverbrechen ist, wenn man Zivilist:innen so etwas antut.“

„Israel stranguliert den nördlichen Gazastreifen und setzt ihn unter Druck, wie sie es angekündigt haben“, so Fakhri gegenüber Mondoweiss. Das „Mehlmassaker“ vom 29. Februar habe die Strangulierungspolitik noch einmal verschärft, so Fakhri, aber es sei ein natürlicher nächster Schritt gewesen.

Zwischen dem 8. und dem 15. Oktober, so Fakhri, wurden die drei Wasserleitungen des Gazastreifens – die 75 % der gesamten Wasserversorgung des Gazastreifens lieferten – abgeschaltet.

Am 15. Oktober kündigte der damalige Minister für Energie und Infrastruktur, Israel Katz, an, dass die Wasserversorgung im zentralen und südlichen Gazastreifen, wohin Israel die Bewohner:innen des Gazastreifens zur Flucht gedrängt hatte, wiederhergestellt würde, nicht aber im Norden.

„Die Entscheidung, die Wasserversorgung im Süden des Gazastreifens wieder aufzunehmen“, sagte Katz damals, „wurde zwischen Premierminister Netanjahu und US-Präsident Biden vereinbart und wird die Zivilbevölkerung in den südlichen Teil des Streifens drängen.“

Die Verdrängung der Palästinenser:innen in den südlichen Gazastreifen sei Teil einer größeren Strategie, erklärte Außenminister Eli Cohen (jetzt Katz‘ Nachfolger im Energieministerium) am 18. Oktober. „Am Ende dieses Krieges wird nicht nur die Hamas nicht mehr in Gaza sein, sondern auch das Territorium des Gazastreifens wird sich verkleinern“, sagte Cohen dem Armeeradio.

Drei Monate später, am 22. Januar – als die Strangulierung der Hilfe und die gewaltsame Vertreibung auf Hochtouren liefen – gab die WHO den Versuch auf, Nahrungsmittelhilfe in den Norden zu bringen. Am nächsten Tag stellte das UNRWA seine eigenen Lieferungen ein. Das Welternährungsprogramm folgte diesem Beispiel am 20. Februar.

Am 13. Februar berichtete Axios, dass der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich die Auslieferung einer von den USA finanzierten Mehlsendung, die im Hafen von Ashdod lag, blockiert hatte, weil das UNRWA der Empfänger war.

Zwei Wochen später, am 28. Februar, erreichte ein Hilfskonvoi endlich den nördlichen Gazastreifen und versetzte die hungernden Bewohner:innen in helle Aufregung. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages fand das Mehlmassaker statt. Schätzungsweise 114 Bewohner:innen des Gazastreifens starben, 750 wurden verletzt.

Die Menschen in Gaza-Stadt waren „verzweifelt und verroht“, so Michael Fakhri gegenüber Mondoweiss, und die israelischen Streitkräfte waren bereit, das Feuer auf sie zu eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt, so Fakhri, hätten israelische Soldat:innen bereits bei mindestens vierzehn Gelegenheiten auf hungrige Menschen im Gazastreifen geschossen.

Verhungertes Kind Gaza
Die erst 17-jährige Elham Johan ist am 26.02.2024 an den Folgen von Unterernährung gestorben. Bild mit freundlicher Genehmigung von Quds News

„Tun wir mal so, als wüssten wir nicht, wie viele Menschen an Schusswunden [beim Mehlmassaker] gestorben sind“, sagt Fakhri als Antwort auf die israelischen Behauptungen, dass sie überhaupt nicht auf die Menschen im Gazastreifen geschossen haben, und wenn doch, dann in Selbstverteidigung.

„Israelische Soldat:innen dürfen nicht auf Zivilist:innen schießen, wenn diese humanitäre Hilfe erhalten. Punktum. Das war’s. Die Soldat:innen ‚hätten Angst gehabt‘. Wie auch immer… Wenn man auf Zivilist:innen schießt, die verzweifelt sind, dann führt das zu Chaos, richtig? Also haben die israelischen Streitkräfte auf Zivilist:innen geschossen, die humanitäre Hilfe erhalten, was ein Kriegsverbrechen ist.“

Ein schweres Kriegsverbrechen. Nach den Artikeln 55 und 59 der Vierten Genfer Konvention sind Besatzungsmächte wie Israel verpflichtet, „die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten“ sicherzustellen und, wenn die Bevölkerung ganz oder teilweise „unzureichend versorgt“ ist, „Hilfsprogrammen zuzustimmen“ und „diese mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu erleichtern“.

