Medizinisches Personal von israelischen Besatzungstruppen geschlagen, gedemütigt und entführt

Medizinisches Personal von israelischen Besatzungstruppen geschlagen, gedemütigt und entführt

Foto via BBC: Von israelischen Soldat:innen entkleidete Ärzte im Nasser-Krankenhaus

Entkleidet, geschlagen, Knochen gebrochen, Scheinhinrichtungen, Verschleppung – wie Israels Armee mit den Ärzt:innen & Krankenpfleger:innen des Nasser-Krankenhauses in Gaza umgegangen ist, hat die BBC ausführlich recherchiert. Dieser Artikel von Alice Cuddy erschien im Original bei der BBC am 11.03.2024, wir haben ihn übersetzt.

Wie palästinensische Mediziner:innen in Gaza der BBC berichteten, haben israelische Truppen ihnen nach einer Razzia in ihrem Krankenhaus im vergangenen Monat die Augen verbunden, sie festgehalten, sie gezwungen, sich auszuziehen und sie wiederholt geschlagen.

Ahmed Abu Sabha, Arzt im Nasser-Krankenhaus, schilderte, dass er eine Woche lang festgehalten wurde, wobei ihm Hunde mit Maulkorb auf den Hals gehetzt und seine Hand von einem israelischen Soldaten gebrochen wurde. Seine Schilderung deckt sich weitgehend mit der von zwei anderen Ärzt:innen, die aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollten.

Sie berichteten der BBC, sie seien gedemütigt, geschlagen, mit kaltem Wasser übergossen und gezwungen worden, stundenlang in unbequemen Positionen zu knien. Sie sagten, sie seien tagelang festgehalten worden, bevor sie freigelassen wurden.

Die BBC übermittelte den Israelischen Besatzungstruppen (IDF) Einzelheiten zu ihren Anschuldigungen. Die IDF habe nicht direkt auf Fragen zu diesen Berichten geantwortet und bestreiten auch keine spezifischen Misshandlungsvorwürfe. Sie bestritten jedoch, dass medizinisches Personal während des Einsatzes verletzt wurde. Sie erklärten, dass „jegliche Misshandlung von Gefangenen gegen die Befehle der IDF verstößt und daher streng verboten ist“.

Die IDF überfielen am 15. Februar das Nasser-Krankenhaus in der südlichen Stadt Khan Younis im Gazastreifen, das eines der wenigen noch funktionierenden Krankenhäuser im Gazastreifen war, und behaupteten, Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass das Krankenhaus Funktionäre der Hamas beherberge. Sie sagten auch, dass israelische Geiseln, die am 7. Oktober von der Hamas entführt worden waren, dort festgehalten wurden – und einige der Geiseln selbst hätten öffentlich gesagt, dass sie im Nasser-Krankenhaus festgehalten wurden. Die Hamas hat bestreitet, dass ihre Kämpfer in medizinischen Einrichtungen operieren.

Der BBC wurden heimlich gefilmte Aufnahmen aus dem Krankenhaus vom 16. Februar, dem Tag, an dem die Sanitäter:innen festgenommen wurden, zugespielt. Sie zeigen eine Reihe von Männern, die bis auf die Unterwäsche entkleidet vor dem Notaufnahmegebäude des Krankenhauses knien und die Hände hinter dem Kopf halten. Vor einigen von ihnen liegen medizinische Kittel.

Widerspricht einem grundlegenden Gedanken internationalen Rechts

„Jeder, der versuchte, seinen Kopf zu bewegen oder irgendeine Bewegung zu machen, wurde geschlagen“, sagte der Generaldirektor des Krankenhauses, Dr. Atef Al Hout, der BBC. „Sie haben sie etwa zwei Stunden lang in dieser beschämenden Lage gelassen“.

Die IDF sagte der BBC: „In der Regel ist es bei der Verhaftung von Terrorverdächtigen oft notwendig, ihre Kleidung abzugeben, damit sie durchsucht werden können und um sicherzustellen, dass sie keine Sprengstoffwesten oder andere Waffen verstecken. Die Kleidung wird den Festgenommenen nicht sofort zurückgegeben, da der Verdacht besteht, dass sich darin Gegenstände befinden, die für Angriffe verwendet werden können (z. B. Messer). Die Häftlinge erhalten ihre Kleidung zurück, wenn dies möglich ist.“

Nach Angaben des medizinischen Personals wurden die Betroffenen dann in ein Krankenhausgebäude gebracht, geschlagen und anschließend unbekleidet in eine Hafteinrichtung transportiert. Dr. Abu Sabha, 26-jähriger frischgebackener Arzt und freiwilliger Sanitäter im Nasser-Krankenhaus, beschrieb einige Elemente seiner Behandlung während der Haft als Folter, wie z. B. dass die Gefangenen stundenlang ohne Pause stehen mussten. Er sagte, dass weitere Foltermaßnahmen eingesetzt wurden. Dazu gehörte, dass sie über längere Zeit auf dem Bauch liegen mussten und dass ihnen die Mahlzeiten vorenthalten wurden.

