Folter als Volksbelustigung
Israelische Medien veröffentlichten dieses Bild von Männern, darunter auch ältere Menschen, die in Khan Yunis (Gaza)entführt worden wurden. Alle Männer haben verbundenen Augen & Handschellen & sind nummeriert. Via Quds News

Folter als Volksbelustigung

Foto: Israelische Medien veröffentlichten dieses Bild von Männern, darunter auch ältere Menschen, die in Khan Yunis (Gaza)entführt worden wurden. Alle Männer haben verbundenen Augen & Handschellen & sind nummeriert.

„Sie haben israelische Zivilist:innen hergebracht, um ihnen zu zeigen, wie wir nackt gefoltert werden“: Folter an palästinensischen Gefangenen wird zur Unterhaltung für israelische Zuschauer:innen

Dieser Bericht der Menschenrechtsorganisation Euro-Med Human Rights Monitor erschien am 12.02.2024 auf der Website der NGO. Hier veröffentlichen wir unsere deutsche Übersetzung.

Die israelische Armee schleuste Gruppen israelischer Zivilist:innen in Haftanstalten und Gefängnisse ein, in denen palästinensische Gefangene und Häftlinge aus dem Gazastreifen festgehalten wurden, und erlaubte den Zivilist:innen, Zeuge von Folterverbrechen an den Häftlingen zu werden, wobei viele von ihnen diese mit ihren eigenen Handys filmen durften.

Euro-Med Human Rights Monitor erhielt schockierende Aussagen von kürzlich freigelassenen palästinensischen Gefangenen und Häftlingen, in denen sie berichteten, dass die israelische Armee eine Reihe von israelischen Zivilist:innen während ihrer Verhöre einlud, um Zeuge von Folter und unmenschlicher Behandlung zu werden, der sie absichtlich in Anwesenheit der Zivilist:innen ausgesetzt waren.

Die Gefangenen und Häftlinge, die bei Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen festgenommen wurden, wurden unterschiedlich lange in zwei Haftanstalten festgehalten: die einen im Gebiet von Zikim an der Nordgrenze des Gazastreifens und die anderen in einem, das dem Naqab-Gefängnis im Süden Israels angegliedert ist.

Die freigelassenen Gefangenen berichteten Euro-Med Monitor, dass die israelischen Soldat:innen sie gezielt vor israelische Zivilist:innen gestellt hätten, indem sie fälschlicherweise behaupteten, sie seien Kämpfer, die bewaffneten palästinensischen Gruppierungen angehörten und an dem Angriff auf israelische Städte an der Grenze zum Gazastreifen am 7. Oktober beteiligt gewesen seien.

Nach Aussagen von Euro-Med Monitor durften Gruppen von jeweils zehn bis zwanzig israelischen Zivilist:innen palästinensische Gefangene und Häftlinge in ihrer Unterwäsche beobachten und lachend filmen, während israelische Armeesoldat:innen sie körperlich misshandelten, indem sie sie unter anderem mit Metallstöcken schlugen, ihnen Elektroschocks versetzten und heißes Wasser über den Kopf gossen. Die Gefangenen wurden auch verbal misshandelt.

Dies ist das erste Mal, dass Euro-Med Monitor auf diese illegalen Praktiken aufmerksam wurde. Es handelt sich um ein weiteres Verbrechen der israelischen Armee gegen Palästinenser:innen im Gazastreifen, insbesondere gegen Gefangene und Häftlinge, die unter anderem grausamer Folter, Verschleppung, willkürlichen Verhaftungen und der Verweigerung eines fairen Prozesses ausgesetzt sind.

Der Palästinenser Omar Abu Mudallala (43) erzählte dem Euro-Med Monitor Team: „Ich wurde an einem Checkpoint, der in der Nähe des „Kuwait-Kreisverkehrs“, der Gaza-Stadt von der Zentralregion trennt, im Rahmen der israelischen Verhaftungskampagnen festgenommen. Ich wurde etwa 52 Tage lang allen Arten von Folter und Misshandlung ausgesetzt“. Er wies darauf hin, dass israelische Soldat:innen „israelische Zivilist:innen mitbrachten, um zu beobachten, wie wir nackt gefoltert wurden„.

Abu Mudallala fügte hinzu: „Die israelische Armee brachte eine Reihe israelischer Zivilist:innen in unsere Haftzentren, während sie uns schlugen und ihnen sagten: ‚Das sind Hamas-Terroristen, die euch am 7. Oktober getötet und eure Frauen vergewaltigt haben‘, während die israelischen Zivilist:innen filmten, wie wir geschlagen, misshandelt und gefoltert wurden, während sie sich über uns lustig machten.“

„Dies geschah fünf Mal, während ich festgehalten wurde. Das erste Mal war in Barkasat Zikim, wo man uns die Augen verband. Einer der Gefangenen, der Hebräisch spricht, sagte uns, dass die Soldat:innen mit israelischen Zivilist:innen verkehrten und behaupteten, wir seien bewaffnete Kämpfer. Die anderen vier Vorfälle ereigneten sich in der Hafteinrichtung im Neqab (Negev), wo verschiedene israelische Gruppen in Zelte gebracht wurden, um unsere Misshandlungen zu beobachten und die Foltermethoden aufzuzeichnen, denen wir ausgesetzt waren, ohne dass wir mit ihnen sprechen oder interagieren durften. Da wir zu diesem Zeitpunkt keine Augenbinden trugen, habe ich alle vier Male mit eigenen Augen die Zivilist:innen sehen können.

