Eisenstangen, Elektroschocks, Scheinhinrichtungen: Wie Palästinenser in Israels Gefängnissen gefoltert werden

Eisenstangen, Elektroschocks, Scheinhinrichtungen: Wie Palästinenser in Israels Gefängnissen gefoltert werden

Bild via Middle East Eye

Dieser Artikel von Ahmed Aziz, Lubna Masarwa und Simon Hooper erschien am 11.03.2024 im Nachrichtenmagazin Middle East Eye unter dem Titel „Iron bars, electric shocks, dogs and cigarette burns: How Palestinians are tortured in Israeli detention“. Hier veröffentlichen wir unsere deutsche Übersetzung.

Zivilisten, die seit Beginn des Krieges von der israelischen Armee festgehalten wurden, kehren mit erschütternden Berichten über Scheinhinrichtungen, ständige Schläge und erniedrigende Misshandlungen nach Gaza zurück

Palästinensische Männer, die seit Beginn des Krieges in Gaza von israelischen Soldat:innen inhaftiert wurden, haben gegenüber Middle East Eye (MEE) berichtet, wie sie mit Hunden und Strom gefoltert, Scheinhinrichtungen unterzogen und unter erniedrigenden und entwürdigenden Bedingungen festgehalten wurden.

Ein Mann, der von der israelischen Armee aus einer Schule in Gaza verschleppt wurde, wo er mit seiner Familie Zuflucht gesucht hatte, beschrieb in seinen Aussagen gegenüber MEE, wie er mit Handschellen gefesselt, mit verbundenen Augen und 42 Tage lang in einem Metallkäfig festgehalten wurde. Während der Verhöre seien ihm Elektroschocks verabreicht worden, und er sei von Hunden der Armee gekratzt und gebissen worden.

Auch andere Männer berichteten von Stromschlägen, Angriffen von Hunden, Übergießen mit kaltem Wasser, Verweigerung von Nahrung und Wasser, Schlafentzug und ständiger lauter Musikbeschallung. „Sie haben niemanden verschont. Es gab 14-jährige Jungen und 80-jährige Männer“, sagt Moaz Muhammad Khamis Miqdad, der im Dezember in Gaza-Stadt gefangen genommen, verschleppt und mehr als 30 Tage lang festgehalten wurde.

Neben drei Männern, die im Gazastreifen gefangen genommen wurden, sprach MEE mit einem Mann, der bei einer Razzia in der Stadt Qalqilya im Westjordanland festgenommen wurde. Er berichtete, dass ihm die Augen verbunden wurden, er nackt ausgezogen und an den Armen aufgehängt wurde, während der Verhöre wurde er wiederholt geschlagen und seine Haut mit Zigaretten versengt. Er beschrieb ebenfalls, dass er tagelang bei eisiger Kälte festgehalten wurde, nicht schlafen durfte und dass ein Soldat in eine Flasche urinierte und sie ihm reichte, nachdem er um Wasser gebeten hatte.

Alle vier Männer beschrieben, dass sie gezwungen wurden, sich nackt auszuziehen, und dass sie während ihrer wochenlangen Inhaftierung ständig von israelischen Soldaten geschlagen und misshandelt wurden.

MEE hat auch mit einer Reihe anderer ehemaliger Häftlinge gesprochen, die ähnliche Erfahrungen wie die Männer in dieser Geschichte beschrieben. Ihre Berichte über Folter und Misshandlung folgen ähnlichen Vorwürfen von Menschenrechtsbeobachter:innen.

Die israelische Kriegsführung gegen die Hamas im Gazastreifen ist bereits Gegenstand eines Verfahrens vor dem Internationalen Gerichtshof, in dem Israel des Völkermordes beschuldigt wird, sowie einer laufenden Untersuchung von Kriegsverbrechen durch den Internationalen Strafgerichtshof.

Letzte Woche berichtete die New York Times über eine unveröffentlichte Untersuchung der UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), laut derer Hunderte von palästinensischen Gefangenen, die während des Gaza-Krieges verschleppt wurden, misshandelt worden sein sollen.

Viele dieser Details scheinen mit den Aussagen ehemaliger Gefangener übereinzustimmen, die mit MEE gesprochen haben.

