Über 10.000 Tote — Daily Update 9.11

Über 10.000 Tote

-Seit dem 07. Oktober wurden in Gaza mittlerweile 10.569 Menschen, darunter 4.324 Kinder, durch das israelische Militär getötet.
In der Zahl sind all diejenigen nicht enthalten, die aufgrund der totalen Blockade aller lebensnotwendigen (Lebensmittel und Wasser) und zur Lebensrettung notwendigen Ressourcen (Strom, Treibstoff etc.), an den Komplikationen der erlittenen Verletzungen durch israelische Luftangriffe oder der aktuellen Überlastung in Krankenhäusern und daher nicht zur Verfügung stehenden medizinischen Versorgung (z.B. bei Schwangerschaften etc.) sterben.

– Zusätzlich wurden im selben Zeitraum mindestens weitere 164 Palästinenser*innen in der Westbank durch israelische Truppen oder Siedler*innen getötet, weitere 2.100 Palästinenser*innen wurden verletzt.

Gaza

– Die Bombardierungen in der Nähe des al-Shifa Krankenhauses, sowie des indonesischen Krankenhauses gehen weiter.

– Das israelische Militär kämpft mit Einheiten der Qassam Brigaden um Gaza City. Während das israelische Militär behauptet, in die Stadt vorzudringen, sagen Hamassprecher, dass der Kampf, dies zu verhindern noch andauert. Das israelische Militär spricht darüber hinaus davon, in seinen Operationen während der letzten Tage 50 Kämpfer der Hamas getötet zu haben. Darüber hinaus gab es an, Hamas Tunnel, geheime Dokumente und Waffen gefunden und zerstört zu haben.

– Heute wurden weitere Flüchtlingscamps angegriffen, darunter Deir el-Balah. Die Zahl der Palästinenser*innen in Maghazi, einem Flüchtlingslager in der Nähe von Deir el-Balah, hat sich durch die Flucht und Vertreibungen innerhalb Gazas mittlerweile verdreifacht.

– Um 17:35 berichtete Al Jazeera, dass nach Angaben des palästinensischen Innenministeriums Israel eine „Reihe gewalttätiger Überfälle“ gestartet und dabei im Osten des nördlichen Gazastreifens einen sogenannten „Feuergürtel“ geschaffen habe. Das Ministerium hatte zuvor erklärt, dass Israel auch im Nordwesten von Gaza-Stadt „gewalttätige Razzien“ durchgeführt habe.

– Mohammed Mhawish, palästinensischer Journalist und Autor in Gaza City, berichtete von mehreren einschüchternden Anrufen durch, vermutlich, das israelische Militär: “Ich habe mehrere aufgezeichnete Evakuierungsaufrufe des Militärs erhalten“, sagte Mhawish gegenüber Al Jazeera. „Sie waren im Allgemeinen alle an die Bewohner des Nordens und des Zentrums des Gazastreifens gerichtet, damit sie nach Süden gehen“, sagte er und fügte hinzu: „Aber dieses Mal sagte der Sprecher, der wie ein hebräischer Muttersprachler klang, meinen vollständigen Namen. Er klang bedrohlich.“ Mhawish, der für Al Jazeera aus Gaza-Stadt über den Krieg berichtete, war sich „sicher, dass der Anruf ihm Angst machne und ihn zum Schweigen bringen wollte“.

– Die al-Quds Brigaden des Islamischen Jihad gaben bekannt aus humanitären Gründen zwei weitere Geiseln, eine ältere Frau und einen kleinen Jungen, freilassen zu wollen, sollte die Situation vor Ort es erlauben.

Westjordanland

– Der Angriff des israelischen Militärs auf das Flüchtlingslager Jenin hält seit dem Morgen an, dabei wurden nach Angaben von Gesundheitspersonal mittlerweile elf Palästinenser*innen getötet. Flugblättern israelischer Truppen zufolge, werden die Angriffe sich weiter verstärken. Seit dem 07. Oktober haben die Angriffe des Militärs und auch israelischer Siedler*innen in der ganzen Westbank enorm zugenommen, allein heute wurden dabei insgesamt 15 Palästinenser*innen getötet. Ein Großteil der Angriffe des Militärs konzentriert sich auf die Stadt und das Flüchtlingslager Jenin, welche als Hochburg des palästinensischen bewaffneten Widerstandes bekannt ist.