Ein Experte für humanitäres Recht bezeichnete das Filmmaterial und die Aussagen des von der BBC befragten medizinischen Personals als „äußerst bedenklich“. Er sagte, dass einige der Schilderungen, von denen die BBC erfuhr, „ganz klar in die Kategorie der grausamen und unmenschlichen Behandlung fallen“. Dr. Lawrence Hill-Cawthorne, Co-Direktor des Zentrums für internationales Recht an der Universität Bristol, sagte: „Das widerspricht dem, was seit langem ein sehr grundlegender Gedanke des in bewaffneten Konflikten geltenden Rechts ist, nämlich dass Krankenhäuser und medizinisches Personal geschützt sind. Die Tatsache, dass sie Staatsangehörige der gegnerischen Seite behandeln, sollte ihren Schutz in keiner Weise beeinträchtigen“, sagte er.

Die BBC hat die Ereignisse in dem Krankenhaus mehrere Wochen lang untersucht und mit Ärzt:innen, Krankenpfleger:innen, Apotheker:innen und Vertriebenen gesprochen, die im Innenhof campieren. Die Rundfunkanstalt hat die Details in diesen Berichten gegengeprüft. Die BBC erhielt die Namen von 49 medizinischen Mitarbeiter:innen des Nasser-Krankenhauses, die festgenommen worden sein sollen. Davon wurden 26 von mehreren Quellen genannt, zu denen Mediziner:innen vor Ort, das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium, internationale Gruppen und die Familien der Vermissten gehören. Die drei Mediziner:innen, die nach eigenen Angaben festgenommen und später freigelassen wurden, haben sich bisher nicht öffentlich geäußert. Zu ihnen gehört Dr. Abu Sabha, den wir zweimal interviewt haben. Seine Geschichte blieb konsistent, und die BBC konnte wichtige Teile seiner Aussage unabhängig bestätigen.

13 Patient:innen starben nach der Razzia


Die Familien von fünf anderen im Krankenhaus tätigen Ärzt*innen haben der BBC mitgeteilt, dass ihre Angehörigen vermisst werden. Darüber hinaus hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz der BBC bestätigt, dass es Dutzende von Anrufen von Menschen erhalten hat, die sagen, dass Familienmitglieder, darunter auch Mediziner:innen, die im Nasser-Krankenhaus waren, jetzt vermisst werden.

Mediziner:innen, die im Nasser-Krankenhaus verblieben sind, sagen, dass sie durch die IDF-Operation im Krankenhaus nicht mehr in der Lage waren, die Patient:innen zu versorgen. Als die israelische Besatzungsarmee die Kontrolle über das Krankenhaus übernahm, wurden dort fast 200 Patient:innen behandelt, von denen viele bettlägerig waren, darunter sechs auf der Intensivstation, so Dr. Hout, der Generaldirektor des Krankenhauses.

Die Mitarbeiter:innen, die bleiben durften, beschrieben, dass ihnen befohlen wurde, schwerkranke Patient:innen zwischen den Gebäuden zu verlegen, dass sie von ihren Aufgaben abgezogen wurden, um verhört zu werden, und dass ihnen Patient:innen zugewiesen wurden, für deren Behandlung sie nicht ausgebildet waren, während sie unter beengten und unhygienischen Bedingungen arbeiteten. Mehrere Mediziner:innen sagten, dass in den Tagen nach der israelischen Übernahme 13 Patient:innen gestorben seien.

Sie sagten, viele dieser Patient:innen seien aufgrund der Bedingungen im Krankenhaus gestorben, einschließlich des Mangels an Strom, Wasser und anderen lebenswichtigen Dingen, die für den Betrieb des Nasser-Hospitals erforderlich sind. Die BBC konnte dies nicht unabhängig verifizieren. Ein Arzt veröffentlichte Fotos von Leichen in Säcken auf Betten, die, wie die BBC bestätigt hat, in einer Station des Krankenhauses aufgenommen wurden.

