Siedler quälen Palästinenser zu Tode, Dorf zum 181.

Die Woche vom 12.-19.12.2020 — über 187 Menschenrechtsverletzungen

Abdul Fattah Ebayyat

Zu Tode gequält: Der Palästinenser Abdul Fattah Ebayyat (37), wurde am Mittwochabend während seiner Arbeit in der illegalen Siedlung Gilo von Israelis getötet. Laut einer von Journalisten verbreiteten Erklärung bestätigte seine Familie, dass der Mann in einem dortigen Wohnhaus aufgefunden wurde, mit blauen Flecken & Wunden auf seinem Körper & einem um seinen Hals gewickelten Seil. Wirtschaftliche Not zwingt manche Palästinenser*innen zu Billiglohnjobs in illegalen Siedlungen.

Darüber hinaus attackierten diese Woche Siedler ein pal. Kind in Jerusalem. Siedler aus den illegalen Siedlungen “Ramat Yishai” & “Beit Hadassah” griffen Muhannad Mustafa Qafisheh (28), Sportjournalist bei Palestine TV, an & schlugen ihn. Der Angriff verursachte u.a. Verletzungen am Kopf. Qafisheh versuchte, sich zu verteidigen, aber die Siedler wurden von israelischen Soldaten begleitet.

Gaza — Was Totalblockade bedeutet: Mindestens 5 Mal beschoss die isr. Armee landwirtschaftlich genutzte Felder in Gaza. Dabei wurde an 2 verschiedenen Tagen das Feuer auf pal. Hirten eröffnet & 1 Mal auf Journalisten & Farmer (s. Video). Auch ein Sanitärtruck wurde nahe der “Grenze” zu Israel mit scharfer Munition beschossen, verletzt wurde niemand. 1 Mal eröffnete isr. Marine das Feuer auf ein Fischerboot vor Gazas Küste.

In der Nacht zum 14.12. beschoss ein Panzer ein Haus der Familie Al Nisr, welche zum Zeitpunkt des Angriffs glücklicherweise nicht in im Haus war.

Die isr. Armee drang in den von Israel belagerten Gazastreifen ein & stellte Schilder auf die Felder pal. Bauern & warnte sie, ihre Felder mit Bulldozern zu zerstören, wenn sie diese nicht entfernen. “Farmer, eure Felder liegen außerhalb des erlaubten Bereichs für die Bepflanzung. Wenn Sie sie nicht in einer kurzen Zeitspanne entfernen, werden wir sie entfernen,” ist auf den Schildern lesen (s. Foto). Nicht nur ist die Aufforderung blanker Hohn & Willkür, sondern bei Umsetzung auch eine finanzielle Katastrophe für die Bauern im Ohnehin von Armut geplagten, belagerten Gazastreifen.

Diese Woche wurde ein Militärplan Israels für den Fall eines neuen Krieges gegen Gaza geleakt. U.a. zielt er auf den Tod von täglich 300 pal. Widerstandkämpfern ab. Das Schicksal oder Maßnahmen zum Schuz von pal. Zivilisten bleiben unerwähnt.

Besatzungsgewalt: Wie schon am 11.12.2020 von uns berichtet, verstarb Abdel Naser Halawah seinen Verletzungen, die er vor 4 Monaten durch Soldat*innen am Militärcheckpoint in Qalandiya erlitt. Er war taubstumm & konnte keine Anweisungen brüllenden Soldat*innen hören. Er wurde nun am 12.12.2020 beerdigt.

Diese Woche verstab ebenfalls der pal. Ex-Gefangene Mahmoud Adawi aus dem besetzten Nablus. Er erlag Krankheiten, die er infolge der schlechten Haftbedingungen in isr. Besatzungsgefängnissen erlitten hat, wie z.B. Nierenversagen, das sich aufgrund der vorsätzlichen medizinischen Vernachlässigung während seiner 12-jährigen Haft entwickelte. Das Verweigern von medizinischer Versorgung gegenüber Gefangangen stellt einen eklatanten Verstoß gegen international annerkanntes Menschenrecht dar & ist systamtisch in isr. Besatzungsgefängnissen.

Mindestens 107 Mal fiel die isr. Besatzungsarmee in Ortschaften des Westjordanlandes einschließlich Jerusalems ein. Dabei wurden zahlreiche Palästinenser*innen verletzt & 94 pal. Zivilisten, darunter 13 Kinder & 1 Frau, verhaftet.

Der pal. Gefangene Jibril Zbaidi begann gestern einen offenen Hungerstreik, um gegen seine Administrativhaft (Haft ohne Nennung von Gründen, Anklage oder Gerichtsverfahren) zu protestieren.

Jibril Zbaidi ist im Hungerstreik gegen seine Administrativhaft.

