Krankheiten verbreiten sich in Gaza

Krankheiten verbreiten sich in Gaza

(Bild: arab48/Getty images)

Gaza:

– Am 19. Dezember wurden im gesamten Gazastreifen weiterhin schwere israelische Bombardements aus der Luft, vom Land und vom Meer aus durchgeführt, wobei Beit Hanoun, Jabaliya und Beit Lahiya, alle im Norden, am stärksten beschossen wurden. Intensive Bodenoperationen und Kämpfe zwischen israelischen Streitkräften und bewaffneten palästinensischen Gruppen wurden am 19. Dezember fortgesetzt, insbesondere in der Middle Area und in Khan Younis im südlichen Gazastreifen. Die bewaffneten palästinensischen Gruppen feuerten weiterhin Raketen auf Israel ab.

– Laut Gesundheitsministerium wurden bei insgesamt 17 Massakern, die von der Israelischen Besatzungsarmee verübt wurden, gestern 214 Personen getötet und 300 verletzt. Viele sind noch immer unter den Trümmern verschollen. Heute berichtete Aljazeera von mehreren Luftangriffen in Rafah, unter anderem sind dabei eine große Moschee und mehrere Wohnhäuser zerstört worden. Außerdem berichtet Aljazeera von einem Angriff auf das Flüchtlingslager Jabalia im Norden des Gazastreifens, bei welchem laut Gesundheitsministerium mindestens 46 Menschen getötet und Dutzende verwundet wurde. Die Hamas hat nach eigenen Angaben eine Spezialeinheit der israelischen Streitkräfte im Gebiet Tall az-Zaatar im nördlichen Gazastreifen angegriffen und dabei 8 Soldaten getötet. Die israelische Bestzungsarmee selbt gibt an, dass im Verlaufe des vergangenen Tages seien mehr als 300 Ziele angegriffen worden seien.

– Eines der letzten verbliebenen Krankenhäuser im nördlichen Gazastreifen — das Al Ahli Arab Krankenhaus — hat seinen Betrieb eingestellt, nachdem es von israelischen Truppen gestürmt wurde, die Ärzte, medizinisches Personal und Patienten festnahmen und einen Teil des Geländes des Gebäudes zerstörten. Der Direktor des Krankenhauses berichtete, dass mindestens vier Menschen, die gestern durch israelisches Feuer verwundet wurden, heute an ihren Verletzungen starben, die sie bei dem Angriff auf Ahli erlitten hatten. Dutzende liegen noch immer verwundet in den umliegenden Straßen.

– Ärzte ohne Grenzen: Israelische Streitkräfte haben die Kontrolle über das Al-Awda-Krankenhaus übernommen: “Im Al-Awda-Krankenhaus befinden sich immer noch Dutzende von Patienten, darunter 14 Kinder. Das Krankenhaus hat keine lebenswichtigen Medikamente wie Anästhesie und Sauerstoff mehr”, so die Gruppe.

– Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind seit dem 19. Dezember neun der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen nur noch teilweise funktionsfähig, alle im Süden. Diese Krankenhäuser arbeiten mit der dreifachen Kapazität und sind mit einem kritischen Mangel an Grundstoffen und Treibstoff konfrontiert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza liegt die Belegungsrate in den stationären Abteilungen inzwischen bei 206 Prozent und in den Intensivstationen bei 250 Prozent.

– Mehr als 360.000 Fälle von Infektionskrankheiten sind mittlerweile in UNRWA-Unterkünften verzeichnet worden. Am 19. Dezember warnte ein UNICEF-Sprecher, dass die Gefahr von Krankheiten verheerende Auswirkungen auf Kinder haben würde: “Ohne eine ausreichende Versorgung mit sicherem Wasser, Nahrung und sanitären Einrichtungen, die nur ein humanitärer Waffenstillstand bringen kann, könnte die Zahl der durch Krankheiten getöteten Kinder die der durch Bombardierungen getöteten übertreffen.”