Die IDF teilten der BBC mit, dass sie „das Krankenhaus mit Hunderten von Lebensmittelrationen und einem alternativen Generator versorgt haben, so dass es weiter funktionieren und die Patient*innen behandeln konnte“. Die „wesentlichen Systeme“ des Krankenhauses funktionierten während des Einsatzes der IDF über ein unterbrechungsfreies Stromversorgungssystem, hieß es. Am 18. Februar teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit, dass das Krankenhaus nicht ausreichend mit Lebensmitteln und medizinischer Grundversorgung versorgt wurde und seinen Betrieb eingestellt hatte. Die verbleibenden Patient*innen wurden in andere Krankenhäuser in der Umgebung gebracht.

„Ich dachte, ich werde hingerichtet“

Entlassene Häftlinge und Mediziner:innen berichteten der BBC, dass die Schwangeren- und Entbindungsstation, die Mubarak heißt, zu einem Ort wurde, an dem die IDF das Personal verhörte und schlug. Dr. Abu Sabha sagte, dass er nach der Razzia zunächst zu den Patient:innen gebracht wurde, später aber in das Mubarak-Gebäude, das seiner Meinung nach „mehr zu einem Ort der Folter“ geworden war.

„Sie setzten mich auf einen Stuhl und es war wie ein Galgen“, sagte er. „Ich hörte Geräusche von Seilen und dachte, ich würde hingerichtet werden. Danach zerbrachen sie eine Flasche und ihr Glas schnitt mein Bein und sie ließen es bluten. Dann brachten sie einen Arzt nach dem anderen herein und stellten sie nebeneinander. Ich hörte ihre Namen und ihre Stimmen.“

Die IDF teilte der BBC mit, dass sie „keine Scheinhinrichtungen von Gefangenen durchführt und auch nicht durchgeführt hat und weist solche Behauptungen zurück“.

Alle drei Gefangenen, mit denen die BBC sprach, gaben an, dass sie auf Militärfahrzeuge gepfercht und geschlagen wurden, als sie in einer großen Gruppe transportiert wurden. Die Soldat:innen schlugen sie mit Stöcken, Schläuchen, Gewehrkolben und Fäusten, sagten sie. „Wir waren nackt. Wir hatten nur Boxershorts an. Sie haben uns übereinander gestapelt. Und sie brachten uns aus dem Gazastreifen heraus“, sagte einer der Sanitäter, der anonym bleiben wollte. „Auf dem Weg dorthin wurden wir geschlagen, beschimpft und gedemütigt. Und sie haben uns mit kaltem Wasser übergossen“.
Dr. Abu Sabha sagte, dass die Soldaten die Gefangenen während der Fahrt aus dem Fahrzeug holten. „Sie brachten uns zu einem mit Kies bedeckten Fleck Erde, zwangen uns, uns hinzuknien und die Augen zu verbinden… Es gab eine Grube im Boden, und wir dachten, sie würden uns hinrichten und hier begraben. Wir fingen alle an zu beten.“

Dann wurde er zu einem Gebäude gebracht, in dem er und die anderen Gefangenen mit ihm festgehalten wurden, sagte er. Die beiden anderen freigelassenen Gefangenen sagten, dass sie irgendwann medizinisch untersucht wurden, aber keine Medikamente erhielten. Einer sagte, dass ein IDF-Soldat ihn an der verletzten Stelle geschlagen habe, anstatt ihn zu behandeln.

Dr. Abu Sabha sagte der BBC, dass Gefangene routinemäßig für vermeintliche Verstöße bestraft wurden. „Einmal rutschte die Augenbinde ein Stück nach unten, und meine Hände waren von hinten gefesselt, und ich konnte sie nicht fixieren. Sie brachten mich zur Bestrafung nach draußen… Ich stand drei Stunden lang mit erhobenen Händen über meinem Kopf und mit dem Gesicht nach unten. Dann forderte er [ein Soldat] mich auf, zu ihm zu kommen. Als ich das tat, schlug er immer wieder auf meine Hand, bis sie gebrochen war.“ Später an diesem Tag wurde er auf die Toilette gebracht, geschlagen und Hunde mit Maulkorb auf ihn gehetzt, sagte er.