Am Donnerstag berichtete Haaretz, dass seit Beginn des Krieges mindestens 27 Gefangene aus dem Gazastreifen in israelischen Militäreinrichtungen gestorben sind. Einige der Toten seien auf dem Militärstützpunkt Sde Teiman im Süden Israels und dem Stützpunkt Anatot im Westjordanland ums Leben gekommen, hieß es.

Am Freitag erklärte die UN-Sonderberichterstatterin für Folter, Alice Jill Edwards, dass sie die Vorwürfe der Folter und Misshandlung palästinensischer Gefangener durch Israel untersuche. Außerdem führe sie Gespräche mit den israelischen Behörden, um selber das Land im Rahmen einer Untersuchungsmission zu besuchen.

Ramy Abdu, der Vorsitzende von Euro-Med Human Rights Monitor, der ebenfalls Berichte über Folter in Haft zusammengestellt hat, sagt, die Aussagen von Palästinenser:innen, die aus israelischer Haft entlassen wurden, seien „zutiefst beunruhigend“. Weiter berichtet er: „Diese Zeugenaussagen zeigen ein systematisches Muster des Missbrauchs, einschließlich erzwungener Leibesvisitationen, sexueller Belästigung, Vergewaltigungsdrohungen, schwerer Schläge, Hundeangriffe und der Verweigerung von lebensnotwendigen Dingen wie Nahrung, Wasser und Zugang zu Toilettenanlagen. Diese Handlungen fügen den Opfern nicht nur körperliche Schmerzen zu, sondern hinterlassen auch bleibende psychische Narben.“

„Der Einsatz solch brutaler Taktiken, insbesondere gegen schwache Gruppen wie Frauen, Kinder und ältere Menschen, ist verwerflich und stellt eine grobe Verletzung der Menschenwürde und des Völkerrechts dar“, so Abdu weiter.

Durch israelische Armee entführte Palästinenser in Gaza
In einem am 7. Dezember veröffentlichten Video werden palästinensische Männer von israelischen Soldat:innen in Gaza zusammengetrieben und entkleidet (Screengrab/X, via Middle East Eye)

Miriam Azem, eine Mitarbeiterin der palästinensischen Menschenrechtsorganisation Adalah, sagte, dass Berichte über „allgegenwärtige Folter und Misshandlung“ von palästinensischen Gefangenen in israelischem Gewahrsam ein sofortiges internationales Eingreifen erforderten.

„Hunderte von Palästinenser:innen aus dem Gazastreifen werden nach wie vor ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Die Dringlichkeit der aktuellen Situation erfordert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern ein sofortiges und entschlossenes Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. Jedes Nichteingreifen stellt eine ernste Bedrohung für das Leben der Palästinenser:innen dar“, so Azem gegenüber MEE.

Die israelische Armee hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht auf die Bitte von MEE um einen Kommentar reagiert. Die israelische Armee hat zu den Vorwürfen über die Misshandlung von Gefangenen erklärt, dass ein solches Verhalten „gegen die Werte und gegen die Befehle der israelischen Armee verstößt und daher absolut verboten ist“.

Die israelische Regierung erklärte, ihre Soldat:innen handelten „im Einklang mit israelischem und internationalem Recht, um die Rechte der Gefangenen zu schützen“. Sie erklärte, dass jeder Todesfall in israelischem Militärgewahrsam untersucht werde und dass einige der Verstorbenen bereits vorbestehende medizinische Probleme oder Verletzungen gehabt hätten.

Naeem Youssef Salem Abu Al Hassan, ein 19-Jähriger aus Jabalia im nördlichen Gazastreifen, sagte gegenüber MEE, er sei zusammen mit anderen jungen Männern im Alter von 18 bis 25 Jahren festgenommen worden, nachdem die verbliebenen Bewohner:innen von den israelischen Soldat:innen aufgefordert worden waren, die Stadt am 27. Dezember 2023 zu verlassen.

Zu diesem Zeitpunkt hätten er und seine Großfamilie wochenlange Luftangriffe, Panzerangriffe und Scharfschützenbeschuss ertragen müssen, die einen Großteil des Viertels zerstört und einige seiner Verwandten getötet hätten. Kurz darauf, so Hassan, hätten ihn israelische Soldat:innen gebeten, zwei Leichen auf der Straße zu identifizieren, bei denen es sich um Kämpfer gehandelt haben soll. Hassan sagte, er kenne die Identität der Leichen nicht und habe keine Verbindungen zu Kämpfern.