– Die Palästinensische Autonomiebehörde lehnte einen teilweisen Transfer von Steuereinnahmen aus Israel ab, teilte ihr Finanzministerium in einer Erklärung mit.

1948 besetztes Palästina

– Mohammad Barakeh, ehemaliges Mitglied des israelischen Parlaments sowie Leiter des High Follow-Up Comitee for Arab Citizens of Israel, wurde auf dem Weg zu einer Demonstration gegen den Krieg in Nazareth festgenommen. Vier weitere palästinensische Politiker*innen wurden ebenfalls festgenommen: Sami Abu Shehadeh, Mtanes Shehadeh, Yousef Tartour und Haneen Zoabi. Angaben der Menschenrechtsorganisation Adalah zufolge, begründete die israelische Polizei mit der Widersetzung gegen polizeiliche Anweisungen sowie dem Versuch an einem rechtswidrigen Protest teilzunehmen. Nach seiner Freilassung berichtete Barakeh, dass die israelische Polizei alle Stimmen gegen den Krieg zum Schweigen bringen wolle aber palästinensische Führungspersönlichkeiten sich weiterhin gegen die Tötung unschuldiger Menschen aussprechen würden. Ob die anderen vier Politiker*innen ebenfalls bereits entlassen wurden, ist unklar.

– verschärfte Repressionen gegen interne Kritiker*innen in Israel: Democracy Now zufolge hat der israelische Surpreme Court Demonstrationen gegen den Krieg verboten, nachdem Bewohner*innen sogenannter “gemischter” Städte mit einer palästinensischen Mehrheit im Norden Israels versucht haben, Genehmigungen für Veranstaltungen einzuholen, in denen öffentlich eine Waffenruhe gefordert werden sollte. Der israelische Obergerichtshof stimmte der Polizei zu, dass durch solche Proteste “kritische Ressourcen” umgeleitet würden. Darüber hinaus nahm die Knesset am Mittwoch eine Änderung des Anti-Terror-Gesetztes vor. Nun ist es auch verboten “terroristisches Material zu konsumieren”, das Vergehen kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden. Menschenrechtsorganisationen bezeichneten dies als eine “Gedankenüberwachung”, selbst das passive Downloaden von Materialien, die von der Hamas produziert wurden, könne zu Gefägnisstrafen führen.

– Die militärischen Auseinandersetzungen an der Israel-Libanon-Grenze gehen weiter.

International

– Caroline Gennez, belgische Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit und Großstädte, gab heute bekannt, dass Belgien die Anerkennung des Staates Palästine in Erwägung zieht. Al Jazeera gegenüber nannte Gennez dies einen notwendigen Schritt in Richtung eines langfristigen Friedens. Die Ministerin forderte die israelischen Grenzübergange zu Gaza darüber hinaus auf, mehr humanitäre Hilfsgüter durchzulassen. Vor dem aktuellen Krieg wurden 500 LKW-Ladungen notwendiger Ressourcen täglich in den Küstenstreifen geliefert, seit dem 07. Oktober sind es jedoch insgesamt nur 600 gewesen. Des Weiteren sprach Gennez davon, dass die belgische Regierung Palästina weitere 2 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zusagt, sowie zusätzlich 5 Millionen Euro an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) zahlen wird.