Am nächsten Tag habe ihm ein israelischer Arzt einen Gips angelegt, auf den Soldaten einen Davidstern gemalt hätten. Dieser Gips wurde später von einem Arzt in Gaza ausgetauscht, und Ahmed trug während seines Interviews mit der BBC einen Gips. Die BBC bestätigte, dass Dr. Abu Sabha nach seiner Festnahme in einem Feldlazarett in Gaza geröntgt und wegen einer gebrochenen Hand behandelt wurde und dass er dort mit einem Gips und einem aufgemalten Davidstern ankam. Die IDF gingen nicht auf die Fragen der BBC zu Dr. Abu Sabhas Gips ein.

Keinem der drei Mediziner:innen wurden konkrete Vorwürfe gemacht, aber zwei von ihnen sagten aus, dass sich die Verhöre darauf konzentrierten, ob sie Geiseln oder Hamas-Kämpfer innerhalb des Krankenhauses gesehen hätten.Sie sagten, sie seien auch nach ihrem Aufenthaltsort am 7. Oktober gefragt worden, als bewaffnete Hamas-Kämpfer vom Gazastreifen aus in Israel eindrangen und etwa 1.200 Menschen töteten und 253 weitere als Geiseln nahmen. Mehr als 130 Geiseln werden immer noch von der Hamas festgehalten. Nach Angaben israelischer Behörden sind mindestens 30 von ihnen tot. Nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen sind bei den israelischen Luftangriffen und der laufenden Bodenoffensive mehr als 31.000 Menschen getötet worden.

Einer der freigelassenen Gefangenen sagte, dass ihm die IDF-Offiziere zwei Tage nach seinem Verhör mitteilten, dass es keine Beweise gäbe und er freigelassen würde. „Ich fragte ihn: ‚Wer entschädigt mich für all die Schläge und Demütigungen, die ich erleiden musste, die Sie mir angetan haben, obwohl ich wusste, dass ich in nichts verwickelt war?‘ Er begann zu murmeln: ‚Ich habe nichts gegen Sie in der Hand. Keine Anklage.'“

Dr. Abu Sabha sagte der BBC, er sei während seiner achttägigen Haft nie verhört worden. Alle drei Mediziner:innen sagen, dass sie nach ihrer Freilassung mit verbundenen Augen zurück nach Gaza gebracht wurden. Die BBC hat die Angaben von Dr. Abu Sabha bestätigt, wonach er den Gazastreifen am israelisch kontrollierten Grenzübergang Kerem Shalom überquert hat, der in der Nähe des südlichsten Punktes des Streifens liegt, an dem der Gazastreifen, Israel und Ägypten aufeinandertreffen.

Die Schilderungen der Mediziner:innen stehen im Widerspruch zu einer separaten Unterrichtung der BBC durch einen hochrangigen IDF-Beamten, der sagte, dass das medizinische Personal im Nasser-Krankenhaus nicht verhaftet wurde, „es sei denn, wir hätten gewusst, dass es möglich war, diese oder jene nachrichtendienstliche Information von ihnen zu erhalten. Wir hatten Grund zu der Annahme, dass sie Informationen haben, also haben wir sie zur Befragung und zum Verhör mitgenommen, aber nicht darüber hinaus“, sagte der Beamte. „Es gab keine Handschellen, wir haben sie nicht zum Verhör mitgenommen, auch nicht für eine weitergehende Verhaftung, sondern um sie zu befragen und zu versuchen, Informationen über die Geiseln oder die Hamas-Befehlshaber, die sich im Krankenhaus befanden, zu erhalten… eine sehr einfache Befragung und das war’s.“

Einige Geiseln, die am 7. Oktober aus Israel entführt wurden, haben beschrieben, dass sie in einem Krankenwagen in den Nasser-Krankenhauskomplex gebracht wurden. Eine freigelassene Geisel berichtete, dass ihr Ehemann, der sich noch in Gaza aufhält, in ein Laken gehüllt war, das wie eine Leiche aussah. Sie beschrieben, dass sie in kleinen Zimmern festgehalten und gezwungen wurden, anzuklopfen, wenn sie auf die Toilette gehen mussten. Eine Geisel beschrieb ihre Zeit in Gefangenschaft als „psychologische Kriegsführung“.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärt, dass Israel seit dem 7. Oktober die Besuche der NGO in den Gefängnissen ausgesetzt hat, was bedeutet, dass das IKRK keine Gefangenen besuchen konnte. Es erklärte gegenüber der BBC, es sei „zutiefst besorgt“ über die Berichte über die Verhaftungen und die anhaltende Inhaftierung von Mediziner:innen. „Wo auch immer und wer auch immer sie sein mögen, müssen die Gefangenen jederzeit human und mit Würde behandelt werden, in Übereinstimmung mit dem humanitären Völkerrecht“, hieß es von Seiten des IKRK. „Das IKRK hat immer wieder Besuche in den Gefängnissen gefordert und ist bereit, diese unverzüglich wieder aufzunehmen, um die Behandlung der Gefangenen und die Haftbedingungen zu überwachen.“