„Sie glaubten mir nicht und bestanden darauf, dass ich sie erkenne, sonst würden sie mich erschießen und mich neben den Leichen ablegen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dann zwangen sie mich mit dem Gesicht zur Wand und auf die Knie.“

Hassan sagte, die Soldat:innen hätten ihn dann getreten und einen Lügner genannt. Ihm wurden Handschellen angelegt, die Augen verbunden und er wurde in ein nahe gelegenes Haus geschleppt, in dem auch andere Gefangene festgehalten wurden. „Ein Soldat rauchte eine Zigarette und versuchte, mich damit im Gesicht zu verbrennen. Ich sagte ihm, dass ich das nicht aushalte, und er fing an, mich zu schlagen und zu treten“, sagte er.

In dieser Nacht wurden die Männer zusammengetrieben und auf die Straße gebracht, wo sie von Soldat:innen und Panzern umzingelt waren, so Hassan. In der Straße waren tiefe Löcher gegraben worden, und ein Soldat begann, ihn in eines der Löcher zu stoßen. „Ich fühlte, das war’s, er wird mich jetzt definitiv töten. Das wird wahrscheinlich mein letzter Atemzug sein.

Stattdessen wurden die Männer auf Lastwagen verladen. Sie wurden mehrere Stunden lang herumgefahren, während sie von den sie bewachenden Soldat:innen beschimpft, getreten und geschlagen wurden. Dann wurden sie in ein anderes Fahrzeug verfrachtet und weiter herumgefahren, wobei sie immer noch geschlagen wurden.

Schließlich wurden sie an einem unbekannten Ort abgesetzt. Fünf Soldaten kamen in den Raum, in dem sie festgehalten wurden, und schlugen sie weiter. Dieses Muster, bei dem sie in Fahrzeugen zwischen verschiedenen Orten hin- und hergefahren und dabei geschlagen wurden, setzte sich über mehrere Tage fort.

Schließlich kamen die Männer an einem Ort an, an dem sie gezwungen wurden, auf dem Boden zu knien, immer noch mit Handschellen gefesselt und mit verbundenen Augen.

„Wir alle blieben 37 Tage lang so… fast nackt in der schmerzenden Kälte, unsere Körper waren erschöpft, unsere Seelen trieben dahin. Das Essen reichte kaum aus, um uns am Leben zu erhalten“, sagte Hassan.

Als die Männer versuchten, sich über ihre Haftbedingungen zu beschweren, brachten ihre Entführer Soldat:innen mit Hunden herbei. „Sie haben sie auf uns losgelassen. Die Hunde griffen uns an und zerkratzten uns, während der Kommandant uns weiterhin mit äußerster Brutalität schlug“.

Alle paar Tage wurden die Männer zum Verhör gebracht. Hassan sagte, dass ihm Bilder von Tunneln gezeigt wurden und seine Vernehmungsbeamt:innen ihn fragten, was er darüber wisse. „Immer wenn ich sagte, dass ich nichts wüsste, schlugen, boxten und traten sie mich am ganzen Körper“, sagte Hassan.

„Die Soldaten mit ihrem Kommandeur machten viel Lärm … so dass wir nicht schlafen konnten und vor Erschöpfung, Hunger und Folter völlig erschöpft und angespannt waren.“

Eines Nachts in den frühen Morgenstunden, als er versuchte, sich auszuruhen, wurde Hassan von einem Soldaten wach getreten und mit vier anderen Männern zu einem Bus gezerrt. Der Bus brachte sie nach Karm Abu Salem, dem Hauptübergang zwischen Israel und dem südlichen Gazastreifen, wo sie freigelassen wurden.

„Der Kommandant schrie uns an, dass wir schnell gehen sollten, aber ich konnte kaum gehen, weil ich geschlagen wurde, kniete und nichts zu essen und keinen Schlaf bekam. Die Soldaten rannten hinter uns her, um uns Angst einzujagen.“ Hassan berichtete weiter, den Männern sei es gelungen, sich zu nahe gelegenen UN-Bussen zu schleppen, die auf sie warteten.

Sie wollten, dass wir zwischen Leben und Tod stehen“

Moaz Muhammad Khamis Miqdad (26), erzählte MEE, dass er am 21. Dezember von israelischen Soldat:innen mit vorgehaltener Waffe aufgegriffen wurde, als er mit seiner Familie in einer Schule im Viertel Sheikh Radwan in Gaza-Stadt Schutz suchte.

