Hungern für den Sohn

Solidarische Hungerstreikaktion erfolgreich beendet, Palästinensischer Protest verhindert erfolgreich Bau einer Siedlerstraße, erneut Hauszerstörungen im Jerusalemer Silwan-Viertel, Armee zerstört hundert Dattelpalmen & Bewässerungsysteme im Jordantal, ehemaliger Knessetabgeordneter feiert Beirut-Explosion als “Gottesgeschenk”

Hungerstreik: Der seit 2002 inhaftierte Khalil Abu Aram (54) hat heute erfolgreich seinen Hungerstreik für ein Besuchsrecht seines Sohnes nach 5 Tagen beendet. Er musste hungern, um endlich seinen Sohn, welcher seit letzten September in Administrativhaft ist, sehen zu dürfen. Der Mitgefangene Muhannad Al Azzah hatte gestern aus Solidarität mit Abu Aram einen Hungerstreik gestartet, weitere Gefangene hatten geplant, sich ebenfalls daran zu beteiligen. Darauf reagierte endlich die Besatzung.
Der pal. Gefangenen Maher Al Akhras (50) setzt seinen Hungerstreik fort. Er hungert seit 10 Tagen aus Protest gegen seine seit Juli andauernde Administrativhaft im Ofer-Gefängnis (beliebig lange Willkürhaft ohne Nennung von Gründen & ohne Anklage, s. Infografik).

Infografik Administrativehaft
Infograpfic Administrativehaft (Visualizing Palestine CC BY-NC-ND 4.0)

Erfolgreicher Protest: Palästinensische Demonstrant*innen nahe Dura zwangen gestern erfolgreich einen israelischen Bulldozer zum Baustopp. Er diente dem Bau einer Straße für illegale Siedler*innen, die ausschließlich Israelis, nicht aber Palästinenser*innen nutzen dürfen.

Hauszerstörungen: Die Besatzung zerstörte gestern 2 pal. Wohnhäuser der Familie Al Qaq & einen Friseurladen im Jerusalemer Stadtteil Silwan. Der Palästinenser Iyad Abu Sobeih verbrachte die letzte Nacht bei den Trümmern seines Hauses in Silwan, das er diese Woche selbst abreißen musste. Unter dem Vorwand fehlender Baugenehmigungen zerstört die Besatzung seit Jahrzehnten systematisch pal. Wohnhäuser, verweigert die Erteilung von Baugenehmigungen an Palästinenser*innen & investiert ausschließlich in Infrastruktur für (jüdische) Israelis, nicht jedoch für die besetzten Palästinenser*innen, die vertrieben werden sollen.

Zerstörung der Kulturlandschaft: Die Besatzung hat im Jordantal hunderte Dattelpalmen sowie landwirtschaftliche Teiche/Wasserspeicher zerstört. Besonders in der letzten Zeit mehreren sich in dieser Gegend israelische Akte, die darauf abzielen, einheimische Palästinenser*innen zu vertreiben & illegalen Siedlungen zu erweitern, darunter Sprengungen, Verhaftungen, Entwurzelung von Bäumen & Übergriffe auf Hirten.

Israelische Reaktionen auf Unglück in Beirut: Der ehemalige israelische Parlamentarier Moshe Feiglin begrüßte die verheerende Explosion in Beirut freudig als ein “Geschenk Gottes” rechtzeitig zum jüdischen Fest Tu B’Av (Fest der Liebe). Feiglin drückte auf Facebook seine Begeisterung über die “spektakuläre Pyrotechnik-Show” wie folgt aus “… ein aufrichtiger, unermesslicher Dank an Gott und all die Genies und Helden, die wirklich (!) diese wunderbare Feier zu Ehren des heutigen Liebestages für uns organisiert haben …”. Das Rathaus von Tel-Aviv wurde in den Farben der libanesischen Flagge illuminiert, was heftigen Protest unter Palästinenser*innen & Libanes*innen auslöste. Nicht zuletzt ist Israel u.a. für mindestens 24 Attentate in Beirut verantwortlich, im Rahmen derer Hunderttausende Menschen umkamen. Stimmen hierzu finden sich in diesem Artikel:

https://www.972mag.com/beirut-explosion-tel-aviv-flag/

Das kann Sie auch interessieren:

Entführt ohne Anklage – Verstümmelt entlassen

Ausführlicher Bericht zur Lage der Gefangenen in den Kerkern der Besatzung anlässlich des Tages der palästinensischen Gefangenen.