Ein zugrunde gerichtetes Kind

Die Gesundheit, v.a. die psychische, des Gefangenen Ahmad Manasra hat sich so stark verschlechtert, dass er letzte Nacht in ein Gefängniskrankenhaus in Ramleh (Israel) gebracht werden musste. Ahmad ist ein zugrunde gerichtetes Kind. Er ist seit Beginn seiner Haft — er war erst 13 — immer wieder Folter & Isolationshaft ausgesetzt. Morgen soll ein Gericht darüber entscheiden, ob seine Isolationshaft verlängert wird. Der heute 21-jährige Manasra wurde vor 7 Jahren als Kind verhaftet & letztlich seiner Kindheit & Gesundheit beraubt.

Ahmad Manasra wurde zu 12 Jahren Haft in einem israelischen Gefängnis verurteilt, die später auf 9 Jahre reduziert wurden; nur weil er mit seinem Cousin Hassan Manasra zusammen war, der 2015 in der Nähe der illegalen Siedlung Pisgat Ze’ev im besetzten Ostjerusalem 2 israelische Siedler niedergestochen haben soll. Obwohl Ahmad nicht an dem Angriff beteiligt war — was von den israelischen Gerichten bestätigt wurde — wurde Manasra wegen versuchten Mordes angeklagt.

Hassan, der damals 15 Jahre alt war, wurde von einem israelischen Zivilisten erschossen, während der 13-jährige Ahmad von einem israelischen Mob schwer verprügelt & von einem israelischen Fahrer überfahren wurde, wobei er Schädelfrakturen & innere Blutungen erlitt.

Ein Video (s. oben), das zeigt, wie Ahmad Manasra blutend am Boden liegt & nach Hilfe ruft, während Israelis um den Jungen herumstehen & ihn anschreien, beschimpfen & zubrüllen “stirb du Hurensohn!” sowie “Schießt ihm in den Kopf!”, sorgte international für Entsetzen. Ein weiteres Video zeigt, wie Manasra nach dem Vorfall von israelischen Polizisten brutal — ohne Answesenheit der Eltern oder eines Anwalts — verhört wird. Sie setzten bei den Verhören psychologische Einschüchterung, unzumutbar lange Verhördauern & Schlafentzug ein, zusätzliche Belastungen zu den zuvor erlittenen körperlichen Verletzungen, die ein Kind in diesem Alter nicht ertragen kann.

Immer wieder tauchten in den letzten Jahren Videos auf, die klar auf die schweren Misshandlungen & Folter Ahmads hinweisen. Außerdem schränkten die israelischen Behörden Familienbesuche massiv ein — auch Anrufe zwischen dem Kind & seinen Eltern.

Zum Zeitpunkt von Manasras Verhaftung besagte das israelische Gesetz, dass Kinder unter 14 Jahren nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Um dies zu umgehen, warteten die israelischen Behörden, bis Manasra 14 Jahre alt war, um ihn zu verurteilen, bevor das Gesetz im August 2016 von der Regierung geändert wurde.

Manasra wurde in den vergangenen Monaten in Einzelhaft gehalten, was seinen schlechten psychischen Gesundheitszustand, dessen Anzeichen nach Angaben von Manasras Anwalt Khaled Zabarqa & seinem Onkel vor etwa eineinhalb Jahren begannen, nur noch verschlimmert hat.

Im Dezember 2021 durfte ein externer Arzt Manasra zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung besuchen. Der Arzt, ein Psychiater von Ärzte ohne Grenzen (MSF), erstellte einen medizinischen Bericht, der inzwischen seiner Akte beigefügt wurde & in dem es heißt, dass Manasra an Schizophrenie leidet.

“Seine geistige Gesundheit verschlechtert sich im Gefängnis. Er weint ständig, er stellt sich Dinge & Situationen vor, die nicht existieren, er bringt seine Sprache durcheinander”, so Manasras Onkel. “Ich war im Gefängnis & habe solche Fälle gesehen — wir dachten, es sei eine Phase, die vorübergehen würde, aber es wird immer schlimmer.”

“Ahmad hätte schon vor langer Zeit freigelassen werden müssen”, so Manasras Anwalt Zabarqa.

“Er leidet, er ist ein chronisch psychisch kranker Patient & es besteht eine echte Gefahr für sein Leben. Als ich ihn das letzte Mal besuchte, fragte er mich, ob ich mir sicher sei, dass es im Islam ungesetzlich ist, wenn Menschen sich selbst töten” — Zabarqa, Ahmad Manasras Anwalt.

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