Zusammen mit anderen Männern wurde er gezwungen, sich bis auf seine Unterwäsche auszuziehen. Anschließend wurden sie in eine nahe gelegene Moschee gebracht, wo ihnen die Hände auf dem Rücken gefesselt wurden und sie sich hinknien mussten.

„Dann warfen sie uns in einen Lastwagen, wo weitere Soldat:innen und Sicherheitskräfte mit massiven Schlägen und Beschimpfungen auf uns einschlugen“, erinnert sich Miqdad. Der Lastwagen brachte sie in ein Internierungslager, wo die Schläge unerbittlich fortgesetzt wurden. „Sie folterten uns stundenlang und bespritzten uns mit kaltem Wasser, während wir fast nackt waren. Sie waren entschlossen, uns zu foltern und zu brechen.“

Schließlich wurden die Männer einer nach dem anderen in einen Verhörraum gebracht, wo die Folter noch schlimmer wurde, so Miqdad. „Die Soldaten fragten mich, wo ich am 7. Oktober war und was ich gemacht habe. Ich sagte ihnen, dass ich mit den Ereignissen vom 7. Oktober nichts zu tun hatte, aber das war ihnen egal. Sie griffen mich mit noch heftigeren Schlägen und Tritten an, und dieses Mal auch mit ihren Waffen.“

Mit blauen Flecken und blutenden Wunden wurden die Männer in einen anderen Lastwagen verfrachtet und in einen dunklen, kalten Raum gebracht. „Ich war nackt, kalt, geschlagen, ausgehungert, erschöpft und völlig ausgelaugt. Wenn ein Gefangener einschlief, schlugen die Soldaten ihn brutal auf den Kopf oder die Brust, um ihn wach zu halten. Sie wollten, dass wir zwischen Leben und Tod schweben.“

Nach ein paar Tagen wurden die Männer in einen Bus gesetzt, diesmal mit etwa 50 anderen Gefangenen. Als der Bus sie zu einem Haftzentrum in einem anderen Gebiet brachte, wurden sie von Soldat:innen geschlagen, die diesmal mit Eisenstangen bewaffnet waren. „Wenn jemand vor Schmerzen schrie, schlugen sie ihn noch härter“, sagte Miqdad.

Nach zwei Wochen Haft, so Miqdad, durfte er duschen. Aber selbst dabei riskierte er demütigende Schläge. „Die Duschzeit war auf vier Minuten begrenzt. Ich hatte Angst, meine Unterwäsche auszuziehen und sie nie mehr zurückzubekommen. Wenn man eine Sekunde zu spät duschte, fesselten die Soldaten einen an Metallstangen und schlugen einen vier Stunden lang. Soldaten und Kommandanten kamen und schlugen dich mit ihren Waffen, Metallstangen und Stiefeln.“

Nachts wurden die Gefangenen gezwungen, nackt und ohne Decken auf dem Boden einer Kaserne zu schlafen. Laute Musik wurde in voller Lautstärke abgespielt. Bei einem Verhör wurde Miqdad nach eigenen Angaben gefragt, warum er in Gaza-Stadt geblieben sei, anstatt in den Süden zu gehen, wie Israel die Bewohner:innen aufgefordert hatte. Er sagte, er habe nicht das Geld für die Reise gehabt.

„Meine Antwort gefiel ihnen nicht. Sie schickten mich mit verbundenen Augen zurück in den dunklen Gefängnisraum. Wir durften uns weder bewegen noch eine Geste machen. Wenn wir versuchten, die Augenbinde zu verstellen, um unsere Tränen und unser Blut wegzuwischen, drehten die Soldat:innen durch, schrien uns an und schlugen uns wie von Sinnen.“

Nach dem Verhör sei Miqdad auf einen Stuhl gesetzt worden. „Sie legten mir elektrische Bänder um den ganzen Körper und versetzten mir starke Stromstöße bis zum Kopf.“ Nach mehreren weiteren Tagen dieser Behandlung wurde Miqdad mitgeteilt, dass er verlegt würde. Man verband ihm die Augen und setzte ihn in einen Bus. Viele der anderen Männer im Bus waren krank und alt, sagte er.

