Ein Mädchen steckt zwischen den Trümmern ihres Hauses in Gaza. Bild: Anas Al Sharif
Ein Mädchen steckt zwischen den Trümmern ihres Hauses in Gaza. Bild: Anas Al Sharif

Gaza soll ethnisch gesäubert werden – nach Kongo

Wie die Times of Israel berichtet, sollen israelische Beamte geheime Gespräche mit dem Kongo und mehreren anderen Ländern über die mögliche Aufnahme von Vertriebenen aus dem Gazastreifen geführt haben.

„Der Kongo ist bereit, Migranten aufzunehmen, und wir führen Gespräche mit anderen Ländern“, so eine hochrangige Quelle im Sicherheitskabinett gegenüber Shalom Yerushalmi.

Yerushalmi zitiert die Geheimdienstministerin Gila Gamliel, die am 02. Januar in der Knesset (dem israelischen Parlament) sagte: „Am Ende des Krieges wird die Hamas-Herrschaft zusammenbrechen, es wird keine kommunalen Behörden geben, die Zivilbevölkerung wird vollständig von humanitärer Hilfe abhängig sein. Es wird keine Arbeit geben & 60 % der landwirtschaftlichen Flächen des Gazastreifens werden zu Sicherheitspufferzonen.“

Sie fügte hinzu, dass die Erziehung zum Hass in Gaza weitergehen werde und weitere Angriffe auf Israel nur eine Frage der Zeit seien: „Das Problem Gaza ist nicht nur unser Problem. Die Welt sollte die humanitäre Auswanderung unterstützen, denn das ist die einzige Lösung, die ich kenne.“ De facto ist dies ein Aufruf zu ethnischer Säuberung.

Die israelische Tageszeitung Haaretz zitierte Premierminister Netanjahu, dass ein „Szenario der Kapitulation & Deportation“ der Bewohner des Gazastreifens diskutiert werde. Es gebe Argumente, die dafür & dagegen sprechen, „wir schließen diese Möglichkeit nicht aus“.

Haaretz zitiert Netanjahus Überlegungen bezüglich einer ethnischen Säuberung Gazas.

Die UN verurteilte die israelischen Pläne zur ethnischen Säuberung des Gazastreifens scharf: „Äußerungen hochrangiger israelischer Beamter zu Plänen, Zivilisten aus Gaza in Drittländer zu bringen, beunruhigen mich sehr. 85 % der Menschen in Gaza sind bereits Binnenflüchtlinge. Sie haben das Recht, in ihre Häuser zurückzukehren. Internationales Recht verbietet die gewaltsame Verbringung geschützter Personen innerhalb des besetzten Gebiets oder die Deportation aus diesem Gebiet.“, so Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, auf X, ehemals Twitter.


Der Leiter der humanitären Hilfe der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, erklärte, dass der Gazastreifen angesichts der monatelangen Angriffe Israels auf die abgeriegelte Küstenenklave zu einem „Ort des Todes und der Verzweiflung“ geworden sei. Er betonte, dass „die Menschen mit der größten jemals verzeichneten Ernährungsunsicherheit konfrontiert sind“ & eine Hungersnot „vor der Tür steht“. Die Menschen in Gaza sind „täglich mit der Bedrohung ihrer Existenz konfrontiert – während die Welt zuschaut“.

Nach offiziellen Angaben hat der Gazastreifen bisher mindestens 22.600 Tote und 57.910 Verletzte durch die israelischen Angriffe auf Gaza seit dem 7. Oktober zu beklagen. Inoffizielle Schätzungen wie die des Euro-Med Human Rights Monitor, die seit langem unter den Trümmern vermisste Personen mit einberechnen, gehen gar von 30.676 Toten aus. Das entspricht 4 % der Gesamtbevölkerung der Enklave.

Die UN-Agentur OCHA berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium des Gazastreifens, dass bei israelischen Angriffen im Gazastreifen zwischen Mittwoch und Donnerstagnachmittag 125 Palästinenser:innen getötet und 318 verletzt wurden. Wie Al Jazeera Arabic berichtete, sind heute bei einem Angriff auf ein Haus in Rafah, das zuvor zur sicheren Zone in Gaza erklärt worden war, sechs Menschen getötet wurden. Es unterstreicht, dass es weiterhin keine sicheren Zufluchtsorte in Gaza gibt, und auch die Orte, an die Israel Palästinenser:innen „evakuiert“ gezielt bombardiert werden.

In Al Khalil (Hebron) im besetzten Westjordanland hat die israelische Armee eine Gedenkveranstaltung für den Hamas-Kommandaten Al Arouri gestürmt. Sie lösten die Versammlung gestern mit scharfer Munition und Tränengaskanistern auf. Wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtet, erlitt ein Palästinenser am Donnerstag bei einem Angriff von Siedlern in Bethlehem Knochenbrüche und Prellungen.

In Beit Rima, nordwestlich von Ramallah im Westjordanland, wurde am Donnerstagabend der 17-jährige palästinensische Gymnasiast Osaid Tariq Anis Al Rimawi durch israelische Besatzungskräfte getötet und mindestens sieben weitere Personen verletzt. Während dieser Nachrichtenbeitrag verfasst wird, wird das Flüchtlingslager Al Aroub nahe Al Khalil von israelischen Besatzer:innen gewaltsam gestürmt.

Nach dem 7. Oktober haben israelische Siedler mit Unterstützung der israelischen Besatzungsbehörden ihre gewalttätigen Angriffe auf Palästinenser:innen und ihre Siedlungsaktivitäten im besetzten Westjordanland verstärkt, so der palästinensische Politiker Mustafa Barghouti.

„Die israelische Regierung wird von Siedlern geführt & diese Siedler sind nichts anderes als Faschisten, wenn man von Ben-Gvir oder Smotrich oder den anderen spricht“, sagte Barghouti und bezog sich dabei auf prominente rechtsextreme israelische Politiker:innen. „Seit dem 7. Oktober haben jeder Siedler, jeder israelische Soldat und jeder Polizist das Gefühl, dass sie grünes Licht haben, um Palästinenser:innen zu erschießen und zu töten. Sie haben das starke Gefühl, dass sie völlig immun sind, dass sie den Palästinenser:innen alles antun können, was sie wollen und wie sie es wollen“, fügte er hinzu.

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