Israel eskaliert die Gewalt weiter, 9 Kinder durch Luftschlag getötet

Armee stürmt erneut Al Aqsa-Moschee & attackiert Gläubige, über 305 verletzte Palästinenser*innen in Ostjerusalem, Zehntausende rechtsradikale Siedler marschieren durch Jerusalems Altstadt, 20 Palästinenser*innen (einschließlich 9 Kinder) im Gazastreifen durch israelischen Luftschlag getötet, Brand in Al Aqsa-Moschee am Abend, Massenproteste im gesamten historischen Paästina, Raketen aus Gaza, UN verurteilt israelische Repressionen

Der angespannte Morgen in Al Aqsa

Während der Nacht & frühen Morgenstunden sammelten sich Zehntausende Palästinenser*innen in der Al Aqsa-Moschee, um sich auf einen weiteren* möglichen Angriff durch israelische Soldat*innen sowie einen Einmarsch Tausender rechtsradikaler Siedler*innen vorzubereiten, die jährlich am 10./11. Mai anlässlich des “Jerusalem Tag”s durch die Altstadt marschieren. (*zu den Angriffen am Fr/Sa siehe:
https://occupiednews.com/israelische-streitkrafte-attackieren-brutal-tausende-betende-in-al-aqsa-moschee-samstag-08-05-202/ )

Der Angriff erfolgte auch prompt am Morgen: Die Besatzungsarmee stürmte erneut die Al Aqsa-Moschee & attackierte Palästinenser*innen:

Zahlreiche Palästinenser*innen stellten sich den schwer bewaffneten Angreifern mit Steinen entgegen. Stundenlang griffen Soldat*innen ohne Unterlass Palästinenser*innen an, stundenlang versuchten Palästinenser*innen den Angriff mit Steinen abzuwehren.

Weitere Provokation zur gleichen Zeit in der Altstadt

Am frühen Vormittag erschienen die israelischen rechtsextremistischen Knessetmitglieder Itamar Ben-Gvir (Jewish Power Party) & Bezalel Smotrich (Religious Zionism Party) zusammen mit illegalen israelischen Siedler*innen einen provokativen Besuch im von Zwangsvertreibung betroffenem Viertel Sheikh Jarrah durchgeführt. Dessen pal. Bewohner*innen sollen im Mai & August diesen Jahres ihre Häuser zu Gunsten illegaler israelischer Siedler räumen. Täglich attackieren derzeit israelische Militärpolizei & Siedler die pal. Einwohner*innen Sheikh Jarrahs sowie palästinensische, jüdische & internationale Solidaritätsaktivist*innen. Sowohl in den besetzten Gebieten als auch in Israel protestieren Palästinenser*innen seit Tagen gegen die geplante Vertreibung (mehr Infos hierzu: https://occupiednews.com/sheik-hjarrah-ethnische-saeuberung-jerusalem/ ).

Außer Sheikh Jarrah erschienen die rechtsradikalen Knessetmitglieder an mehreren Brennpunkten in der Altstadt und im Ostteil Jerusalems. Itamar Ben-Gvir von der kahanistischen Jewish Power-Partei hatte ein vorübergehendes Büro in Sheikh Jarrah eingerichtet & damit die Spannungen geschürt. Er verließ es am nächsten Tag mit der Begründung, er habe dies getan, nachdem Benjamin Netanjahu im Gegenzug zugestimmt hatte, eine starke Polizeipräsenz in dem palästinensischen Viertel bis zum Ende des Ramadan in dieser Woche aufrechtzuerhalten.

Mittlerweile Hunderte Verletzte in Al Asqa durch Besatzungskräfte

Währenddessen hielten die Auseinandersetzungen im Al Aqsa-Komplex weiter an. Laut Rotem Halbmond beträgt am Ende die Zahl der durch die israelische Armee Verletzten in der Al-Aqsa-Moschee 305, darunter sind 7 in sehr kritischem Zustand. Weiterhin sagte er, dass die meisten Verletzungen das Gesicht & die Augen betrafen, die die Besatzungstruppen mit gummibeschichteten Metallgeschossen & Blendgranaten auf die Menschen abfeuerten. Die israelischen Streitkräfte behinderten Rettungswagen & griffen auch Rettungskräfte des Roten Halbmonds & Krankenwagen an, als sie versuchten, Verletzte im besetzten Jerusalem zu evakuieren: sie wurden mit gummibeschichteten Metallgeschossen beschossen — aufgrund ihres enorm hohen Verletzungspotentials, auch für Schädelfrakturen, ist deren Einsatz in Israel verboten, nicht jedoch in den besetzten Gebieten gegen Palästinenser*innen. Auch Siedler attackierten mit Steinen die palästinensischen Rettungskräfte.

