Ostern: Besatzungskräfte knüppeln auf palästinensisch-christliche Pilger in Jerusalem ein
eine Person zündet Kerzen in einer Kirche an (Foto: Jonny Gios /Unsplash)

Ostern: Besatzungskräfte knüppeln auf palästinensisch-christliche Pilger in Jerusalem ein

Palästinensischen Christen sagen, dass ihre 2.000 Jahre alte Gemeinschaft im Heiligen Land zunehmend unter Beschuss durch die israelische Besatzung gerät. Neben den üblichen Drangsalierungen der Besatzung, unter denen alle Palästinenser:innen zu leiden haben, wird die Religionsfreiheit der ältesten christlichen Gemeinde der Welt zunehmend eingeschränkt. Heute schlugen die Besatzungskräfte erneut mit Schlagstöcken während der orthodoxen Osterzeremonien auf sie ein.

Die Griechisch-Orthodoxe Kirche kritisierte am Mittwoch Israels “schwerwiegende Einschränkungen” der Religionsfreiheit bei der Vorbereitung des Osterfestes im völkerrechtswidrig besetzten & annektierten Ostjerusalem.

Die israelische Polizei erklärte, die Beschränkungen seien für die Sicherheit während der “Heiliges-Feuer”-Zeremonie am Samstag in der alten Grabeskirche notwendig, der heiligen Stätte aus dem 12. Jahrhundert, an der Jesus nach christlichem Glauben gekreuzigt, begraben & wieder auferstanden ist.

Die israelischen Behörden behaupten, die Maßnahmen stünden im Zusammenhang mit den jüngsten Ausschreitungen in der Altstadt, die durch brutale Razzien der israelischen Polizei an der sensibelsten heiligen Stätte Jerusalems, dem Gelände der Al Aqsa-Moschee, & deren unprovozierten, gewalttätigen Angriffen auf muslimische Gläubige ausgelöst wurden.

Viele christliche Führungspersönlichkeiten sehen keinen Grund, warum die seit Jahrhunderten abgehaltene Zeremonie durch die Besatzungsbehörden eingeschränkt werden soll. Sie sehen dies als Teil der anhaltenden israelischen Politik , die darauf abzielt, sie aus ihrer Heimat zu vertreiben. Die Begrenzung des Kirchenbesuchs auf nur 1.800 Personen, darunter Geistliche der verschiedenen orthodoxen Konfessionen, sei eine notwendige Sicherheitsvorkehrung, erklärte die israelische Polizei am Mittwoch.

Jedes Jahr hat die israelische Polizei die Zahl der Pilger, die an christlichen Feiern, einschließlich der Zeremonie des “Heiligen Feuers”, teilnehmen können, unabhängig von der Sicherheitslage begrenzt.

Im vergangenen Monat haben die Kirchen in Jerusalem in einer gemeinsamen Osterbotschaft die Tatsache angeprangert, dass “im Laufe des vergangenen Jahres einige unserer Kirchen, Trauerzüge & öffentliche Versammlungsorte zu Angriffszielen geworden sind”, wobei einige Zeremonien “für Tausende von Gläubigen gesperrt wurden”.

Nach dem Abbruch der Gespräche zwischen den christlichen Führern & den israelischen Besatzer:innen rief Pater Mattheos Siopis von der griechisch-orthodoxen Kirche “alle, die mit uns Gottesdienst feiern wollen, dazu auf. […] Damit ist klar, dass wir es den Behörden überlassen, so zu handeln, wie sie wollen. Die Kirchen werden ihre Gottesdienste frei & in Frieden abhalten”.

“Nach vielen Versuchen des guten Willens sind wir nicht in der Lage, uns mit den israelischen Behörden abzustimmen, da diese unangemessene Einschränkungen durchsetzen”, sagte Siopis. “Diese schwerwiegenden Einschränkungen werden den Zugang zur Grabeskirche & zur Zeremonie des Heiligen Feuers einschränken”.

“Wir werden die Bewegung der Menschenmenge regeln”, kündigte im Lauf der Woche Oberkommissar Yoram Segal von der Jerusalemer Bezirkspolizei an. Und das tat sie heute auch, unter anderem mit Schlagstöcken.

Östlich-orthodoxe Christen glauben, dass am Samstag vor Ostern eine wundersame Flamme in der Grabeskirche erscheint & damit das wichtigste Ereignis im orthodoxen Kalender markiert. Der griechische Patriarch betritt das Heilige Edicule, eine Kammer, die an der traditionellen Stelle des Grabes Jesu errichtet wurde, & kommt mit zwei brennenden Kerzen heraus. Er gibt die Flamme an Tausende von Menschen weiter, die Kerzen in den Händen halten, & erhellt so nach und nach die Wände der verdunkelten Basilika.

Auch an diesem Ostern wieder kein freier Zugang zu den Osterfeierlichkeiten — weil die Besatzer:innen es der ältesten christlichen Gemeinde der Welt verwehren. Die Bilder stammen vom 15.04.2023

Die Gläubigen, die sich an die Kerzen klammern, füllen die Kirche, & viele weitere versammeln sich in den umliegenden Gassen der Altstadt, bevor die Flamme zu den orthodoxen Gemeinden in aller Welt geflogen wird. “Die Zeremonie findet seit fast 2.000 Jahren in der Grabeskirche statt”, so Siopis.

Die israelische Polizei griff Trauernde während des Trauerzuges der palästinensisch-amerikanischen Al Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh an, einer Christin, die vor fast einem Jahr von israelischen Soldat:innen während Dreharbeiten zu einem Nachrichtenbeitrag in Jenin per Kopfschuss in ihrer Presseweste ermordet wurde. Bei dem Angriff auf ihren Trauerzug stürzte der Sarg beinahe zu Boden.

Im März griffen zwei israelische Männer einen Priester in einer Kirche am Grab der Jungfrau Maria an. Im Februar zerstörte ein amerikanisch-jüdischer Tourist eine Jesus-Statue in der Kirche der Verdammnis, in der Jesus nach christlichem Glauben ausgepeitscht & zum Tode verurteilt wurde. Einen Monat zuvor schändeten zwei jüdische israelische Jugendliche Dutzende von christlichen Gräbern auf dem anglikanischen Friedhof auf dem Berg Zion, wo nach christlicher Auffassung das letzte Abendmahl Jesu stattfand. Im November wurden zwei Soldaten der Givati-Brigade der israelischen Armee festgenommen, weil sie den armenischen Erzbischof & andere Pilger während einer Prozession in der Altstadt angespuckt hatten.

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