Genf IV verpflichtet die USA und andere Vertragsstaaten außerdem, den Schutz der humanitären Hilfe zu „garantieren“.

Inzwischen haben die USA mit dem Abwurf von Nahrungsmitteln aus der Luft begonnen. Am 8. März kam es zu einem tragischen Zwischenfall, als eine Palette mit Lebensmitteln ihren Fallschirm nicht öffnete und in eine Menschenmenge raste, die auf eine Lebensmittellieferung wartete. Berichten zufolge wurden fünf Menschen getötet und mehrere verletzt.

„Es sind also amerikanische Bomben und amerikanische Hilfe, die gleichzeitig abgeworfen werden“, sagte Michael Fakhri gegenüber Mondoweiss. „Das Ausmaß an abscheulicher Absurdität – ich meine, das ist die einzige Art und Weise, wie ich es beschreiben kann.“

Zu den abscheulichen Absurditäten gesellt sich abscheuliches Essen, das für Tiere geeignet ist – ein vorhersehbares Stadium der Hungersnot. „Sie füttern ihre Kinder damit“, sagt Fakhri.

„Das ist der Teil, wo es brutal ist. Sie verzichten auf Mahlzeiten; Erwachsene, die entscheiden müssen, wer in der Familie zu essen bekommt, geben den Kindern den Vorrang… Und dann können sie ihren Kindern nur noch Tierfutter anbieten, was wiederum zu vielen gesundheitlichen Problemen führt.“

„Stellen Sie sich vor, Sie können Ihr Kind nicht ernähren, und Ihr Kind sieht Sie an, und Sie können nichts tun. Und dann stirbt es.“

Überleben kann schlimmer sein. „Wenn Kinder im Alter von null bis fünf Jahren nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, kann dies in der Zukunft zu dauerhaften körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen führen“, sagt Fakhri. „Diese Kinder werden in Zukunft viel Unterstützung benötigen, um ein Leben in Würde führen zu können. Aber denken Sie auch an das Trauma… Die Zahl der Kinder, die ihre gesamte Familie verloren haben, die allein gelassen werden; die psychologischen Narben der Menschen, die es geschafft haben zu überleben, sind in einem Ausmaß und in einem Grad… Ich meine, es ist, als ob Israel versucht, alle Kinder in Gaza zu verdammen.

Verhungerndes Kind Gaza
Fadi Al Zalat, ein 6 Jahre altes Kind, kämpft gegen die Auswirkungen von Unterernährung & Dehydrierung im Kamal Adwan Hospital in Gaza. Foto: Imad Ghaboun

Die Rettung für die hungernden Kinder im Gazastreifen und ihre Eltern wird nicht wie Manna vom Himmel fallen, sagt Fakhri. „Ich frage mich, ob [die mit dem Fallschirm abgeworfene US-Hilfe] eher eine Reaktion auf den innenpolitischen Druck ist?“, fragt Fakhri. „Ich frage mich, ob es sich dabei eher um eine Show handelt, um zu zeigen, dass sie etwas tun, ohne tatsächlich etwas zu tun.“

Wenn Joe Bidens Abwurfkampagne performativ ist – ein Versuch, seine Aussichten in der anderen Kampagne zu verbessern – dann ist das sehr abwegig, sagte Michael Fakhri gegenüber Mondoweiss.

„Es ist fast schon bizarr, dass die amerikanische Regierung und Präsident Biden versuchen, humanitäre Hilfe in einer Form zu senden, die man nur in den Gebieten des Feindes einsetzt, während man seinem Verbündeten ein Maß an Freiheit gewährt, das sie keinem anderen Verbündeten zugestehen; man gibt ihnen einfach einen Blankoscheck… Das ist es, was ich immer noch, bis heute, verarbeite, was das überhaupt bedeutet.“

Ergebnisse des Ausschusses zur Überprüfung der Hungersnot

Während Michael Fakhri die Widersprüche der US-Außenpolitik aufarbeitet, beschäftigt sich das Famine Review Committee (FRC), ein Gremium der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), mit den Zahlen des Hungers.

In einer Analyse vom 21. Dezember kam das FRC zu dem Schluss, dass während und kurz nach der siebentägigen „humanitären Pause“ Israels, die am 1. Dezember endete, 25% der Bewohner:innen des nördlichen Gazastreifens, 15% der in den Süden vertriebenen Gaza-Bewohner:innen und 10% der Bewohner:innen des südlichen Gazastreifens mit einer plausiblen katastrophalen Ernährungslage konfrontiert waren.