Die Krankenstation im Al Aqsa-Komplex wurde von israelischen Soldat*innen abgeriegelt & konnte daher nicht zur Behandlung Verletzter genutzt werden. Als die Armee den gesamten Komplex endgültig abgeriegelte, konnten Verletzte zeitweise nicht mehr evakuiert werden. Über die Lautsprecher der Minarette wurde daraufhin um Hilfe für die Verwundeten gebeten.

Mehrere Gläubige wurden wie schon am Freitag im Qibali-Gebetsraum der Al-Aqsa-Moschee von den israelischen Streitkräften eingesperrt & anschließend drinnen mit Tränengaskanistern angeriffen.

Erfolge

In der Innenstadt rissen Palästinenser*innen mehrere Militärcheckpoints, welche seit Jahrzehnten die Bewegungsfreiheit von auschließlich palästinensischen Jerusalemern einschränken, ein.

Die israelischen Streitkräfte zogen sich nach mehreren Stunden schließlich aus der Al-Aqsa-Moschee zurück. Der Plan, die Gläubigen aus der Moschee zu entfernen, um heute zahlreichen Siedlern anlässlich des “Jerusalem Tag”s einen Marsch durch einen von Palästinenser*innen befreiten Komplex zu ermöglichen, scheiterte.

Alljährlicher rechtsradikaler Aufmarsch

Zig Tausende Israelis & rechtsradikale Siedler zelebrierten heute den “Jerusalem Tag”, an dem die Einnahme Ostjerusalems im israelischen Angriffskrieg von 1967 gefeiert wird. Zu diesem Tag marschieren jährlich Tausende Rechtsradikaler durch die Altstadt Jerusalems. Die israelische Polizei hatte erklärt, sie werde den Massenaufmarsch von Siedler*innen zulassen, die die Besetzung Jerusalems feiern. Der Marsch sollte durch das Bab Al Amoud & das muslimische Viertel auf dem Weg zur Al Buraq/Klagemauer-Mauer führen. Ein Palästinenser wurde von einem Siedler mit dem Auto überfahren, was von den meisten Palästinenser*innen & Medien als ein gezielter Anschlag gewertet wurde. Sogenannte Car-Ramming attacks kommen in der Tat öfter vor.

https://twitter.com/i/status/1391657311974866947

Diese Fotos entstanden heute nach dem Angriff der Besatzungsarmee in der Al Aqsa-Moschee. Aktuell haben die Aufräumarbeiten durch Gläubige begonnen.

Der Marsch der rechtsradikalen Siedler*innen wurden durch Warn-Sirenen unterbrochen, als militante Widerstandsgruppen Raketen aus Gaza abfeuerten. Die Sirenen ertönten in Jerusalem & mehrere Explosionen waren zu hören, Minuten nach dem ein Ultimatum der Widerstandsgruppen des Gazastreifens an die israelische Besatzung, ihre Truppen vom Gelände der Al Aqsa-Moschee & aus Sheikh Jarrah abzuziehen, abgelaufen war. Mindestens ein israelischer Militärjeep wurde dabei getroffen. Weitere Raketen wurden am späteren Abend abgefeuert. Währenddessen halten die palästinensischen Massenproteste gegen die Besatzung & ihre Gewalt weiter an — sowohl in den besetzten Gebieten als auch in Israel.

Massaker in Gaza

20 Palästinenser*innen, darunter 9 Kinder, sind heute Abend bei einem israelischen Luftangriff auf Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen getötet worden. Weitere wurden verletzt & in das Krankenhaus von Beit Hanoun evakuiert. Zuvor hatten palästinensische Widerstandsgruppen als Antwort auf die isr. Gewalt in Jerusalem Raketen gen Israel abgefeuert.

Zwei der heute Abend getöteten Kinder im Gazastreifen. Beit Hanoun, 10.05.2021

Mittlerweile ist ein Feuer, verursacht durch Besatzungskräfte, in der Al Aqsa-Moschee ausgebrochen.

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