Klage beim Internationalen Strafgerichtshof wegen Journalistenmord eingereicht

Der Fall der Ermordung der berühmten Journalistin Shireen Abu Akleh durch israelische Scharfschützen liegt seit heute beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Al Jazeera, der Nachrichtensender für den Abu Akleh 22 Jahre lang gearbeitet hat, hat Klage eingereicht, der ICC muss noch über die Annahme entscheiden.

Der israelische Knessetabgeordnete Itamar Ben Gvir, der demnächst ein Ministeramt bekleiden wird, forderte die Ausweisung von Al Jazeera aus Israel, nachdem der Sender bekannt gegeben hatte, dass er beim Internationalen Strafgerichtshof einen formellen Antrag auf Untersuchung der Ermordung von Shireen Abu Akleh gestellt hat.

Der israelische Premierminister Yair Lapid stellte umgehend klar, dass, wenn es nach ihm ginge, niemand israelische Soldaten zu einer Befragung wegen Abu Akleh vorladen werde, Stunden nachdem Al Jazeera heute beim ICC Klage eingereicht hatte.

Shireen Abu Akleh (Screenshot)

Israelische Soldaten erschossen am 11. Mai die palästinensische-US-amerikanische Journalistin Shireen Abu Akleh, während sie einen Nachrichtenbeitrag drehen wollte. Sie war mit ihrer Presseweste eindeutig als Journalistin erkennbar. Der israelische Scharfschütze zielte genau auf die einzige Stelle, die ihr Pressehelm nicht schützte: Hinter das Ohr.

Der palästinensischer Journalist Ali Samoudi, der neben Abu Akleh stand, wurde ebenfalls von einer scharfen Kugel in den Rücken getroffen. Laut seiner Aussage wurde die Gruppe gezielt ins Visier genommen.

Die schwer verletzte Shireen wurde von palästinensischen Zivilisten evakuiert & ins Krankenhaus gebracht. Videos zeigen, wie diese minutenlang versuchen, die schwer verwundete Reporterin zu evakuieren, während Scharfschützen immer wieder in die Richtung der Verwundeten & der ihr zu Hilfe eilenden Menschen schießen. Auch zu sehen ist, wie die Journalistin Shatha Hanaysheh vollkommen unter Schock stehend neben ihrer Kollegin Abu Akleh am Boden kauert. Auch sie wurde von palästinensischen Zivilisten unter Lebensgefahr evakuiert & in Sicherheit gebracht.

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Damit nicht genug: Die Besatzer griffen später den Trauerzug während ihrer Beerdigung an, schlugen auf die Sargträger ein & warfen Tränengas auf die Trauernden & Abschiednehmenden, weswegen der Sarg fast zu Boden stürzte. Shireen wurde sowohl im Leben als auch in ihrem Tod von israelischen Besatzer:innen angegriffen. Die Weltöffentlichkeit sowie Presseverbände & Menschenrechtsorganisationen zeigten sich erneut entsetzt.

Israel wies wochenlang jede Schuld an Abu Aklehs Tod von sich & bezichtige stattdessen palästinensische Kämpfer. Dem Widersprachen nicht nur die Augenzeugen vehement. Mehrere Organisationen & Nachrichtenagenturen führten ausführliche Untersuchungen durch & kamen alle zu dem Schluss, dass der tödliche Schuss von einem israelischen Scharfschützen kam.

So bspw. CNN: “Unsere Untersuchung & die gesammelten Beweise deuten darauf hin, dass Shireen Abu Aqleh von den israelischen Streitkräften ins Visier genommen wurde […] Die Analyse der Schusseinschläge in dem Baum, in dem Shireen Schutz suchte, deutet darauf hin, dass sie absichtlich ermordet wurde.

Auch Associated Press (AP) bestätigte zuvor, dass die tödlichen Schüsse auf die langjährige, bekannte palästinensische Journalistin von Seiten des israelischen Militärs abgefeuert wurden. Der von der Palästinensischen Autonomiebehörde veröffentlichte forensische Bericht zeigt ebenfalls, dass die Besatzungstruppen für den Tod Abu Aklehs verantwortlich sind.

Shireen Abu Akleh war nicht nur hoch angesehen, sondern galt als eine journalistische Institution. Seit dem Beginn der Zweiten Intifada vor 22 Jahren arbeitete sie für Al Jazeera. Sie gilt als die bekannteste Journalistin Palästinas.

Seit 2018 sind insgesamt mindestens 144 palästinensische Journalisten von israelischen Sicherheitskräften in den besetzten Gebieten verwundet und zwei getötet worden, berichtet Reporter ohne Grenzen. Abu Akleh ist das dritte Opfer.

Über 45 palästinensische Journalisten sind seit dem Jahr 2000 von israelischen Streitkräften erschossen worden, so das palästinensische Informationsministerium.

Der jetzt veröffentlichte Dokumentarfilm “The Killing of Shireen Abu Akleh” für die Sendung “Fault Lines” von Al Jazeera-Reporter Sharif Abdel Kouddous ist daher nicht nur ein Film über den Tötungsvorgang selbst, sondern auch einer über die israelische Vertuschungs-PR danach.

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