Familie während Notruf erschossen, Krankenwagen verschollen

Familie während Notruf erschossen, Krankenwagen verschollen

 Bild: Die sechsjährige Hind [via Al Araby Al Jadeed]

Die Besatzung eines Krankenwagens des Palästinensischen Roten Halbmonds wird seit über 18 Stunden vermisst, nachdem sie versucht hatte, ein sechsjähriges Mädchen zu retten, das in Gaza-Stadt unter dem Sperrfeuer der israelischen Luftangriffe festsaß. Das aufgezeichnete Telefonat mit dem Rettungsdienst hält den Moment fest, in dem die Familie erschossen wird.

Der Palästinensische Rote Halbmond (PRCS) hat den Kontakt zu einer seiner Rettungsmannschaften verloren, die am späten Montagabend in Gaza-Stadt versuchten, ein sechsjähriges palästinensisches Mädchen zu retten, das in einem von der israelischen Armee beschossenen Auto eingeschlossen war.

Der PRCS erhielt einen Anruf der 15-jährigen Layan Hamadeh, die um Hilfe bat, nachdem das Fahrzeug, in dem sie und ihre Familie, darunter auch ihre sechsjährige Schwester Hind, saßen, beim Versuch, aus der belagerten Stadt zu fliehen, unter israelischen Beschuss geraten war.

In dem Anruf, der aufgezeichnet wurde, erzählte Layan dem Roten Halbmond, dass ihr Auto von israelischen Panzern und Truppen umzingelt ist. Wenige Sekunden später ist heftiges Geschützfeuer zu hören, woraufhin das Mädchen nicht mehr antwortet.

Der Moment, in dem israelischen Soldat:innen ein 15-jähriges Mädchen & ihre Familie in Gaza töten. Sie telefonierte gerade mit dem Palästinensischen Roten Halbmond und bat um Rettung.

Nach Angaben des PRCS wurde Layan erschossen, als sie mit ihrem Rettungsteam telefonierte, während Hind im Fahrzeug eingeklemmt war. Eine Krankenwagenbesatzung wurde losgeschickt, um sie zu retten, war aber nicht zurückgekehrt, so der PRCS, und hatte auch nach über 18 Stunden immer noch keinen Kontakt zu den Sanitäter:innen.

„Wir sind sehr besorgt über ihr Schicksal und wissen nicht, ob es ihnen gelungen ist, sie zu evakuieren oder nicht“, so der PRCS.

Der Angriff ereignete sich laut Reportern des Nachrichtenmagazins „The New Arab“ in der Nähe der Islamischen Universität von Gaza, ein Gebiet, das seit Beginn des Krieges unter unerbittlichem israelischem Beschuss steht. Gebäudetrümmer blockieren nun den Weg in und aus dem Gebiet, was es für Krankenwagen schwierig macht, die Verletzten zu erreichen.

Hind war bei der Familie ihres Onkels Bashar Hamadeh, als das Fahrzeug beschossen wurde, berichtete so „The New Arab“. Alle Mitglieder ihrer Familie, darunter vier Kinder wurden dabei getötet. Hind überlebte Berichten zufolge als Einzige den Angriff und wartete auf das Rettungsteam, das sie evakuieren sollte.

Seit Beginn des Angriffs auf den Gazastreifen am 7. Oktober hat Israel gezielt Krankenwagen, deren Besatzungen, Sanitäter:innen und 36 Krankenhäuser angegriffen. Nach fast vier Monaten intensiver israelischer Angriffe sind die meisten Krankenhäuser in Gaza aufgrund von Bombardierungen und Versorgungsengpässen bereits nicht mehr funktionsfähig. Mehr als 1.100 Angehörige des medizinischen Personals im Gazastreifen wurden durch israelischen Angriffe getötet oder verwundet, bei denen auch mindestens 26.700 Palästinenser:innen – meist Frauen und Kinder – ums Leben kamen. Die tatsächlichen Opferzahlen dürften noch deutlich höher liegen, da bisher Tausende unter Trümmern vermisst werden.

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