Freude zeigen verboten — Daily Update

Freude zeigen verboten

Obwohl die ersten beiden Tage der Feuerpause Hoffnung und die dringend benötigte Ruhe brachten, waren sie voll von Bildern der Zerstörung, der Bergung von Leichen aus den Trümmern und der langen Wartezeiten, um Gas oder grundlegende Versorgungsgüter zu bekommen.

Gaza

  • Eine zwischen Israel und der Hamas vereinbarte humanitäre Pause trat am 24. November um 7:00 Uhr in Kraft, und bis 22:00 Uhr wurden keine größeren Zwischenfälle registriert. Der Nothilfekoordinator Martin Griffiths äußerte die Hoffnung, dass „auf diesen ersten Tag der humanitären Pause viele weitere folgen und dass er zu einem längerfristigen humanitären Waffenstillstand führt — zum Wohle der Menschen in Gaza, Israel und darüber hinaus.
  • Ägypten sagte laut Aljazeera heute, es habe von allen Seiten positive Signale bezüglich einer möglichen Verlängerung des viertägigen Waffenstillstands um ein oder zwei Tage erhalten.
  • Es wird erwartet, dass heute zwischen 39 und 42 Palästinenser, die in israelischen Gefängnissen festgehalten werden, freigelassen werden. Außerdem sollen heute vierzehn weitere in Gaza festgehaltene Gefangene dem Roten Kreuz in Israel übergeben werden. Der genaue Zeitpunkt der Freilassungen ist noch nicht klar.
  • Die Hamas hat beschlossen [17:15 Uhr] , die Freilassung der israelischen Gefangenen zu verzögern, weil “Israel seinen Teil der Vereinbarung nicht erfüllt hat”. Israel hatte zuvor erklärt, die Verzögerung sei technisch bedingt und nicht wesentlich. Es gibt Berichte über Meinungsverschiedenheiten über die Listen und Namen von Palästinensern, die freigelassen werden sollen.
  • Hilfslieferungen sind in den Gazastreifen gelangt (um 200 LKWs pro Tag) und ein Teil davon hat den Norden erreicht. Die Lage für die 2 Millionen Menschen, die nach UN-Angaben Nahrungsmittelhilfe benötigen, ist nach wie vor katastrophal.
  • 39 Palästinenser und 13 Israelis wurden gestern nach ihrer Freilassung aus israelischen Gefängnissen bzw. nach ihrer Gefangenschaft in Gaza zu Hause willkommen geheißen. Zehn Thailänder und ein Filipino wurden ebenfalls aus Gaza befreit und werden bald nach Hause reisen. Einige palästinensische Gefangenen benötigten medizinische Hilfe, weil Israel während der Gefangenschaft die medizinische Versorgung vernachlässigte, darunter auch Nehaya Sawan, eine Krebspatientin.
  • Israel verbot den Palästinensern, die Befreiung der Gefangenen zu feiern. Sie feuerten Tränengas auf die Menschenmengen am Ofer-Kontrollpunkt. Die israelischen Behörden drohten außerdem damit, die Freigelassenen wieder festzunehmen, falls Feierlichkeiten stattfinden oder palästinensische Flaggen geschwenkt würden. Einem Vater wurde gedroht, nach der Freilassung seiner Tochter „keine Anzeichen von Freude zu zeigen“.
  • Es wird geschätzt, dass mehrere tausend Palästinenser am 24. November versuchten, aus dem Gebiet südlich von Wadi Gaza (im Folgenden: Süden) nach Norden zu ziehen. Das israelische Militär hatte zuvor gewarnt, dass die Rückkehr in den Norden verboten sei. Bei mehreren gemeldeten Vorfällen am Vormittag und Nachmittag eröffneten israelische Streitkräfte das Feuer und warfen Tränengaskanister auf Menschen, die sich auf dem Weg nach Norden befanden; Berichten zufolge wurde mindestens eine Person getötet und Dutzende verletzt.
  • Am 24. November evakuierten der Palästinensische Rote Halbmond (PRCS) und ein UN-Team mindestens 21 Patienten und Verwundete sowie 19 ihrer Begleiter aus dem Al Ahli Baptist Hospital in Gaza-Stadt (im Norden) in ein Krankenhaus in Khan Younis (im Süden). Trotz des Mangels an Strom, Vorräten und Nahrungsmitteln nahm Al Ahli die Aufnahme von Patienten und die Bereitstellung eingeschränkter medizinischer Dienste wieder auf, nachdem es mehrere Tage lang nicht erreichbar war.
  • Ebenfalls am 24. November gelang es einem UN-Konvoi, zwei UNRWA-Einrichtungen zur Unterbringung von Binnenvertriebenen im Norden zu erreichen, wo er Mehl lieferte und eine erste Bewertung durchführte. Dies ist die erste Hilfslieferung an eine Notunterkunft im Norden seit über einem Monat.

Westbank

  • In den letzten 24 Stunden töteten israelische Streitkräfte bei zwei Such- und Festnahmeaktionen im Flüchtlingslager Aqbat Jaber (Jericho) und im Dorf Beita (Nablus) zwei Palästinenser, darunter ein 14-jähriges Kind. Der andere ist ein junger Arzt, 25 Jahre alt.
  • 221 Palästinenser wurden seit dem 7. Oktober von israelischen Streitkräften und Siedlern im Westjordanland getötet, darunter 56 Kinder.
  • Es ist berichtenswert, dass Israel 17 Palästineser im Westjordanland festgenommen hat in derselben Nacht, in der sie die vereinbarten 39 freigelassen haben. Die Zahl der Palästinenser, die seit dem 07.10. im Westjordanland verhaftet wurden, beträgt über 3000 neue Gefangene.

International

  • Der spanische Premierminister Pedro Sanchez prangerte am Freitag an, dass “die wahllose Tötung unschuldiger Zivilisten, darunter Tausende von Jungen und Mädchen, völlig inakzeptabel ist”, und forderte einen dauerhaften humanitären Waffenstillstand im Gazastreifen, “um die katastrophale Situation, die die Menschen im Gazastreifen durchmachen, zu ändern”.
  • Der belgische Premierminister Alexander De Croo sagte, die israelische Operation müsse das humanitäre Völkerrecht respektieren und verurteilte die Zerstörung im Gazastreifen als “inakzeptabel”.

Das kann Sie auch interessieren:

Palästinakongress

Wir klagen an! – Palästinakongress gegen Deutschland

Politische Organisationen und Aktivisten der Palästina-Solidarität veranstalten am 12. und 14. April in Berlin einen großen "Palästinakongress".