Krankenwagen: Besatzungsarmee setzt auf Gewalt gegen friedlichen Massenprotest

Hunderte palästinensische Demonstrant*innen versuchten gestern, das einstige Beduinendorf Khirbet Humsa im nördlichen besetzten Jordantal zu erreichen. Dieses Dorf wurde vor 2 Wochen vollständig von isr. Besatzungstruppen mit Bulldozern plattgewalzt. Die isr. Armee erklärte kürzlich das gesamte Gebiet zur geschlossenen Militärzone & blockierten alle Straßen, die dorthin führen, so dass die Demonstrant*innen keine andere Wahl hatten, als zu versuchen, einen der Militärkontrollpunkte zu passieren.

Dort angekommen, schossen isr. Soldat*innen mit scharfer Munition, gummibeschichteten Metallkugeln & Tränengas auf die unbewaffneten Demonstrant*innen. Es wurde dabei gezielt auf die obere Körperhälfte der Protestierenden geschossen, 21 wurden verletzt, meist am Oberkörper. Isr. Soldat*innen stürmten sogar gewaltsam einen Krankenwagen des Roten Halbmonds, um einen durch sie verletzten pal. Demonstranten herauszuzerren & zu verhaften. Der Protest dauerte etwa 2 Stunden.

Israelische Streitkräfte hatten am 03.11.2020 im besetzten Westjordanland das palästinensische Beduinendorf Khirbet Humsa vollständig niedergerissen. Die gesamte Dorfgemeinschaft — 73 Menschen, darunter 41 Kinder — wurde innerhalb weniger Stunden obdachlos. Nach Angaben der UN ist das der größte Vorfall dieser Art seit Jahren.

Von isr. Militärfahrzeugen eskortierte Bagger walzten Zelte, Hütten, Tierställe, Toiletten & Sonnenkollektoren nieder. Ein Teil der zerstörten Infrastruktur wurde mit europäischen Mitteln finanziert — u.a. aus dem EU-Projekt “Humanitäre Unterstützung für Palästinenser*innen, die im Westjordanland von Zwangsumsiedlungen bedroht sind”. Selbst vor dem Tierfutter wurde nicht halt gemacht. Landwirtschaftliche Fahrzeuge & Geräte wurden beschlagnahmt.

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