– Humanitäre Pausen: Nach Angaben des weißen Hauses wird Israel ab heute jeden Tag eine vierstündige Kampfpause einlegen, das weiße Haus nannte diese Entwicklung “einen Schritt in die richtige Richtung”. Diese “humanitären Pausen” sollen jeweils mit einem Vorlauf von drei Stunden angekündigt werden. Während der Pausen soll es möglich sein, dass die Hamas potentiell Geiseln freilässt, dass Palästinenser*innen mit doppelter Staatsangehörigkeit den Küstenstreifen verlassen, sowie das humanitäre Hilfslieferungen durch den Rafah-Grenzübergang angenommen werden können. Nach Angaben der USA sollen nun täglich 150 LKWs an Hilfsgütern geliefert werden. Darüber hinaus sollen während dieser Pausen Palästinenser*innen über zwei humanitäre Korridore aus dem Norden in den Süden Gazas fliehen können. Die USA gaben an, Israel habe ihnen versichert, dort während der humanitären Pausen keine militärischen Operationen durchzuführen.
Von Aktivist*innen weltweit und auch Analyst*innen der aktuellen Situation in Gaza wurden humanitäre Pausen als ungenügend kritisiert. Stattdessen sei eine mindestens mehrtägige Waffenruhe nötig, so etwa Abdel Hamid Siyam, Nahostexperte an der Universität Rutgers. Ohne seien wirkliche Verhandlungen aber auch ein Verlassen des Gazastreifens für viele Palästinenser*innen nicht realistisch möglich. Gleichzeitig beobachtet Siyam einen wachsenden Druck auf Israel eine solchen Waffenruhe zu ermöglichen. “Ich denke das wird in den kommenden paar Tagen kommen,” sagte er Al Jazeera.
Von Israel’s Seite jedoch wird diese Vereinbarung mit den USA nicht bestätigt. Der Times of Israel zufolge behauptete Netanyahu, dass es bereits täglich mehrstündige Pausen gäbe, in denen keine Kampfhandlungen stattfinden würden. Die schnelle Reaktion Israels zeigt, dass „vielleicht die Vereinigten Staaten, (Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats) John Kirby im Besonderen, und die Israelis in dieser Sache nicht einer Meinung sind“, berichtete Alan Fisher von Al Jazeera aus dem besetzten Ost-Jerusalem. Auch der rechtsextreme israelische Minister Ben Gvir verurteilte die Pausen und nannte sie einen „schwerwiegenden Fehler“, wenn sie nicht mit der Freilassung von Gefangenen einhergingen. Er fragte auch, ob das israelische Kriegskabinett befugt sei, die Entscheidung zu treffen, und forderte gleichzeitig, dass sie dem breiteren Sicherheitskabinett vorgelegt werde.

– Eine Hamas-Delegation, unter ihnen der aktuelle Anführer Ismail Haniyeh sowie ehemalige Anführer Khaled Meshaal, erreichte heute Kairo um dort, nach eigenen Angaben, mit dem ägyptischen Leiter des Geheimdienstes die aktuelle Situation in Gaza zu besprechen.

– 99 Mitarbeiter*innen der UNRWA wurden seit dem 07. Oktober in Gaza getötet. Nach Angaben der UN macht das den aktuellen Gazakrieg zum bisher tödlichsten Konflikt für UN-Mitarbeiter*innen seit es die Organisation gibt.

– Diesen Mittwoch wurde am Internationale Strafgerichtshof (ICC) eine Klage eingereicht, die Israel des Genozids in Gaza beschuldigt.
In der Klage halten die drei palästinensischen Menschenrechtsorganisationen, Al-Haq, Al Mezan sowie das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte den ICC dazu an, den Verdacht auf Apartheid und Genozid bei Investigationen bezüglich möglicher israelischer Kriegsverbrechen zu berücksichtigen. Die Klage forderte den Strafgerichtshof dabei auf, “die [Gaza] aufbebürdete erdrückende Belagerung, die erzwungene Vertreibung seiner Bevölkerung, die Anwendung von Giftgas, sowie die Verweigerung von Notwendigkeiten, wie etwa Nahungsmittel, Wasser, Treibgas und Strom” bei der Ermittlung der Kriegsverbrechen einzubeziehen.
Die drei Gruppen forderten den ICC außerdem dazu auf, Haftbefehle gegen die israelischen Führungspersonen Isaac Herzog (israelischer Präsident), Yoav Gallant (Verteidigungsminister) sowie Benjamin Netanyahu (Premierminister) auszusprechen.
Bereits 2021 eröffnete das Anwaltsbüro des ICC seine offiziellen Ermittlungen, nachdem es feststellte, dass “Kriegsverbrechen von palästinensischen und israelischen Akteuren in der Westbank, einschließlich Ost-Jerusalem, sowie dem Gazastreifen begangen wurden oder begangen werden”.
Bereits zuvor im aktuellen Krieg hatte auch die Gruppe Reporter Ohne Grenzen eine Beschwerde am ICC eingereicht, in der sie Israel der Kriegsverbrechen gegen Journalist*innen in Gaza anklagten. Seit dem 07. Oktiber wurden 39 Journalist*innen in Gaza getötet — 34 palästinensische, 4 israelische und 1 libanesische.
Der ICC-Anwalt Karim Khan sprach in seiner Rede am Rafah-Grenzübergang außrdem davon, dass auch die Behinderung von Hilfslieferungen nach Gaza geahndet werden könnte.
Bisher verneint Israel, selbt kein Mitglied des ICC, die Gerichtsbarkeit des ICC und verweigert seine Kooperation bei den Ermittlungen. Am 10. Oktober gab jedoch das Anwaltsbüro des ICC bekannt, dass potentielle Verbrechen, die im Rahmen des aktuellen Kriegs begangen werden, in seine Gerichtsbarkeit fielen.

