“Es könnten mehr Menschen an Krankheiten als an Bomben sterben” — Daily Update

“Es könnten mehr Menschen an Krankheiten als an Bomben sterben”

Verhandlungen

  • Vierter Austausch: 33 palästinensische Gefangene, bestehend aus 3 Frauen und 30 Kindern/Jugendlichen, wurden aus israelischen Besatzungsgefängnissen im Gegenzug für 11 israelische Gefangene der Hamas freigelassen. Unter diesen befinden sich ausschließlich Israelis mit doppelter Staatsangehörigkeit: 3 Franzosen (Kinder zwischen 12 und 16 Jahren), 2 Deutsche & 6 Argentinier:innen.
  • Die meisten Palästinenser:innen, die in den letzten Tagen von den israelischen Besatzungsbehörden im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen wurden, wurden laut einem Bericht von CNN vom Dienstag nie angeklagt. Von den 150 freigelassenen palästinensischen Gefangenen seien 98 ohne Anklage inhaftiert worden, hieß es in dem Bericht. 119 der Freigelassenen sind Kinder & jugendliche Minderjährige, die übrigen 31 waren Frauen. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem befinden sich aktuell ca. 1.300 Palästinenser:innen in sogenannter Administrativhaft — das bedeutet Willkürhaft ohne Nennung von Gründen oder Beweisen & ohne Anklage oder Gerichtsurteil.
  • Katar arbeite daran, den Waffenstillstand zwischen der Hamas & Israel über den Mittwoch hinaus zu verlängern, sofern Hamas in der Lage ist, weiterhin 10 Gefangene pro Tag freizulassen, sagte heute der Sprecher des Außenministeriums von Doha, Al Ansari. Gespräche über einen dauerhaften Waffenstillstand seien ebenfalls im Gange, sagten ägyptische & katarische Beamte dem Wall Street Journal. CNN berichtete, dass CIA-Direktor Bill Burns am Dienstag Katar besuchte, um mit katarischen Beamten & seinen israelischen & ägyptischen Amtskollegen über den Krieg zu sprechen.

