Familie wird zum 2. Mal Opfer ethnischer Säuberung

Über 200 israelische Polizist:innen & Spezialkräfte stürmten heute gegen 3 Uhr morgens das Haus der Familie Salhiyehs im Jerusalemer Viertel Sheikh Jarrah & riegelten die Umgebung ab. Sie drangen gewaltsam in deren Zuhause ein, während die 12-köpfige Familie schlief. Die Schlafenden wurden angegriffen, gewaltsam aus ihren Betten gezerrt & geschlagen. Neben einigen Familienmitgliedern wurden mindestens 18 weitere Palästinenser:innen, die sich aus Solidarität mit der Familie im Haus aufhielten, ebenfalls verhaftet. Der darauffolgende Abriss des Hauses begann mit dem Morgengebet um etwa 5 Uhr während eines starken Regenschauers in einer der kältesten Nächte der diesjährigen Wintersaison — die Familie ist nun obdachlos. Yasmeen Salhiyeh (19) berichtet:

“Sie zogen meinen Vater aus dem Bett & schlugen ihn zusammen mit meinen Brüdern & Cousins”, bevor sie sie verhafteten, “ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, sich anzuziehen”.

Bis jetzt ist nicht bekannt, wohin die verhafteten Familienmitglieder & Solidarischen gebracht wurden. Vor 2 Tagen wollten israelische Behörden das Haus zwangsräumen & abreißen, die Familie wehrte sich dagegen & drohten in ihrer Verzweiflung, das Haus zu sprengen & sich selbst anzuzünden:

“Ich werde das Haus und alles darin verbrennen”, sagte Mahmoud Salhiyeh, als er auf dem Dach seines Hauses stand, umgeben von Gaskanistern. “Ich werde hier nicht weggehen, nur von hier bis zum Grab, denn es gibt kein Leben, keine Würde. “

Die Familie Salhiyeh wurde schon einmal gewaltsam aus ihrem Haus in dem Dorf Ein Karem im Westen Jerusalems vertrieben, und zwar während der Nakba (“Katastrophe”) von 1948, als zionistische Milizen rund 750 000 Palästinenser:innen gewaltsam & für immer vertrieben, um den Staat Israel zu gründen. Jetzt, im Jahr 2022, werden sie wieder vertrieben, zu Gunsten von Siedlern. Zwangsumsiedlungen & -enteignungen in besetzten Gebieten sind eine Verletzung des Völkerrechts & ein Kriegsverbrechen gemäß Genfer Konvention.

Mohammad Abu Al Hommos, ein örtlicher Aktivist, sagte, bei der Zerstörung des Hauses heute sei es um “Rache” gegangen. “Die Israelis wollten nur beweisen, dass sie an die Familie herankommen können, auch wenn die Familie den Abriss 48 Stunden lang blockieren konnte”, sagte er gegenüber Al Jazeera.

Insgesamt wurden heute 3 weitere Häuser im besetzten Westjordanland & Jerusalem auf Anweisung der Besatzung zerstört.

Israel hat die östliche Hälfte der Stadt 1967 militärisch besetzt & hält diese Besatzung aufrecht, entgegen dem Völkerrecht. Nur 13 % der Stadt sind seitdem für die palästinensische Entwicklung & den Wohnungsbau vorgesehen, der größte Teil davon ist bereits vollständig bebaut.

Etwa 57 % aller Grundstücke im besetzten Ostjerusalem wurden von den israelischen Behörden zwangsenteignet. Die verbleibenden 30 % umfassen “ungeplante Gebiete”, in denen ebenfalls ein Bauverbot gilt.

Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA) sind mindestens 280 palästinensische Haushalte in Jerusalem mit 970 Personen, darunter 424 Kinder, aktuell von einer Zwangsumsiedlung durch die israelischen Behörden bedroht. Besonders bedroht sind dabei die Jerusalemer Viertel Sheikh Jarrah, Silwan & Al Bustan. Zwangsumsiedlungen in besetzten Gebieten sind eine Verletzung des Völkerrechts & ein Kriegsverbrechen.

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