Der Bus fuhr eine Zeit lang und hielt dann an. „Sie warfen uns alle raus und drohten, jeden zu erschießen, der sich von der Linie entfernte, zurückblickte oder versuchte, sich gegenseitig zu helfen. „Ein junger Mann war durch die harten Bedingungen völlig gelähmt, also trug ich ihn, obwohl ich mich selbst kaum tragen konnte. Die Soldaten sahen mich und begannen zu schreien und zu schießen, aber das war mir egal, ich ging einfach weiter und schaute nicht zurück. In diesem Moment war er nicht schwer.“

Du denkst, du wirst tausendmal sterben“

Auch Omar Mahmoud Abdel Qader Samoud war gezwungen gewesen, mit seiner Familie in einer Schule Zuflucht zu suchen, nachdem ihr Haus am 14. November durch einen Luftangriff zerstört worden war. Nach mehreren Wochen kamen israelische Soldat:innen in die Schule und nahmen Samoud, seine Frau und ihre Kinder, darunter ihren zweijährigen Sohn, fest.

„Sie legten uns Handschellen an, verbanden uns die Augen und brachten uns auf einen nahe gelegenen Hügel“, so Samoud. „Panzer fuhren um uns herum und schufen eine Drohkulisse des Grauens und der Angst. In diesen Momenten denkst du, dass du tausendmal sterben wirst“.

Samoud sagte, er sei während der gesamten 42 Tage seiner Haft mit verbundenen Augen und Handschellen gefesselt gewesen und habe kaum genug zu essen bekommen, um zu überleben. „Die Soldaten zwangen uns, 24 Stunden lang zu knien. Sie stürmten in die Kaserne, in der wir als Geiseln festgehalten wurden, machten viel Lärm mit ihren Eisenstangen, traten und machten alles kaputt. Es war eiskalt, denn [die Zelle] war aus Eisen, ähnlich wie Tierkäfige… Das Ziel der Soldaten war es, uns zu foltern, uns zu brechen, uns zu zeigen, wer der Boss ist und dass unser Leben von ihnen abhängt.“

Gefangene, die ihren Kopf erhoben, riskierten, in den „Geisterraum“ geschickt zu werden, so Samoud. „Man wird zu einem Geist, ungesehen und ungehört“, sagte er. „Sie fesseln deine Hände und Beine und verbieten dir, auf die Toilette zu gehen. Sie verweigern dir Wasser und Essen und lassen dich ein paar Tage so liegen“.

Ein anderer Raum war als „Disko“ bekannt. „Ein Soldat zerrte mich nackt und mit Handschellen gefesselt auf den Boden und legte mich auf ein Stück Teppich“, erinnerte sich Samoud. „Die Soldat:innen bespritzten mich mit eiskaltem Wasser und stellten mir einen Ventilator vor die Nase. Sie ließen mich einige Tage lang so liegen, ohne Essen und Wasser und ohne die Möglichkeit, aufzustehen und zur Toilette zu gehen. Ich musste mich einpinkeln und flehte um Gnade, aber das war ihnen egal.“

„Die Soldaten traten mich auf alle Teile meines Körpers. Stellen Sie sich vor, Sie liegen nackt und mit Handschellen gefesselt auf dem Boden und fünf oder sechs Soldaten treten Sie mit ihren Stiefeln, schlagen mit Waffen und Schlägern auf Sie ein. Dann forderten sie mich auf, mich aufzusetzen. Wie sollte ich mich denn aufsetzen? Als ich ihre Befehle nicht befolgen konnte, schlugen sie mich noch härter. Sie schlugen mich völlig nieder. Ich dachte, dieser Albtraum würde nie enden.“

Manchmal ließen die Soldat:innen Hunde auf die gefangenen Männer los, während sie gezwungen waren, mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden zu liegen, noch immer mit Handschellen und Augenbinde. „Die Soldaten schlossen die Tür und ließen zu, dass die Hunde uns die nächsten zwei oder drei Stunden quälten“, sagte Samoud. Er sagte, er sei auch Elektroschocks ausgesetzt gewesen.

Während der Verhöre wurden die Gefangenen mit Klammern an Armen und Beinen auf ihren Stühlen gefesselt. Manchmal dauerten diese Sitzungen von 9 Uhr morgens bis Mitternacht und bei einer dieser Sitzungen seien ihm die Zehen gebrochen worden, so Samoud.

