Eine Oscar-Nominierung, eine 2. Nakba & eine zerschlagene Krankenwagenscheibe- Weekly Summary

Über 228 weitere Menschenrechtsverletzungen — was in der Woche vom 11.03. — 17.03.2021 im historischen Palästina geschah

Oscar-Nominierung: “The Present”, ein Film, der von einem palästinensischen Mann erzählt, der eigentlich nur mit seiner Tochter ein Geschenk für seine Frau am Hochzeitstag kaufen will, dafür aber einen israelischen Militärcheckpoint passieren muss. Dieser Film der palästinensisch-britischen Regisseurin Farah Nabulsi, wurde nun für einen Oscar in der Kategorie “Bester Live-Action-Kurzfilm” nominiert sowie für die britischen BAFTA Auszeichnungen. Demnächst soll er auch auf Netflis zu sehen sein.

Farah Nabulsis Film “The present” ist für eine BAFTA sowie einen Oscar nominiert.

Besatzungsgewalt im Westjordanland: Mindestens 138 mal fiel die isr. Besatzungsarmee in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich des besetzten Jerusalem, ein. Dabei wurden pal. 71 Zivilisten willkürlich verhaftet, darunter 12 Kinder & 2 Schwestern. Zahlreiche Familienhäuser wurden willkürlich & ohne Vorwarnung gestürmt, die Bewohner*innen verhaftet, die Häuser verwüstet.
Als die Armee in das besetzte Dorf Qaryut, südöstlich von Nablus, einfiel, feuerten sie nicht nur Blendgranaten & Tränengaskanister auf pal. Wohnhäuser: Die 3 Sanitäter, Abed Al Hamdan, Bashar Mu’amer Qaryuti & Mo’tasem Badawi, fuhren mit einem Fahrzeug des Roten Halbmonds los, um Zivilisten zu helfen, die durch das Einatmen von Tränengas kaum atmen konnten. Die Sanitäter leisteten Hilfe für die Familien Kasab & ‘Awad Rateb. Als sie das Haus von Rateb verließen, stellten sie fest, dass die isr. Soldat*innen die Heckscheibe des Fahrzeugs eingeschlagen hatten.

Von einem militärischen Wachturm aus, nahe der illegalen Siedlung “Beit El” nördlich von Ramallah schossen isr. Soldat*innen auf 2 pal. Kinder, die sich in der Nähe des Eingangs zum pal. Viertel Al Yasmin aufhielten, das an die genannte Siedlung angrenzt. Angeblich hätten sie Steine geworfen. Die Kinder, 15 & 16 Jahre alt, erlitten Verletzungen an Füße & Beinen & mussten zur Behandlung ins Krankenhaus. Zur gleichen Zeit gab es Razzien & Hausdurchsuchungen in Al Yasmin, wobei die Überwachungskameras beschlagnahmt wurden.

Auch diese Woche setzte die Besatzung exzessive Gewalt an, um jede Form von Protest zu unterbinden. Dutzende Palästinenser*innen wurden verwundet, darunter 3 Kinder & der pal. Arbeitsminister Nasri Abu-Jash (54), der bei der Niederschlagung eines friedlichen Protestes in Nablus durch die isr. Armee von Kugeln in Bauch und Rücken getroffen wurde.

Am Mittwoch erlitt Ali Mousa Jahaleen Abu Dahok (18) während des Schafehütens aus dem Dorf Deir Hajla im Osten Jerichos schwere Verletzungen durch die Explosion eines von der isr. Besatzungsarmee zurückgelassen Sprengsatzes. Der Teenager erlitt tiefe Wunden an den Füßen & wurde in ein Krankenhaus in Bethlehem gebracht.

Freiluftgefängnis Gaza: Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 14. Jahr in Folge an, ohne jegliche Verbesserung des Personen- & Warenverkehrs, der humanitären Bedingungen & mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit.

Auch diese Woche fielen wieder Schüsse auf pal. Zivilisten im Gazastreifen, abgefeuert von isr. Soldat*innen. 3 Mal wurden Farmer & Schafhirten auf ihren Feldern & 3 weitere Male Fischer auf ihren Fischerboote beschossen. Ebenso marschierte isr. Militär kurzzeitig in den Gazastreifen ein.

Der erst 17jährige Abdul Rahim Rami Al Khaldi (17) aus dem Flüchtlingslager Al Bureij im Gazastreifen wurde verhaftet, als er diese Woche versuchte, den “Grenz”zaun zu Israel zu überqueren. Er soll nun einem Gericht in Ashkelon, Israel, vorgeführt werden.