-Die Telekommunikations- und Internetdienste im südlichen Gazastreifen wurden nach der sechs Tage andauernden — und damit bisher seit Ausbruch des Krieges längsten — Unterbrechung teilweise wiederhergestellt. Diese wiederholten Unterbrechungen und der fehlende Strom behindern den Zugang zu lebenswichtigen Informationen und beeinträchtigen die humanitären Hilfsmaßnahmen erheblich.

– Seit dem Beginn des Krieges sind nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mehr als 66 Prozent der Arbeitsplätze im Gazastreifen verschwunden. Es seien 192.000 Stellen verloren gegangen. “Heute kann kaum jemand im Gazastreifen ein Einkommen aus Arbeit erzielen”, sagte Peter Rademaker, stellvertretender Regionaldirektor der ILO für die arabischen Staaten. “Es könnte sogar noch schlimmer werden.”

– Hunderttausenden vertriebenen Menschen im Gazastreifen fehlt es nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF an Wasser. Kindern stünden pro Tag nur 1,5 bis zwei Liter Wasser zur Verfügung, teilte das Hilfswerk mit. Nach humanitären Standards liege das Minimum in solchen Notsituationen für Trinken, Waschen und Kochen bei 15 Litern. Zum Überleben seien mindestens drei Liter notwendig. Die Wasser- und Hygienesituation im Grenzort Rafah, wo Hunderttausende Menschen Zuflucht gesucht haben, sei in einem extrem kritischen Zustand.

-Der erste direkte Hilfskonvoi aus Jordanien hat den Vereinten Nationen (UN) zufolge den Gazastreifen erreicht. Die Ladung habe aus 750 Tonnen Lebensmittel bestanden, teilte das Welternährungsprogramm (WFP) mit. “Dieser entscheidende erste Schritt könnte den Weg für einen nachhaltigeren Hilfskorridor durch Jordanien ebnen”, heißt es in einer Erklärung.

– Mohammed Deif, der Anführer der Qassam-Brigaden der Hamas, den Israel seit Jahren jagt, ist nach israelischen Medienberichten am Leben und in besserer Verfassung als bisher angenommen. Unter Berufung auf kürzlich vom israelischen Militär beschafftes Filmmaterial berichtet die Jerusalem Post, dass Deif “keinen Rollstuhl benutzt” und dass er “wahrscheinlich beide Hände benutzen kann”. In einem der Videos, die bei nachrichtendienstlichen Operationen im Gazastreifen beschlagnahmt wurden, ist Deif zu sehen, wie er auf seinen eigenen Füßen geht, wenn auch mit einem leichten Hinken, so der Bericht. Deif hat insgesamt sieben Attentatsversuche überlebt.

Westjordanland:

– Berichten zufolge wurde heute ein 28-jähriger Mann in Beit Ainun in der Nähe von Hebron von der israelischen Armee erschossen, als er auf ihren Checkpoint zufuhr.Menschen vor Ort sagen, dass der Mann, ein Vertreter der medizinischen Pharmaindustrie, nicht verstanden hat, dass die Straße am 7. Oktober gesperrt war und nach links abbog, seinen Fehler bemerkte, aber dann war es zu spät: Die Armee hatte das Feuer eröffnet und ihn getötet. Er befand sich noch im Auto, als der lokale Krankenwagen versuchte, ihn –

– Am 18. Dezember stach ein israelischer Siedler — Berichten zufolge aus der Siedlung Rotem — auf einen palästinensischen Hirten ein, verletzte ihn und rammte sein Vieh, wobei zwei Ziegen getötet wurden, im Gebiet C von Al Farisiya-Nab’a al Ghazal, Tubas. Darüber hinaus wurden zwischen dem 17. und 18. Dezember drei Siedlerangriffe gemeldet, bei denen palästinensisches Eigentum beschädigt wurde. Bei zwei dieser Vorfälle zerstörten israelische Siedler mindestens 220 Olivenbäume und landwirtschaftliche Geräte in den palästinensischen Gemeinden Susiya und Ar Rakeez (beide in Hebron).zu erreichen. Aber die israelische Armee ließ sie nicht in die Nähe des Fahrzeugs.