– In den USA wachsen die Diskussionen um das verlorene Vertrauen der arabischen, muslimischen sowie palästinensischen Communities in Präsident Biden und die Auswirkungen dessen auf die US-Wahlen im nächsten Jahr. Gleichzeitig entschied eine Wahl im US-Repräsentantenhaus am Dienstag, die einzige palästinensische Abgeordnete, Rashida Tlaib, wegen ihrer Aussagen zum aktuellen Krieg in Gaza zu zensieren. Zuvor wurde bereits Ilhan Omar, eine muslimische Abgeordnete, wegen ihrer Kommentare bezüglich Israel abgemahnt.

– Über 300 ukrainische Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen unterschrieben einen öffentlichen Brief in Solidarität mit Palästinenser*innen in Gaza. In dem Brief schreiben sie: “Palästinenser*innen haben das Recht auf Selbstbestimmung und Widerstand gegen die Besatzung Israels, genauso wie Ukrainer*innen das Recht haben sich Russlands Invasion zu widersetzen.” Der Brief steht in deutlichem Kontrast zur Haltung des ukrainischen Präsidenten Zelenskyj. Dieser musste einen geplanten Solidaritätsbesuch in Israel, um seine Unterstützung für den israelischen Angriff auf Gaza auszudrücken, absagen, nachdem diese Pläne geleacked sind.

Auch im Süden des Gazastreifens tödlich — Daily Update 8.11

Gaza:

– Der Sprecher der Qassam-Brigaden, dem militanten Flügel der Hamas, Abu Obeida sagte, die Frage der Gefangenen habe für den bewaffneten Flügel der Hamas weiterhin Priorität. “Der Fall der Geiseln hat für uns weiterhin Priorität, und wir betonen, dass die einzige Möglichkeit, sie zu befreien, ein vollständiger oder schrittweiser Gefangenenaustausch ist”, sagte er in einer Fernsehansprache auf Al-Aqsa TV. Der Sprecher der Qassam-Brigaden sagte, die Gruppe halte Frauen, kranke und ältere Menschen sowie andere Zivilisten gefangen, betonte jedoch, dass Israel die gleichen Personen in seinen Gefängnissen festhalte. “Dieses Problem kann nur durch einen Handel innerhalb jeder dieser Kategorien [von in Gefängnissen Gefangenen und Geiseln] oder durch einen umfassenden Prozess, der alle einschließt, gelöst werden”, fügte er hinzu.

Nord-Gaza:

