Tagesbericht: Freitag, 19.06.2020

Angst vor Molotowcoktails“: Pal. Foto-Ausstellung in Jena nach Drohungen vorzeitig beendet, Soldat zu 45 Tagen gemeinnütziger Arbeit für Mord an Palästinenser verurteilt, Oberster Gerichtshof Israels vertreibt palästinensische Familie aus besetztem Jerusalem, Proteste im Westjordanland gegen Besatzung & Annexion

Zensur: In Jena wurde die Fotoausstellung „The Wall — Bilder aus Palästina“ im Cafe Immergrün nach nur wenigen Tagen beendet. Die studentische Gruppe „Die Falken“ störte sich an den Fotografien, welche die völkerrechtswidrige Trennmauer Israels im besetzten Westjordanland zeigen, deklarierten sie sowie die Fotografin Mindermann ohne sachliche Begründung als antisemitisch & setzten das Cafe mit Drohemails unter Druck. Aus „Angst vor Molotowcoktails“ beendete das Cafe mit Bedauern die Ausstellung. Stimmen — besonders von Personen mit arabisch klingenden Namen — die sich kritisch zum Statement der Gruppe äußerten, wurden auf Facebook mit Beschimpfungen wie „Ottofresse“ beantwortet. Es ist nicht nur fraglich, ob diese Gruppierung im Kampf gegen Rassismus wie Antisemitismus ernst genommen werden kann, sondern es stellt sich auch die Frage, wie es um die Kunst- und Informationsfreiheit in Thüringen/Deutschland bestellt ist. Für den 29.06. ist eine Veranstaltung mit der Fotografin im Cafe zu genau dieser Frage geplant. Fotos der Fotografin unter [1]

Gerichtsurteil: Ein israelischer Soldat, der 2018 den palästinensischen Fischer Nawaf Al Attar (23) nahe des Gaza-Grenzzaunes tötete, wurde gestern zu 45 Tagen gemeinnütziger Arbeit verurteilt, nachdem eine Untersuchung der Armee ergab, dass er ohne Genehmigung schoss. Das Militär sagte, eine Gruppe von Palästinensern habe sich dem Zaun genähert, sei aber weit weg gewesen, als der Fallschirmjäger das Feuer eröffnete und einen von ihnen tödlich traf. 99% der israelischen Soldaten, die palästinensische Zivilisten töten oder verletzen, werden überhaupt nicht angeklagt.

Vertreibung: Der Oberste Gerichtshof Israels gibt der palästinensischen Familie Za’atra bis Sonntag Zeit, ihr Haus in Jabal Al Mukaber im besetzten Ostjerusalem eigenhändig zu zerstören, ansonsten wird es von israelischen Bulldozer abgerissen & eine Geldstrafe von umgerechnet 26 000€ ausgestellt. Regelmäßig werden Palästinenser in den besetzten Gebieten mit dem Mittel der Hauszerstörung wegen angeblich fehlender Baugenehmigungen von der Besatzung in die Obdachlosigkeit getrieben.

Proteste im Westjordanland: Mindestens 10 Palästinenser wurden heute bei dem wöchentlichen Protest gegen die Besatzung im Dorf Kafr Qaddum von israelischen Besatzungstruppen verletzt. Demonstranten der Ortschaft Susya nahe Hebron protestierten gegen Israels Annexionspläne. Nahe der Stadt Jericho wurde gegen angedrohte Landenteignungen durch israelische Besatzungsbehörden protestiert.

[1] http://www.um-photo.art/palestine/

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