Filmplakat "Massaker" - Die Bildrechte liegen bei den Produzenten

Filmtipp – “Massaker” (2004)

Ein Filmtipp anlässlich des 40. Jahrestages des Massakers von Sabra & Shatila

“Massaker” — ein Film von Monika Borgmann, Hermann Theissen & Lokman Slim — ist inhaltlich wie ästhetisch eine psychopolitische Studie über sechs Täter, die sowohl auf Befehl wie auch aus eigenem Antrieb am Massaker von Sabra & Shatila teilgenommen haben. Der Film verknüpft die psychischen Dispositionen der Täter mit ihrem politischen Umfeld & nähert sich über ihre Erzählungen auch dem Phänomen der kollektiven Gewalt.

“Die Fliegen verrieten uns, was geschehen war. Es gab Millionen davon, ihr Surren war fast so beredt wie ihr Gestank. Dicke Brummer, die uns völlig bedeckten & zunächst nicht zwischen Toten & Lebenden unterscheiden konnten […] Die Toten lagen überall — auf der Hauptstraße, in den kleinen Gassen, in Hinterhöfen & zerstörten Häusern, unter eingestürztem Mauerwerk & quer über die Müllhaufen. Nachdem wir dir ersten hundert Toten gefunden hatten, hörten wir auf zu zählen. Überall sahen wir Leichen — Frauen, junge Männer, Babys & Großeltern, sie lagen in großer Zahl herum, wo sie gerade niedergestochen oder mit Maschinenpistolen niedergemäht worden waren […] “Dieses Arschloch Scharon!” rief mein Kollege.”

— so schrieb Robert Fisk, der erste Journalist, der die Flüchtlingslager Sabra & Schatila in Beirut am Morgen des 18.09.1982 betrat. Libanesische Phalange-Milizen mit Unterstützung israelischer Soldaten hatten dort in den Stunden zuvor — zwei Nächte & drei Tage lang — zwischen 3.000–4.000 palästinensische Flüchtlinge regelrecht abgeschlachtet. Die UN bezeichnete das Massaker als Genozid. Einer der Hauptverantwortlichen, der “Schlächter von Beirut”, Ariel Sharon, wurde nie zur Rechenschaft gezogen, stattdessen wurde er später Israels Ministerpräsident.

Ausführliche Hintergrundinformationen, Augenzeugenberichte, Fotos, Videos sowie eine Buchempfehlung zu dem Massaker findet ihr hier:

Das Massaker von Sabra & Shatila

Die Täter stammten vor allem aus den Reihen der Forces Libanaises, einer mit Israel verbündeten christlichen Miliz. Für die Logistik des Massakers sorgte die israelische Armee, die von dem damaligen Verteidigungsminister & späteren Ministerpräsidenten Ariel Sharon befehligt wurde. 1982 erschütterte das Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern des Libanon die Weltöffentlichkeit, heute ist es (fast) vergessen.

Dabei war es exemplarisch für all die Massaker, die folgten: zum Beispiel in Ruanda oder in den jugoslawischen Kriegen. Immer wieder tauchen die unbeantworteten Fragen auf: Was treibt Menschen zu derartigen Exzessen von Grausamkeit & wie können die Täter weiterleben?

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