Freispruch & Beförderung für Tötung eines Autisten

Freispruch & Beförderung für Tötung eines Autisten

Die Mutter von Iyad Al Hallaq nach dem Urteil: “Ihr seid alle Terroristen & mein Sohn liegt unter der Erde”. Israels Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir feierte das Urteil.

Der palästinensische Autist Iyad Al Hallaq (32) war auf dem Weg zu seiner Sonderschule für Menschen mit Behinderungen in der Altstadt des besetzten Jerusalem von israelischen Polizisten verfolgt & erschossen worden. Seine Betreuerin schrie immer wieder den Polizisten zu “er ist behindert, er ist behindert!”. In panischer Angst vor den Polizeibeamten versteckte er sich hinter Mülltonnen. Als er vollkommen verängstigt & zusammengekauert (& unbewaffnet!) dort am Boden liegt, schießt ein Polizist aus kurzer Distanz mehrmals in seine Brust. Eine regelrechte Hinrichtung.

Kurz nach Halaqs Ermordung stürmten israelische Soldat:innen sein Elternhaus, schlugen seine Schwester & verhafteten kurzzeitig den Vater. Die Beerdigung Halaqs wurde nur unter der Auflage erlaubt, dass er nachts & nur im Kreis weniger Angehöriger beerdigt wird. Später versuchte die Polizei das Material der Überwachungskameras zu zerstören & stellte die Ermittlungen zwischenzeitlich einfach ein. Es gab mindestens 10 am Tatort, die das geschehene belegten. Bisher wurde nur ein Video veröffentlicht.

Das Jerusalemer Bezirksgericht hat am heutigen Donnerstag den verantwortlichen israelischen Polizeibeamten freigesprochen. Damit jedoch nicht genug: Auf den Freispruch folgt eine baldige Beförderung. Er wird zur israelischen Grenzpolizei zurückkehren & in einigen Wochen einen Kommandantenkurs besuchen, so dass er danach Kommandant werden kann.

Das Gericht erklärte, es habe sich um einen “ehrlichen Fehler” & eine Art Selbstverteidigung gehandelt. Während dessen wird der Name des Polizeibeamten der Öffentlichkeit weiterhin vorenthalten. Nach der Verurteilung nannte Iyads Vater gegenüber Journalist:innen das Urteil “eine Schande” & fügte hinzu, dass es eben “ein Justizsystem für Juden & ein anderes für Araber” gebe, während seine Mutter schrie: “Ihr seid alle Terroristen! Mein Sohn ist unter der Erde!”

Iyad Al Hallaq

Der rechtsextreme israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, hingegen begrüßte das Urteil. Ähnlich äußerten sich der Kommandeur der israelischen Grenzpolizei, Amir Cohen, & der Polizeipräsident Kobi Shabtai. Seit Monaten unterstützen sie öffentlich den Mörder Hallaqs. So kam es, dass schon während seines Gerichtsverfahrens der Polizeibeamte zu Anfang des Jahres 2023 zum als Operationsfeldwebel in einem Stützpunkt der israelischen Grenzpolizei im Großraum Tel Aviv befördert wurde. Nach dem skandalösen Freispruch erfolgt nun in Kürze die zweite Beförderung.

Es ist erwähnenswert, dass israelische Polizist:innen & Soldat:innen, die arabische Bürger:innen getötet haben, oft befördert werden. Beispiele hierfür finden zahlreiche, angefangen mit dem Massaker in Kafr Qassem bishin zur Tötung von 13 arabischen Bürger:innen Israels im Oktober 2000.

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