Haaretz / Screenshot

Über fehlgeleitete Raketen und fehlgeleiteten Journalismus

Die israelische Armee gab heute zu, dass sie 5 Kinder in Jabalia (Gazastreifen) tötete & nicht, wie zuvor von ihnen behauptet, eine fehlgeleitete Rakete des palästinensischen Widerstands. Deutsche Journalist:innen wie vom ARD Studio Tel Aviv hatten die vorherige Unschuldsbehauptungen der israelischen Armee unhinterfragt übernommen. Ein kurzes Statement unsererseits über fehlgeleitete Raketen & fehlgeleiteten Journalismus.

Wir wurden gestern auf eine Antwort des ARD Studios in Tel Aviv über die in Jabalia bei einem Luftangriff getöteten Kinder aufmerksam gemacht. Die ARD Journalist:innen behaupteten, dass die israelische Armee ein Beweisstück für die palästinensische Schuld an den Toten habe. Das ist auf vielen Ebenen falsch & beschämend.

Twitter / @Tarek_Bae

Am 07.08.2022 wurden 5 Kinder zwischen 4 & 17 Jahren in Jabalia durch einen israelischen Luftangriff getötet. Die Armee behauptete, dass es sich um eine fehlgeleitete palästinensische Rakete handelte & Israel keinen Angriff in dem Gebiet durchgeführt habe. Sie veröffentlichte ein Video, um diese Behauptung zu untermauern.

Die in Jabalia getöteten Kinder. Sie waren zwischen 5 & 14 Jahren alt. Quelle: Twitter

Das Video, das von @IsraelinGermany & anderen Twitter-Accounts als Beweis akzeptiert wurde, enthielt keinerlei Informationen über Datum oder den Ort des Angriffs. Es zeigt lediglich eine fehlgeleitete Rakete. Wenn ein Journalist so etwas als Beweis ansieht, ist dies ein Beweis für seine Ignoranz. Wir von Occupied News wiesen schon am 07. August auf die Zweifelhaftigkeit des Video”beweises” hin.

Der angebliche Videobeweis, der zeigen sollte, dass die israelische Armee keinerlei Verantwortung für das Massaker von Jabalia habe. Quelle: Twitter (@IsraelinGermany) / Screenshot

Vollkommen abwesend in der ganzen Diskussion um den tödlichen Angriff: die Familien der Kinder & die Menschen der Gegend. Sie hatten sich an die Öffentlichkeit gewandt & erzählt, was sie sahen: Einen israelischen Luftangriff. Die meisten deutschen Journalist:innen machen sich jedoch einfach nicht die Mühe, gründlich zu recherchieren oder sie erkennen palästinensische Zeugen nicht als Menschen an, die für sich selbst & ehrlich sprechen können. Die Stimme der Palästinenser:innen bleibt gewollt oder aus Faulheit unerwähnt, ungehört & nicht ernstgenommen. Wegen dieser Lücke starteten wir einst Occupied News.

Die Toten aus Jabalia, darunter 5 Kinder. Fotograf: Anas AlSharif

Dies ist nicht das erste Mal. Meistens akzeptieren deutsche Journalist:innen (v.a. des Mainstreams) die Aussagen der israelischen Besatzungsarmee als Wahrheit & wiederholen sie ohne “Konjunktiv” oder kritisches Hinterfragen. Dadurch wird der Unterschied zwischen dem Journalisten & dem Armeesprecher verwischt. Es sei in diesem Zusammenhang auch daran erinnert, dass es sich bei der israelischen Armee um eine Besatzungsarmee handelt, gegen die außerdem der Internationale Strafgerichtshof aktuell Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen, u.a. in Gaza, leitet. Dies sollte Journalist:innen bewusst sein, bevor sie Pressestatements der israelischen Armee unhinterfragt übernehmen.

Haaretz / Screenshot

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