Systematische Vertreibung im Westjordanland: Allein diese Woche wurden 5 pal. kommerzielle Einrichtungen & 4 Häuser im besetzten Jerusalem auf Geheiß der Besatzung abgerissen. 2 davon wurden von den Familien selbst abgerissen, da die Besatzung den illegtimen Abriss den Familien auch noch in Rechnung stellt. Um den finanziellen Ruin abzuwehren, nehmen einige Familie den angeordneten Abriss selber vor. Ebenso erging der Beschluss, 50.000 m² Land in Bethlehem zu beschlagnahmen & 15 Wohnzelte in der Beduinengemeinschaft Khirbet Tana abzureißen. Laut einem Bericht der OCHA, einer Behörde der UN für Menschenrechte, der am Dienstag veröffentlicht wurde, wurden im Februar diesen Jahres 153 pal. Wohngebäude & Infratsruktur zerstört. Das die vierthöchste monatliche Gesamtzahl israelischer Zerstörungen in der Westbank & Jerusalem, die von der UN dokumentiert wurde, seit sie 2009 mit der Aufzeichnung solcher Zahlen begann.

Das israelische Bezirksgericht von Jerusalem hat die gewaltsame Räumung von 28 pal. Familienhäusern mit insgesamt 500 Mitgliedern im Stadtteil Sheikh Jarrah zu Gunsten einer Siedlerorganisation angeordnet, die wahrscheinlich an zwei Terminen im kommenden Mai & August stattfinden wird. Sheikh Jarrah gilt als das Nordtor zur Altstadt von Jerusalem. Daher war es schon immer ein Hauptziel für illegale, koloniale Siedlerorganisationen, mit Hilfe & Unterstützung der offiziellen israelischen Behörden. Die Familien des Viertels sind Flüchtlinge der Nakba — der gewaltsamen Vertreibung von 80% aller indigenen Palästinenser*innen aus dem heutigen Israel im Rahmen der israelischen Staatengründung 1948. Sieben Jahrzehnte später sind sie weiterhin von Vertreibung bedroht.

“Wir leben schon seit 65 Jahren in diesem Haus. Jeder Stein oder jedes Stückchen Sand erinnert uns an unsere Eltern & Vorfahren. Unsere Kinder sind verängstigt. Sie fragen ständig, warum die Israelis uns rauswerfen wollen.”

— Aref Hammad, pal. Bewohner des Viertels Sheikh Jarrah

“Ich habe hier studiert, ich bin hier aufgewachsen, habe hier geheiratet & Kinder bekommen. Das Haus verlassen zu müssen bedeutet, mich zu entwurzeln.”

— Nabil Al Kurd, Bewohner von Sheikh Jarrah

“Wenn sie unsere Häuser in Sheikh Jarrah beschlagnahmen, werden sie fortfahren, Häuser in weiteren Jerusalemer Stadtteilen zu beschlagnahmen, bis kein palästinensisches Haus mehr in Jerusalem übrig ist.”

Muna Al-Kurd — eine palästinensische Bewohnerin aus Sheikh Jarrah

Siedler-Gewalt: Auch diese Woche verübten Siedler zahlreiche Angriffe auf pal. Zivilisten & versuchten, privates pal. Land in Salfit, Al Khalil (Hebron) & Nablus zu beschlagnahmen. Der Farmer Sa’eed Elyan & seine Frau Rima wurden ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie von Siedler mit einem Metalgegenstand am Kopf schwer angegriffen wurden, was zu drei gebrochenen Knochen an seinem Schädel führte & weiteren schweren Verletzungen. Seine Frau Rima wurde nur leicht verletzt.

Sa’eed Elyan & seine Frau Rima wenige tage nach dem Angriff von Siedlern.

Keine Bewegungsfreiheit auf eigenem Land: Die Besatzung errichtete 55 temporäre Militärcheckpoints im Westjordanland & verhaftete willkürlich 3 palästinensische Zivilisten an diesen. Insgesamt gibt es 705 permanente Militärcheckpoints im Westjordanland, die die Bewegungsfreiheit von Palästinenser*innen massiv einschränken, nicht jedoch die von Siedlern & weiteren Israelis.

Palästinenser*innen in Israel: Seit 9 Wochen gehen Tausende von Palästinenser*innen (mit isr. Pässen) in Israel auf die Straßen. In den Großkundgebungen in Umm Al Faham und anderen pal. Städten Israels protestieren sie gegen die Mitschuld der israelischen Polizei an der anhaltenden Verbrechenswelle in den mehrheitlich arabischen Gemeinden sowie gegen rassistische Polizeigewalt gegenüber Palästinenser*innen.

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