Demo für Gefangene in Gaza
Demo für Gefangene in Gaza

Schicksal der Gefangenen spielt bei Rafah-Invasion keine Rolle

(Bild: Wikimedia)

Obwohl US-Präsident Joe Biden kürzlich damit gedroht hat, Waffenlieferungen an Israel im Falle einer „Großoffensive“ in Rafah einzuschränken, berichten palästinensische Quellen, dass die Offensive keine theoretische Möglichkeit mehr ist, sondern in vollem Gange. International wird die Invasion, die Hunderttausende Zivilisten das Leben kosten kann, selbst nach sieben Monaten ohne jeden Erfolg oft als Rettungsaktion für die in Gaza gefangenen Israelis dargestellt.

Doch diese Darstellung scheitert an der Realität: Trotz der Erklärung der Hamas vom vergangenen Montag, das ägyptisch-katarische Angebot für einen Waffenstillstand anzunehmen, lehnte Israel dieses Angebot ab. Dafür fand Netanjahu deutliche Worte: Die Offensive in Rafah werde so oder so stattfinden, unabhängig vom Abkommen, berichtet die Times of Israel. „Wir werden in Rafah einmarschieren und dort die Hamas-Bataillone eliminieren – ob es ein Abkommen gibt oder nicht – um den totalen Sieg zu erringen“, sagte er gegenüber Organisationen, die Familien von getöteten Soldaten sowie Gefangene in Gaza vertreten. Laut Netanyahus Büro haben diese Organisationen Netanyahu aufgefordert, den Krieg trotz des internationalen Drucks nicht zu beenden.

Angehörigen der Gefangenen geben Netanyahu Schuld

Doch einige Angehörigen der Gefangenen sind anderer Meinung. So kam es am Mittwoch zu „gewalttätigen Auseinandersetzungen“ zwischen Polizei und Angehörigen der Gefangenen, berichtet das Portal „YNET“. Bei einer Demonstration für die „Freilassung der Geiseln“ in Tel Aviv mussten einige Angehörige der Gefangenen ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem sie den Berichten nach von der Polizei geschubst und gewürgt worden seien. Einige Demonstranten hielten Plakate mit der Aufschrift „Nein zu Rafah, Ja zu den Geiseln“ hoch, während andere Plakate mit Aufschriften wie „Rafah kann warten“ mehr Toleranz und Kompromissbereitschaft gegenüber dem von ihrem Staat verübten Völkermord zeigten.

Einige Familien machen Netanyahu für die Situation der Gefangenen verantwortlich. In einem Interview mit dem Radiosender 103FM sagte Ayala Metzger, Schwiegertochter des Gefangenen Yoram Metzger: „Ein Abkommen steht bereit, die Streitpunkte sind minimal… Netanjahu tut alles, um es zu sabotieren. Ich höre das von Quellen (aus dem Verhandlungsteam). Ein professionelles Verhandlungsteam versucht zu arbeiten und er (Netanyahu) sabotiert es“.

Bei einer früheren Demonstration am Montag, dem lokalen Holocaust-Gedenktag, blockierten Familienangehörige und Demonstranten die Ayalon-Autobahn in Tel Aviv, hielten „Nie wieder“-Schilder hoch und forderten eine Einigung. Einav Zehngauker, dessen Sohn Matan in Gaza gefangen gehalten wird, sagte: „Die Hamas hat das Abkommen akzeptiert… jetzt muss die Regierung die Geisel zurückbringen, sonst werden wir den Staat niederbrennen.“ Ähnlich äußerte sich auch Reuma Kedem, deren Angehörigen am 7.10 getötet wurden.

Bisher bleibt es bei Worten

Obwohl die Offensive in Rafah bereits im Gange zu sein scheint, ist es bisher zu keiner weiteren Eskalation seitens der Angehörigen der Gefangenen oder anderer Demonstranten gekommen. Während im Süden immer wieder Lastwagen mit Hilfsgütern für Gaza von Pro-Kriegs-Demonstranten erfolgreich blockiert werden, begnügen sich die Pro-Abkommen-Demonstranten mit kleineren Aktionen. So oder so scheinen die – bisher leeren – Drohungen sowohl der Biden-Administration als auch einiger Organisationen innerhalb der israelischen Gesellschaft die Entscheidung der Regierung, die Offensive „bis zum totalen Sieg“ fortzusetzen, nicht zu beeinflussen.

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