„Ein Teil der Foltertechnik bestand darin, die Klammern zu brechen, während sie noch an den Beinen befestigt waren. [Der Vernehmungsbeamte] kam, um sie zu entfernen, aber er schlug so heftig auf sie ein, dass ich vor Schmerz aufschrie. Meine Zehen brachen, aber er schlug weiter auf sie ein. Die Schmerzen waren unerträglich.

„Sie ließen mich so liegen, mit gebrochenen und blutigen Zehen, 20 Tage lang, wie einen Teppich. Ich habe während der Geiselhaft über 25 Kilo abgenommen und kann wegen der Folter nicht mehr laufen.“

„Alle wurden brutal behandelt, gefoltert und gedemütigt“

Ali Nayef Muhammad Al Masry (34) gehörte zu einer Gruppe von Männern, die im Januar bei einer nächtlichen Razzia der israelischen Armee in der Stadt Qalqilya im nördlichen Westjordanland aufgegriffen wurden.

Masry, der aus dem Gazastreifen stammt, und die anderen Männer hatten zuvor in Israel gearbeitet, waren aber nach Qalqilya umgesiedelt worden, als ihnen zu Beginn des Krieges die Arbeitserlaubnis plötzlich entzogen wurde.

Nach einer Razzia der Armee in dem Gebäude, in dem sie untergebracht waren, wurden den Männern die Augen verbunden, Handschellen angelegt und sie wurden auf einen Platz entlang des Zauns geschleppt, der das Westjordanland von Israel trennt.

„Sie hielten uns dort etwa einen Monat lang fest. Wir waren Arbeiter, aber es waren auch kranke Menschen dort, Menschen mit Krebs, einige von ihnen waren alt. Alle wurden brutal behandelt, gefoltert und gedemütigt. Es gab keine Achtung vor dem menschlichen Leben“, sagte Masry.

Eines Tages war Masry einer von 10 Männern, die von Soldat:innen von den übrigen Gefangenen getrennt wurden. Die Männer wurden gezwungen, sich nackt auszuziehen und am Zaun zu knien. „Ein Armeekommandant kam und führte einen psychologischen Krieg gegen uns. Er schrie seine Einheit an: ‚Tötet sie alle, jeden einzelnen von ihnen‘. Dann begannen die Soldaten zu schießen und wir hörten um uns herum scharfe Munition. Ich hatte keine Ahnung, ob ich tot oder lebendig war.“

Die Männer wurden dann zum Verhör in einen Raum gebracht. „Die erste Frage lautete: ‚Wen kennst du?‘. Und er zeigte mir Fotos aus meiner Nachbarschaft. Wenn ihm meine Antworten nicht gefielen, hängte er mich an den Armen auf, immer noch mit Handschellen gefesselt. Mein Verhör dauerte 10 Tage. Während dieser ganzen Zeit wusste ich nicht, wann es Tag und wann es Nacht war. Ich habe die ganze Zeit gefroren. Nackt, frierend und mit Handschellen gefesselt.“

Ein anderes Mal, so Masry, versengte sein Vernehmungsbeamter seine Haut mit Zigaretten und trat ihn. Er musste auf einem Stuhl sitzen, der Elektroschocks abgab, und wurde am Schlafen gehindert.

„Die Soldat:innen und ihr Kommandant waren Ungeheuer. Wenn ich um Wasser bat, lachte der Soldat, ging in die Ecke, urinierte in eine Plastikflasche und brachte sie mir zum Trinken. Wenn ich mich weigerte, schüttete er das Ganze auf mich.“

Nach mehreren Wochen wurden Masry und die anderen Männer in Handschellen und mit verbundenen Augen auf einen Armeelaster gesetzt und sechs Stunden lang nach Karm Abu Salem gefahren.

„Bevor sie uns freiließen, zogen sie uns wieder aus und nahmen uns die Kleidung ab. Als sie uns absetzten, waren wir 55 männliche und 6 weibliche Gefangene. Sie zwangen uns, nach Norden zu gehen, und nachdem wir eine lange Strecke gegangen waren, begannen die Soldat:innen auf uns zu schießen. Später erfuhren wir, dass die sechs Frauen aus dem Gazastreifen entführt worden waren und drei Monate lang als Geiseln gehalten wurden. Wir wussten nichts über sie.“

screenshot, via wattan.net

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