Gaza

  • Weltgesundheitsorganisation WHO: “Es könnten mehr Menschen im Gazastreifen an Krankheiten sterben als an Bomben, wenn das Gesundheitswesen nicht bald wieder hergestellt wird”. Sie bezeichnete den Zusammenbruch des Shifa-Krankenhauses — der größten medizinischen Einrichtung im Gazastreifen — als “Tragödie” & äußerte sich besorgt darüber, dass die Israel einige der medizinischen Mitarbeiter:innen des Krankenhauses festgenommen hat.
  • UNOCHA will die Menschen im Gazastreifen verstärkt auf die Gefahren von Blindgängern hinweisen. Es liegen keine aktuelle Zahlen vor, jedoch hinterließ Israels Armee im Gazakrieg 2014 schätzungsweise 7.000 Blindgänger (Quelle: Humanity & Inclusion US). Video eines Blindgängers: https://twitter.com/i/status/1728704371746070933
  • Laut UN sind mehr als 60% aller Wohneinheiten im Gazastreifen zerstört. Humanitäre Hilfe kommt nur langsam & viel zu wenig nach Gaza
  • Shifa-Krankenhaus nimmt beginnt wieder mit Dialysebehandlungen
  • 160 Tote aus den Trümmern Gazas während der letzten 24h geborgen
  • USA drängen Israel, eine “weitere Vertreibung” von Palästinenser:innen zu vermeiden. Medienberichten zufolge habe die Biden-Administration Israel aufgefordert, eine “erhebliche weitere Vertreibung” von Palästinenser:innen im südlichen Gazastreifen zu vermeiden, wenn es seine Militäraktion nach dem Waffenstillstand wieder aufnimmt. Die US-Regierung wolle weitere zivile Opfer oder Massenvertreibungen, wie vor Beginn der Waffenruhe am Freitag, vermeiden.
  • UNICEF-Sprecher James Elder hat nach einem Besuch des Nasser Medical Complex in Khan Younis im südlichen Gazastreifen mit Al Jazeera gesprochen. Er beschrieb das, was er sah, als “verheerend” & bezeichnete das Krankenhaus sowohl als “Notfallstation” als auch als “Kriegsgebiet”. “Überall, wo man hinkommt, ist ein Kind in unglaublicher Not […] Mehrere Kinder mit Amputationen, kleine Jungen & Mädchen, die vor 6, 7 Wochen noch mit ihren Freunden Fußball gespielt haben”, so Elder. Er lobte die “unglaublichen, tapferen, unermüdlichen Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die rund um die Uhr arbeiten”, um “jedes Kind zu versorgen, das sie können”. Allerdings, so Elder, “müssen die Ärzt:innen Entscheidungen treffen, die sie nicht treffen sollten”. Er fügte hinzu: “Wir können unmöglich glauben, dass die Zerstörung des Gazastreifens & die Tötung von Kindern Frieden in der Region schaffen wird. Das ist völlig unsinnig”.
  • nachdem Israel schon am Freitag, dem ersten Tag der Waffenruhe, den Waffenstillstand brach, in dem es auf palästinensische Binnenflüchtlinge im Gazastreifen schoss & dabei 7 Palästinenser:innen tötete & weitere verletzte, warf Israels rechtsextremer Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir heute der Hamas vor, den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Via Social Media forderte er Premierminister Netanjahu auf, die Kampfhandlungen in Gaza unverzüglich wieder aufzunehmen, um die “totale Vernichtung der Hamas” zu erreichen. Hintergrund war eine Mitteilung der Besatzungsarmee auf Twitter, dass 3 Sprengsätze in der Nähe ihrer Truppen explodiert seien. Die Explosionen “verletzten den Rahmen der Feuerpause”, so die israelische Armee. An einem der Orte “eröffneten Terroristen auch das Feuer auf die Truppen, die daraufhin mit Feuer antworteten. Einige Soldaten wurden dabei leicht verletzt”, hieß es weiter. Die Hamas teilte ihrerseits mit, dass ihre Kämpfer auf eine israelischen Verletzung der Waffenruhe heute morgen reagiert hätten. Die Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, fügten hinzu, dass sie sich an die Waffenruhe hielten, “solange der Feind sich daran hält & wir rufen die Vermittler auf, Druck auf die Besatzer auszuüben, damit sie alle Bedingungen der Waffenruhe am Boden & in der Luft einhalten”.

Westjordanland

  • 3 Palästinenser wurden heute von israelischen Soldat:innen erschossen, darunter Amr Ahmed Jamil Wahdan, ein 14-jähriges Kind, dem in die Brust geschossen wurde, als die Besatzungsarmee am Morgen die Ortschaft Tubas überfiel.
    Somit wurden seit dem 07. Oktober 231 Palästinenser:innen im Westjordanland getötet, darunter 59 Kinder (Quelle: UNOCHA). Die Gesamtzahl getöteter Palästinenser:innen im Westjordanland im Jahr 2023 liegt somit bei über 400.
Amr Ahmed Jamil Wahdan

Internationales

  • Der Jordanische Kirchenrat hat beschlossen, dieses Jahr erstmals auf öffentliche Weihnachtsdekorationen & Weihnachtsfeiern zu verzichten. Es sollen lediglich die üblichen Weihnachtsgottesdienste stattfinden. Es soll damit ein Zeichen der Solidarität mit Gaza gesetzt werden. Eine Woche zuvor hatten die christlichen Gemeinden im besetzten Bethlehem den selben Schritt angekündigt, auch auf den öffentlichen Weihnachtsbaum wird erstmals verzichtet. Weihnachten ist sowohl im besetzten Palästina als auch in Jordanien ein öffentlicher Feiertag. In beiden Ländern leben die ältesten christlichen Gemeinden der Welt.
  • Israelischer Beschuss hat am Dienstagmorgen ein Gebiet nahe der südlibanesischen Stadt Aita Al Shaab getroffen, wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur berichtet. Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden nach der Verlängerung eines Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas. Obwohl der Waffenstillstand den Libanon formell nicht einschloss, hatte die Hisbollah angekündigt, ihren Beschuss für die Dauer der Feuerpause in Gaza einstellen zu wollen & hatte sich bis jetzt auch daran gehalten.

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