Abu Mudallala sagte, dass „einer der Gefangenen, der Hebräisch spricht, versucht hat, den israelischen Zivilist:innen zu erklären, dass wir Zivilisten sind und nichts mit militärischen Aktivitäten zu tun haben, aber auch das hat nicht geholfen. Dennoch wurde er schwerer psychischer und physischer Folter ausgesetzt. Es war wirklich beschämend, israelische Bürger:innen zu unseren Folterungen zu bringen, um diese zu filmen, weil wir angeblich in Tötungen und Vergewaltigungen verwickelt waren.“

Der zweiundvierzigjährige D.H. sagte gegenüber Euro-Med Monitor: „Israelische Zivilist:innen wurden zu Zeugen der Misshandlungen und Folterungen, denen wir ausgesetzt waren und die die Armee absichtlich begann, wenn sie anwesend waren. Diese Israelis brachten manchmal ihre Hunde mit, die uns anbellten. Sie machten auch Fotos von uns und stellten sie auf Social-Media-Apps, insbesondere „TikTok“, ein, wobei die Soldat:innen selbst das Gleiche taten.“

Euro-Med Monitor war erstaunt über die offensichtliche Falschheit der Behauptung der israelischen Armee, dass die palästinensischen Zivilisten, die in Anwesenheit israelischer Zivilist:innen gefoltert wurden, Kämpfer seien, die an dem Angriff vom 7. Oktober beteiligt waren – obwohl die anschließende Freilassung der Gefangenen beweist, dass diese Behauptung unwahr ist und als Mittel zur Rache an palästinensischen Zivilist:innen und zum Angriff auf ihre Würde gedacht war.

Laut Euro-Med Monitor ist die Folterung und unmenschliche Behandlung von palästinensischen Gefangenen und Häftlingen durch die israelische Armee nach dem Römischen Statut illegal und stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Inszenierung dieser Misshandlungen durch die Armee als Unterhaltung für israelische Zivilist:innen und das anschließende Fotografieren der Opfer stellt eine schwerwiegende Verletzung der Würde dieser Personen sowie die Begehung von Kriegsverbrechen dar.

Euro-Med Monitor warnt vor den schwerwiegenden Folgen, die es hat, wenn israelische Zivilist:innen in Verhaftungs- und Haftanstalten eingeführt werden, ihnen palästinensische Häftlinge während der Folter vorgeführt werden und sie ihre persönlichen Telefone benutzen dürfen, um diese unmenschlichen Praktiken zu dokumentieren. Dies ist ein Vergeltungsansatz, der in den Rahmen der Förderung falscher israelischer Propaganda, der Aufrechterhaltung eines Zustands des Extremismus, des Schürens von Hass und der Aufstachelung der israelischen öffentlichen Meinung fällt, um zu weiteren Verbrechen und Rechtsverletzungen gegen Palästinenser:innen anzustiften.

Euro-Med Human Rights Monitor stellt fest, dass die überwiegende Mehrheit der im Gazastreifen Verhafteten willkürlich inhaftiert wurde, ohne dass sie angeklagt oder vor Gericht gestellt wurden und ohne dass rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet wurden. Außerdem wird ihnen ein fairer Prozess verweigert und sie sind Verschleppung, Folter und unmenschlicher Behandlung ausgesetzt. Euro-Med Monitor fordert das Internationale Komitee vom Roten Kreuz auf, israelische Haftanstalten und Gefängnisse, in denen palästinensische Gefangene und Häftlinge festgehalten werden, zu inspizieren, die schrecklichen Verstöße und Verbrechen, denen sie ausgesetzt sind, zu untersuchen und sich dafür einzusetzen, dass diese Bedingungen sofort ans Licht kommen.

Darüber hinaus stellt Euro-Med Monitor fest, dass die israelischen Praktiken gegen palästinensische Gefangene eklatante Verstöße gegen internationale Konventionen und Standards darstellen, insbesondere gegen die Vierte Genfer Konvention von 1949, die es einer Besatzungsmacht verbietet, Gefangene aus dem besetzten Gebiet in Hafteinrichtungen auf ihrem Territorium zu verlegen sowie die Gefangenen zu foltern, anzugreifen oder auf andere Weise in ihrer Menschenwürde zu verletzen.

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