Während des laufenden Schulunterrichts feuerten am Donnerstag Besatzungstruppen Tränengasbomben in den Schulhof der Anin Sekundarschule nahe Ramallah ab. Dutzende von Schüler*innen & Lehrer*innen erlitten Gefühle des Erstickens & Panik. Eine Reihe von Lehrer*innen war damit beschäftigt, ihnen erste Hilfe zu leisten. Der Schulunterricht war gezwungenermaßen unterbrochen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

Auch jede Form des Protests wurde mit Gewalt von der Besatzung niedergeschlagen. In Al Mughayyir fand ein friedlicher Protest gegen die drohende Beschlagnahmung von Land & gegen die Errichtung neuer Siedlungsaußenposten am Dorfeingang statt. Die Demonstranten hissten pal. Flaggen & skandierten Slogans gegen die israelische Besatzung, die Siedler & die Trennmauer. Als sie am Ortseingang ankamen, fanden sie eine große Anzahl israelischer Soldat*innen vor, die sie erwarteten. Die Demonstranten skandierten erneut Slogans, als Soldat*innen sofort scharfe Munition, Gummigeschosse, Blendgranaten & Tränengaskanister auf die Demonstrant*innen abfeuerten. Infolgedessen erlitten 9Zivilisten Wunden durch Gummigeschosse in den unteren Extremitäten & wurden an Ort & Stelle behandelt. Außerdem erlitten Dutzende Demonstrant*innen Erstickungssymptome durch das Einatmen von Tränengas. In zahlreichen anderen Ortschaften ging die isr. Armee ähnlich gegen Protestaktionen vor. In Kafr Qaddum wurden sogar Drohnen eingesetzt, um Tränengas auf Demonstrant*innen abzuwerfen. Es gelang ihnen jedoch, diese mit Steinschleudern zum Absturz zu bringen.

Zerstörungswut: Isr. Behörden zerstörten diese Woche den jahrhundertealten islamischen Friedhof Al Yousifieh im besetzten Jerusalem. Mustafa Abu Zahra, ein Verwalter der islamischen Friedhöfe in Jerusalem, bezeichnete dies als “eine eklatante Verletzung der Heiligkeit der Stätte”. Palästinenser*innen, die sich in dem Gebiet aufhielten, versuchten, die Arbeit des Bulldozers zu blockieren, wurden aber von den Mitarbeiter*innen der isr. Behörde aufgehalten. Die isr. Stadtverwaltung beabsichtigt, an der Stelle des Friedhofs einen Park zu errichten, ein Schritt, der viele Bewohner*innen Ost-Jerusalems, die geliebte Menschen auf diesem Friedhof begraben haben, erboste. In der Woche zuvor war schon ein historischer Zugang zur Al Aqsa-Moschee von isr. Behörden niedergerissen worden.

Zwei pal. Familienhäuser wurden diese Woche von der Besatzung abgerissen, eines riss eine pal. Familie selber ab, nachdem sie einen Abrissbescheid erhielt, um die hohen Kosten, die die Besatzung für den willkürlichen Abriss üblicherweise in Rechnung stellt, zu vermeiden. Über 30 weitere Baustopps & Abrissbescheid wurden diese Woche im Westjordanland ausgestellt. Auf diese Weise sollen Palästinenser*innen systematisch vertrieben werden. Seit Beginn des Jahres hat die Besatzung über 331 Häuser & 561 Geschäfte von Palästinenser*innen zerstört. Dies ist ein Zuwachs von 31 % im Vergleich zum Vorjahr.

Bürger 2. Klasse: Die israelischen Behörden haben am Donnerstag zum 181. Mal seit dem Jahr 2000 das pal. Beduinendorf Al Araqib in der Naqab-Wüste (auf deutsch Negev-Wüste) in Israel abgerissen. Obwohl die hier lebenden Palästinenser*innen nicht nur seit Jahrhunderten leben, sondern seit 1968 auch isr. Staatsbürgerschaft besitzen, werden ihre Dörfer (insgesamt 51) nicht erkannt & immer wieder abgerissen & systematisch versucht, sie aus dem Negev zu vertreiben.

Dies ist das 5. Mal, dass das Dorf, welches von 22 Familien bewohnt wird, seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie abgerissen wurde, und das 10. Mal in diesem Jahr. Trotz der wiederholten Abrisse bauen die Bewohner*innen von Al Araqib jedes Mal ihre Zelte & kleinen Häuser wieder auf.

Siedlungsbau: Isr. Siedler errichteten im Viertel Al Jomjoma im besetzten Al Khalil (Hebron) Zelte auf privatem pal. Land errichtet & um Besitzansprüche darauf zu erheben.

Die Besatzung plant die Errichtung von 8.300 neuen Siedlungseinheiten im südlichen Jerusalem, teils in international als besetzt geltendem Gebiet. Dem offiziellen Statement Israels zufolge, soll es illgealen Siedlungsbau & eine Anbindung Israels an die illegale Siedlung Gilo unterstützen. Siedlungen sind gemäß Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen.

Israelische Anti-Apartheid-Aktivisten kletterten diese Woche auf isr. Bulldozer, um den Bau der Jerusalemer Stadtbahn blockieren, die illegale israelische Siedlungen auf palästinensischem Land bedienen & verbinden soll.

Keine Bewegungsfreiheit auf dem eigenen Land: Diese Woche errichtete die Besatzung 46 neue temporäre Militärcheckpoints im Westjordanland & verhaftete an diesen 6 pal. Zivilisten. Insgesamt gibt es 705 permanente Militärcheckpoints im Westjordanland. Israelis sind von diesen nicht betroffen, da sie andere Nummernschilder & teilweise eigene Straßen haben, auf denen es keine Checkpoints gibt & die Palästinenser*innen nicht benutzen dürfen.

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