Bei einer Hochrechnung bis zum 7. Februar kam die FRC zu dem Schluss, dass die katastrophale Hungersituation für die vertriebenen Bewohner:innen des Gazastreifens im Norden auf 30% und im Süden auf 25% ansteigen könnte. Die Schätzungen der FRC seien konservativ, und die Prävalenz der Hungerkatastrophe sei wahrscheinlich noch höher.

Angesichts der „Ausweitung des hochintensiven Konflikts“ und des „extrem hohen und wachsenden Ausmaßes der Vertreibung“ kam die FRC zu dem Schluss, dass die gesamte Bevölkerung von Rafah, Khan Younis und Deir Al Balah wahrscheinlich „ähnlich katastrophale Bedingungen“ erleben würde, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

„Von den 150-180 Lebensmitteltransportern, die normalerweise vor der Eskalation täglich in den Gazastreifen kamen“, so der FRC, „sind seit dem Ende der humanitären Pause am 30. November 2023 täglich nur etwa 30 in den Gazastreifen gekommen. Selbst optimistische Schätzungen der potenziellen Kilokalorien, die mit diesen Lieferungen geliefert werden, deuten darauf hin, dass dieses Niveau der Nahrungsmittelversorgung weit unter dem Nährstoffbedarf der gesamten Bevölkerung liegt.“

Unterernährte und hungernde Menschen werden krank, so das FRC in seiner Bewertung vom 21. Dezember, die bis Ende des Monats aktualisiert werden soll. „In Verbindung mit der Überbelegung von [Flüchtlings-]Unterkünften und anderen Orten sowie einer extrem begrenzten Wasserversorgung führt diese Situation zu einem hohen Risiko des Ausbruchs von Infektionskrankheiten in einem Umfeld, in dem die Reaktionsfähigkeit des Gesundheitssystems stark beeinträchtigt ist“, so der FRC.

„Die Situation in Gaza ist für alle Bereiche eindeutig katastrophal und erfordert eine äußerst dringende politische Reaktion.“

Chris Gunness ist weniger diplomatisch. Der ehemalige Chefsprecher des UNRWA sprach mit Mondoweiss. „Das ist alles krank. Das ist krank„, sagte Gunness und reagierte damit auf die wiederholten israelischen Behauptungen, dass Tausende von Hilfstransportern in den Gazastreifen einfuhren und dass alle anderen schuld seien, wenn sie den hungernden Gaza-Bewohner:innen keine Nahrungsmittelhilfe lieferten, die sie benötigten.

Die Finanzierung des UNRWA sollte sofort wiederhergestellt werden, so Gunness [Schweden und Kanada haben sich dazu bereit erklärt, ebenso wie die Europäische Union]. Wenn nicht, „wird aus einer humanitären Katastrophe eine humanitäre Apokalypse“, so Gunness gegenüber Mondoweiss.

Will Andrew Mitchell, der britische Entwicklungsminister, will David Cameron, der britische Außenminister, will Anthony Blinken, will die Trudeau-Regierung wirklich von der Geschichte als Mitschuldige an Völkermord und Hunger verurteilt werden?“ fragte Gunness. „Denn, um es klar zu sagen, [die Hungersnot] steht nicht unmittelbar bevor. Sie findet bereits jetzt statt. Hungersnot ist ein Massaker in Zeitlupe. Und dieses Massaker hat, wie wir am letzten Februartag gesehen haben, bereits begonnen„.

„Das ist nicht wie die Hungersnot in Äthiopien Mitte der 1980er Jahre“, sagt Gunness. „Dies ist keine Naturkatastrophe. Dies ist eine politische Entscheidung, die unsere Regierungen treffen, und Menschen mit Gewissen auf der ganzen Welt müssen ihren Regierungen, ihren gewählten Vertreter:innen sagen, dass sie nicht an Völkermord und Hunger mitschuldig sein wollen. Dieser Wahnsinn, dieses in Zeitlupe ablaufende Massaker an den Menschen in Gaza, muss ein Ende haben.“

Michael Fakhri und seine Rechtsexpertenkolleg:innen werden konkret. „Humanitäre Hilfe darf in Verhandlungen nicht als Druckmittel eingesetzt werden“, schreiben sie in ihrer Erklärung vom 5. März.

„Die Bereitstellung humanitärer Hilfe ist das Minimum an grundlegender humanitärer Verpflichtung, die Israel bedingungslos erfüllen muss… Wir wiederholen unsere frühere Forderung nach einem Waffenembargo und Sanktionen gegen Israel als Teil der Pflicht aller Staaten, die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht durch Israel zu beenden.“

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