– Nach Ansicht von drei israelischen NGOs nutzt die Regierung Netanjahu den Deckmantel des Krieges in Gaza, um in Ostjerusalem weitere “Fakten zu schaffen”, die schwerwiegende Auswirkungen auf die politische Zukunft der Stadt haben werden. Die NGOs — Bimkom, Emek Shaveh, Ir Amim und Peace Now — erklärten, dass der illegale Siedlungsausbau und der Abriss palästinensischer Häuser unvermindert fortgesetzt werden, während die Maßnahmen zur Aushöhlung des binationalen und multireligiösen Charakters der Altstadt und ihrer Umgebung zunehmen. Diese Maßnahmen untergraben nicht nur die Rechte der Palästinenser*innen auf ihre Häuser und ihre Stadt, sondern auch die Aussichten auf eine einvernehmliche und gerechte politische Lösung für Jerusalem”, erklärten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Darin heißt es weiter: “Zusammen haben sie das schwerwiegende Potenzial, das Endspiel des Konflikts zu bestimmen, indem sie die israelische Kontrolle über Ostjerusalem zementieren und die Möglichkeit einer vereinbarten und gerechten politischen Lösung für die Stadt ausschließen.”

Israel:

– Mehr als 12.000 ausländische Arbeitskräfte sind in den vergangenen Wochen nach Israel eingereist oder zurückgekehrt. Die Hälfte seien Thailänder, teilte ein Vertreter des Innenministeriums weiter mit. Nach dem 7. Oktober hatte unter den meist in der Landwirtschaft Beschäftigten zunächst eine Massenflucht eingesetzt. Berichten zufolge benötigt Israel mehr als 30.000 ausländische Arbeitskräfte für die bei den Angriffen verwüsteten Farmen im Süden des Landes. Nachdem viele Ausländer*innen geflohen seien und Israels Regierung palästinensischen Arbeitern aus dem Westjordanland die Einreise untersage, wirbt Israel nun Menschen aus dem Globalen Süden an, unter anderem auch aus Indien, aus Ecuador sowie aus Malawi und Kenia.

International:

– In Ägypten finden Gesrpäche über eine mögliche weitere Waffenruhe statt: Der in Katar lebende Hamas-Chef, Ismail Haniyeh, ist zu diesem Zweck in Kairo eingetroffen. Der israelische Staatspräsident Isaac Herzog erklärte, sein Land sei bereit, mit der Hamas im Gazastreifen einen neuen, womöglich auf eine Woche befristeten Waffenstillstand zu vereinbaren, um die Freilassung weiterer Gefangener zu erreichen. Der Hamas-Vertreter Ghazi Hamad sagte gegenüber Al Jazeera, dass die “Priorität” der Gruppe bei den laufenden Verhandlungen die Beendigung des Krieges sei, eine Pause der Kämpfe aber nicht im Interesse der Hamas und der Palästinenser liege. Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, erklärte auf X, dass “dies nicht die Zeit” für einen Waffenstillstand im Gazastreifen sei, sondern vielmehr für militärische “Entschlossenheit”.

– Zypern plant einen Hilfkorridor nach Gaza: In den kommenden Tagen sollen Hilfslieferungen per Schiff von Zypern aus für die Bevölkerung im Gazastreifen aufgenommen werden. Das erklärten die Außenminister Israels und Zyperns, Eli Cohen und Constantinos Kombos, nach einem Treffen in Larnaka. “In den nächsten zwei Tagen werden alle Einzelheiten geklärt sein”, sagte Cohen laut zyprischem Rundfunk (RIK). Im Anschluss an das Treffen wurde mit einer umfangreichen Inspektion des Hafens von Larnaka begonnen, an der auch israelische Sicherheitsexperten teilnahmen.

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