Soldaten erschießen Journalistin per Kopfschuss

Israelische Soldat:innen haben heute die bekannte Al Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh im besetzten Westjordanland erschossen. Ihre auf sie gerichtete Kugel traf sie im Kopf, als sie über einen Überfall der israelischen Besatzungsarmee auf die Stadt Jenin im Westjordanland berichtete. Sie wurde in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus gebracht, wie das palästinensische Gesundheitsministerium & Al Jazeera heute mitteilten. Im Krankenhaus wurde sie später für tot erklärt.

Videos des Vorfalls zeigen, dass Abu Akleh in den Kopf geschossen worden ist. Die Kugel drang unterhalb des Ohres ein. Sie trug eine eindeutig erkennbare Presse-Weste. Die schwer verletzte Journalistin wurde von palästinensischen Zivilisten evakuiert & ins Krankenhaus gebracht. Videos zeigen, wie diese minutenlang versuchen, die schwer verwundete Reporterin zu evakuieren, während Scharfschützen immer wieder in die Richtung der Verwundeten & der ihr zu Hilfe eilenden Menschen schießen. Auch zu sehen ist, wie die Journalistin Shatha Hanaysheh vollkommen unter Schock stehend neben ihrer Kollegin Abu Akleh am Boden kauert. Auch sie wurde von palästinensischen Zivilisten unter Lebensgefahr evakuiert & in Sicherheit gebracht.

https://twitter.com/QudsNen/status/1524290802331131904

Shireen Abu Akleh war nicht nur hoch angesehen, sondern galt als eine journalistische Institution. Seit dem Beginn der Zweiten Intifada vor 22 Jahren arbeitete sie für Al Jazeera. Sie gilt als die bekannteste Journalistin Palästinas.

“Wie Sie sich vorstellen können, ist dies ein Schock für die Journalisten, die mit ihr zusammengearbeitet haben”, so Nida Ibrahim, ebenfalls Journalist bei Al Jazeera.

Die Journalistin Shireen Abu Akleh

Ein weiterer palästinensischer Journalist, der neben Abu Akleh stand, wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums ebenfalls von einer scharfen Kugel in den Rücken getroffen. Ali Samoudi, der für die in Jerusalem ansässige Zeitung “Quds” arbeitet, befindet sich den Behördenangaben zufolge in einem stabilen Zustand. [Edit 13:33Uhr: Samoudi ist wieder bei Bewusstsein & hat sich zum Vorfall geäußert].

Der Leiter des Al Jazeera-Büros in Ramallah, Walid Al Omary, sagte, es habe keine Schüsse von palästinensischen Bewaffneten gegeben & widersprach damit einer israelischen Erklärung, die auf diese Möglichkeit verwies. Das israelische Militär erklärte, es sei bei einem Einsatz in Jenin mit schweren Waffen & Sprengstoff angegriffen worden & habe zurückgeschossen. Es fügte hinzu, dass es “den Vorfall untersucht”. [Edit 13:33Uhr: Samoudi ist wieder bei Bewusstsein & hat sich zum Vorfall geäußert. Auch er bestätigt, dass es keine bewaffneten Palästinenser:innen gab. Der tödliche Schuss kam von israelischen Soldat:innen.].

Immer wieder werden Journalist:innen von israelischen Soldat:innen belästigt & deren Ausrüstung konfisiziert. Auch Verhaftungen von Journalist:innen vor laufenden Kameras, das Verletzen von Journalist:innen sowie tödliche Angriffe auf sie durch israelische Soldat:innen kommen immer wieder vor. So wurde bspw. der mit Presseweste ausgestattete Journalist Yasser Murtaja von israelischen Scharfschützen getötet, als er Proteste im Gazastreifen dokumentierte. Während der israelischen Luftangriffe auf den abgeriegelten Gazastreifen im Mai/Juni 2021 wurden die Büros von Al Jazeera, Middle East Eye & Associated Press (AP) im Gazastreifen von israelischen Streitkräften gezielt bombardiert — das gesamte Bürogebäude stürzte dabei ein. Auch die Büros des Fernseh- & Radiosenders Al Aqsa sowie die Büros der Tageszeitung Palestine News & des panarabischen Nachrichtensenders Al Araby wurden durch gezielte Luftschläge vollständig in Schutt & Asche gelegt. “Reporter ohne Grenzen” rief kurz darauf im Mai 2021 Fatou Bensouda, die damilige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), dazu auf, die israelischen Luftangriffe auf Medien im Gazastreifen zu untersuchen, da sie Kriegsverbrechen darstellen.

“Als Journalisten machen wir weiter. Unsere Aufgabe ist es, weiterzumachen. Wir werden uns nicht zum Schweigen bringen lassen, auch wenn man versucht, uns zum Schweigen zu bringen. Unsere Aufgabe ist es, die Welt über die Geschehnisse zu informieren. Und das ist wichtiger denn je.” — Giles Trendle, Geschäftsführer von Al Jazeera

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