– Die Lage von Hunderttausenden von Palästinenser:innen in Gaza-Stadt und anderen Gebieten nördlich des Wadi Gaza (im Folgenden: der Norden) wird immer schlimmer. Die bewaffneten Zusammenstöße und die intensiven Bombardierungen dauern an, während die Menschen darum kämpfen, das Minimum an Wasser und Nahrungsmitteln zum Überleben zu erhalten.
– Am 7. November gab es im Norden keine Bäckereien mehr, da es an Treibstoff, Wasser und Weizenmehl mangelt und viele Bäckereien beschädigt sind. Die Partner im Bereich der Ernährungssicherheit waren in den letzten sieben Tagen nicht in der Lage, Hilfe in den Norden zu liefern.
– Die Angriffe halten in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern im Norden an, in denen Zehntausende von Binnenvertriebenen untergebracht sind, die nur mit dem Nötigsten versorgt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation führen die Krankenhäuser im Norden aufgrund des Mangels an medizinischen Hilfsgütern komplexe Operationen, einschließlich Amputationen, ohne Anästhesie durch.
– Am Sonntag präsentierte der israelische Militärsprecher Daniel Hagari Videos, Fotos und Tonaufnahmen, die seiner Meinung nach auf die Strategie der Hamas hinweisen, Krankenhäuser als Deckung zu nutzen, insbesondere unter dem Sheikh Hamad Hospital.
Al Jazeera hat nun eine Recherche veröffentlicht, die zeigt, dass die Behauptung Israels, ein Hamas-Tunnel befinde sich unter dem katarischen Sheikh-Hamad-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens, nicht zu belegen ist.
– Dem Al-Quds-Krankenhaus in Gaza-Stadt wird nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds (PRCS) voraussichtlich am heutigen Mittwoch der Treibstoff ausgehen. Die Straßen zum Krankenhaus sind wegen der Bombardierungen in der vergangenen Nacht komplett geschlossen, so dass Krankenwägen und medizinisches Personal keine Möglichkeit haben, das Krankenhaus zu verlassen, um Verletzte zu erreichen (Aljazeera)

Süd-Gaza:

– Am 7. November forderte das israelische Militär die Bewohner des Nordens erneut auf, in den Süden zu ziehen. Den vierten Tag in Folge öffnete es einen “Korridor” entlang der Hauptverkehrsader, der Salah-Ad-Deen-Straße, für die Bewohner:innen, damit sie den Norden zwischen 10 und 14 Uhr verlassen konnten. UN-Beobachter:innen schätzen, dass bis zu 15.000 Menschen den Korridor passiert haben könnten, dreimal so viele wie am 6. November. Die meisten von ihnen, darunter Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, kamen zu Fuß und mit nur wenigen Habseligkeiten an. Einige Binnenvertriebene berichteten, dass sie israelische Kontrollpunkte passieren mussten, um das Gebiet zu erreichen, und Zeugen von Verhaftungen durch israelische Streitkräfte wurden
– Die südlichen Gebiete des Gazastreifens sollen “aus israelischer Sicht sicher sein”, sagte Tareq Abu Azzoum von Al Jazeera.Die israelische Armee hat die Bewohner von Gaza-Stadt und des Nordens aufgefordert, den Süden zu evakuieren, aber viele wurden bei Luftangriffen getötet, als sie versuchten, sich auf den Weg zu machen. Außerdem berichtet Aljazeera, dass mehr als 40 Prozent der heutigen Opfer aus den südlichen Gebieten des Streifens stammen: “Im Flüchtlingslager al-Nuseirat und in der Stadt Khan Younis wurden die Angriffe fortgesetzt”, sagte Abu Azzoum.
– Die Notunterkünfte südlich von Wadi Gaza sind nicht in der Lage, die Neuankömmlinge aufzunehmen, da sie stark überfüllt sind; in einer Unterkunft müssen sich über 600 Binnenvertriebene eine Toilette teilen.
– Die täglich aus Ägypten eintreffende humanitäre Hilfe deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs der Menschen. Nur 4 Prozent der Bewohner:innen des Gazastreifens werden mit Trinkwasser versorgt, während der dringend benötigte Treibstoff weiterhin verboten ist.

Westjordanland:

– Die Angriffe der Besatzung auf palästinensische Dörfer und Städte halten an: Laut Aljazeera wurden beispielsweise in Bethlehem 30 Kinder in einem Internat für Waisenkinder von den israelischen Streitkräften mit Tränengas beschossen
– Laut dem Amt der UN für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) haben israelische Streitkräfte zwischen dem Nachmittag des 6. November und dem Mittag des 7. November an drei verschiedenen Anlässen insgesamt drei Palästinenser erschossen: bei einer Durchsuchungs- und Festnahmeaktion in Sa’ir (Hebron) und bei Solidaritätsprotesten mit Gaza in Beit ‘Anan (Jerusalem) und Beit Fajjar (Bethlehem).
– Seit dem 7. Oktober wurden 150 Palästinenser:innen, darunter 44 Kinder, von israelischen Streitkräften getötet; weitere acht, darunter ein Kind, wurden von israelischen Siedlern getötet. Drei Israelis wurden bei Angriffen von Palästinensern getötet.
– Die Zahl der seit dem 7. Oktober im Westjordanland getöteten Palästinenser macht mehr als ein Drittel aller palästinensischen Todesopfer im Westjordanland im Jahr 2023 aus (397). Etwa 55 Prozent der seit dem 7. Oktober getöteten Palästinenser kamen bei Auseinandersetzungen im Anschluss an israelische Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen ums Leben, vor allem in den Gouvernements Dschenin und Tulkarm. — Etwa 30 Prozent wurden im Zusammenhang mit Solidaritätsdemonstrationen für den Gazastreifen getötet, acht Prozent bei Angriffen von Siedlern auf Palästinenser und die restlichen sieben bei Angriffen auf israelische Streitkräfte oder Siedler oder bei angeblichen Angriffen auf diese.
– Seit dem 7. Oktober haben israelische Streitkräfte 2.375 Palästinenser:innen im Westjordanland verletzt, darunter mindestens 251 Kinder, mehr als die Hälfte davon im Rahmen von Demonstrationen. Vierundsechzig Palästinenser:innen wurden von Siedlern verletzt. Etwa 27 Prozent dieser Verletzungen wurden durch scharfe Munition verursacht.

Israel:

– Der wahllose Abschuss von Raketen durch bewaffnete palästinensische Gruppen auf israelische Bevölkerungszentren hat sich in den letzten 24 Stunden fortgesetzt, ohne dass es dabei zu Todesfällen gekommen wäre. Insgesamt wurden nach Angaben der israelischen Behörden rund 1.400 Israelis und Ausländer in Israel getötet, die meisten davon am 7. Oktober. Bis zum 3. November wurden die Namen von 1.159 dieser Todesopfer veröffentlicht, darunter 828 Zivilisten. Von denjenigen, deren Alter bekannt gegeben wurde, sind 31 Kinder.
Nach Angaben der israelischen Behörden werden im Gazastreifen 240 Personen gefangen gehalten, darunter Israelis und ausländische Staatsangehörige. Medienberichten zufolge handelt es sich bei etwa 30 der Geiseln um Kinder. Bisher wurden vier zivile Geiseln von der Hamas freigelassen, und eine israelische Soldatin wurde von israelischen Streitkräften gerettet. Die Hamas gibt an, dass rund 60 Geiseln durch israelische Luftangriffe getötet wurden.

International:

– Die Tagesschau meldet, dass sich der Wert der Rüstungsexporte von Deutschland nach Israel im Vergleich zum Vorjahr fast verzehnfacht hat: Der Wert der Waren stieg von 32 auf 303 Millionen Euro. Der Großteil wurde seit Kriegsbeginn bewilligt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, machen Kriegswaffen mit einem Wert von knapp 19 Millionen Euro etwa sechs Prozent des Gesamtvolumens aus. Der Löwenanteil von knapp 284 Millionen Euro entfällt auf sonstige Rüstungsgüter. In diese Kategorie fallen zum Beispiel gepanzerte Fahrzeuge, Sicherheitsglas oder militärische Lastwagen. Die Waffenkonzerne profitieren: So ist beispielsweise der Wert einer Aktie des Rüstungsunternehmenes Rheinmetall im vergangenen Monat um fast 10 Prozent gestiegen .
– Die Spitzendiplomaten der G7 haben eine “humanitäre Pause” bei den israelischen Bombardierungen gefordert, um die verzweifelte palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen mit Hilfsgütern zu versorgen. Die Außenminister der führenden Wirtschaftsdemokratien gaben am Mittwoch bekannt, dass sie sich nach intensiven Treffen in Tokio auf eine einheitliche Haltung zum Krieg zwischen Israel und Hamas geeinigt haben
– Volker Turk, der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, sagt, dass die Palästinenser im Gazastreifen einen “lebenden Alptraum” erleben und fordert einen Waffenstillstand. Israels Netanjahu lehnt allerdings erneut die Aussicht auf einen Waffenstillstand ohne Freilassung von Gefangenen im Gazastreifen ab

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