Ein interner UN-Bericht, den die BBC einsehen konnte, beschreibt weit verbreitete Misshandlungen von Palästinenser*innen, die seit Beginn des Krieges in behelfsmäßigen israelischen Gefangenenlagern gefangen genommen und verhört wurden, die den Schilderungen der Sanitäter ähneln. Die israelischen Besatzungstruppen haben zuvor bestimmte Anschuldigungen im UN-Bericht bestritten, darunter die Verweigerung des Zugangs zu Wasser, medizinischer Versorgung und Bettzeug.

„Das Krankenhaus konnte kaum funktionieren“

Im Nasser-Krankenhaus durften unterdessen einige wenige Mediziner:innen bleiben und die übrigen Patient:innen versorgen. Laut Dr. Hout, dem Geschäftsführer, wurden einige Patient:innen während der Razzia festgehalten.

In einem Video, das der BBC von einem Augenzeugen aus dem Nasser-Hospital zur Verfügung gestellt wurde, bewegen IDF-Soldat:innen zwei Krankenhausbetten, und die Hände der Insassen werden über den Kopf gefesselt. BBC hat sich vergewissert, dass das Video authentisch ist.

Auf weiteren, von den IDF veröffentlichten Aufnahmen sind Menschen zu sehen, die mit gefesselten Händen auf den Betten des Krankenhauses liegen und ihre Arme in einer ähnlichen Position erhoben haben. Wir wissen nicht, wer diese Menschen sind oder was mit ihnen nach diesen Aufnahmen geschehen ist. Die IDF sagte: „Wir betonen, dass die Hände der Patient:innen, die nicht im Verdacht stehen, in den Terrorismus verwickelt zu sein, nicht gefesselt wurden.“

Die verbliebenen Mediziner:innen hatten Angst, erschossen zu werden, wenn sie sich dem Befehl widersetzten, das Gebäude nicht zu verlassen, so Dr. Hatim Rabaa, der ebenfalls in Nasser arbeitete, in einem Telefonat mit der BBC am 22. Februar, als im Hintergrund Explosionen zu hören waren. Dennoch seien sie in den Hof gegangen, um Wasser zu holen, weil sie befürchteten, dass die Patient:innen sonst sterben würden, sagte er.

„Die Menschen verdursteten. Auf meinen Schultern trug ich drei Gallonen Wasser, damit ich den Menschen zu trinken geben konnte. Was hätte ich sonst tun können?“ Mehrere Sanitäter:innen berichteten, dass die IDF ihnen nicht die Erlaubnis erteilte, die Leichen der Patient:innen, die nach der Militär-Operation gestorben waren, zu begraben oder gar zu transportieren. Die Leichen blieben mit dem Personal und den Patient:innen drinnen, während sie zu verwesen begannen, so die Mediziner:innen.

„Der Geruch erfüllte die ganze Abteilung“, sagte Dr. Rabaa. „Die Patient:innen schrien: ‚Bitte schaffen Sie sie hier weg‘. Ich habe ihnen gesagt: ‚Es liegt nicht in meiner Hand‘.“ Dr. Rabaa gehörte zu einer kleinen Gruppe von Ärzt:innen, die bei den Patient:innen bleiben durften. Er sagte, auch er sei bis auf die Unterwäsche ausgezogen worden und habe sich vor der Notaufnahme hinknien müssen – aber dann sei er in das Gebäude geführt worden, in dem die Patient:innen untergebracht waren.

Er sagte, er wisse nicht, was mit seinen Kolleg:innen passiert sei, die er im Innenhof zurückgelassen habe.
Die BBC hat dem israelischen Militär detaillierte Fragen zu den Vorwürfen gestellt.
In ihrer Antwort teilte die IDF der BBC mit, dass „etwa 200 Terroristen und Verdächtige terroristischer Aktivitäten festgenommen wurden, darunter einige, die sich als medizinische Teams ausgaben“. Es seien „zahlreiche Waffen sowie verschlossene Medikamente gefunden worden, die für israelische Geiseln bestimmt waren“. Die Terroristen hätten „präzise und zielgerichtet operiert und den laufenden Betrieb des Krankenhauses nur minimal beeinträchtigt, ohne Patient:innen oder medizinisches Personal zu verletzen“.

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