Ein Kind verliert sein Auge & 215 weitere Menschenrechtsverstöße

Eine weitere Woche (12.- 18.11.2020) in Palästina verging unter Besatzung

Exzessive Gewalt: 12 palästinensische Zivilisten, darunter 2 Kinder & 1 Fotojournalist, wurden durch Besatzungssoldaten im Westjordanland verwundet. Eines der beiden Kinder, Bashar Elayan, verlor durch ein gummiüberzogenes Metallgeschoss sein rechtes Auges (s. Foto). Er war auf dem Heimweg von der Schule. Diese gefährliche Munition ist in Israel verboten, im Westjordanland im Einsatz gegen Palästinenser*innen jedoch erlaubt.

Bashar Elayan

Auch gestern ging die Besatzungsarmee gewaltsam gegen friedliche Freitagsproteste gegen Landraub, Besatzung & Siedlungsbau vor, u.a. in Bei Dajan, wo gegen einen neu errichten Siedlerposten demonstriert wird. Besonders häufig wird dabei aggressives Tränengas eingesetzt. In der Ortschaft Kufr Malek verhafteten isr. Soldat*innen gestern während friedlicher Proteste sogar einen Rettungssanitäter.

Gaza: Erneut wurde Farmland in Gaza durch isr. Militär beschossen. Die isr. Marine attackierte auch diese Woche wieder ein Fischerboot vor Gazas Küste. Die regelmäßigen Angriffe auf Gazas Fischer sowie das Verbot, mehr als nur wenige Kilometer vor Gazas Küste fahren zu dürfen, haben die dortige Fischereiindustrie um über 50% zusammenbrechen lassen. Die 13jährige isr. Totalblockade Gazas hat zu massiver Armut geführt, Fischer zählten schon vorher zur ärmsten Bevölkerungsschickt.
In der Nacht zum 15.11.2020 wurde aus Gaza eine Rakete gen Tel-Aviv abgefeuert. Israel reagierte mit Luftschlägen auf Gaza. Verletzt wurde auf beiden Seiten niemand.

Überfälle & Verhaftungen: Mind. 101 Mal ist die isr. Armee in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich Jerusalem eingefallen. Dabei wurden 77 Zivilisten verhaftet, darunter 5 Kinder. Insgesamt 400 pal. Kinder wurden seit Beginn diesen Jahres von der Besatzung verhaftet

Annexion, Siedlungsbau, Vertreibung: Israel nutzt die verbleibende Amtszeit Trumps & veröffentlicht Ausschreibungen für den Bau von 1.365 neuen illegalen Siedlungseinheiten im besetzten Beit Safafa südlich von Jerusalem. Der Bau dieser Siedlungseinheiten würde Bethlehem von Beit Safafa & dem südlichen besetzten Ost-Jerusalem abschotten & weitere Einschränkungen & Hindernisse für die Bewegungsfreiheit & den Zugang der Palästinenser*innen zu ihrem Land mit sich bringen. Der isr. Bügermeister Jerusalems begrüßte gemeinsam mit Siedlern eine EU-Delegation, die gegen den geplanten Siedlungsausbau protestieren wollte, mit Rufen wie “Antisemiten!” Ebenfalls diese Woche: Eine Organisation antizionistischer Juden demonstrierte in Jerusalem & zeigte Solidarität mit Palästinenser*innen.

Gleichzeitig ging die Vertreibung der indigenen pal. Bevölkerung weiter. 5 pal. Familienhäuser wurden abgerissen, weitere Abrissanordnungen wurden in Jerusalem & dem Westjordanland verteilt. Den Menschen droht die Obdachlosigkeit. Um ihnen die wirtschaftliche Grundlage weiter zu entziehen, beschlagnahmte die Besatzung auch 6 Traktoren.

Siedler-Angriffe: Siedler stohlen in Ramallah einem pal. Bauern 20 Schafe & attackierten in Hebron ein pal. Kind. In Silat Al Daher nahe Jenin randalierten Siedler & zerstörten u.a. Wassertanks pal. Familienhäuser. Am 18. November 2020 spät in der Nacht besetzten Siedler*innen eine im Jahr 2005 geräumte Siedlerkolonie, die auf palästinensischem Bauernland im Dorf Sanour errichtet worden war. US-Außenminister Pompeo ehrte den Siedlungsbau, in dem er als 1. US-Außenminister eine illegale Siedlung in den besetzen, syrischen Golan-Höhen besuchte & Israels Souveranität über diese bekräftigte. Siedlungen gelten laut Völkerrecht als Kriegsverbrechen.
Die illegale Siedlung Lesheem, erbaut auf palästinensischen Land der Dörfer Kufr Eddik & Der Balout, leitet weiter ihre Abwässer in palästinensische Olivenhaine, die dadurch massiv geschädigt werden & Einnahmensbußen für die pal. Farmer darstellen.

Keine Bewegungsfreiheit auf eigenem Land: Die Besatzung errichtete 80 neue vorübergehende Militärcheckpoints im Westjordanland ein & verhaftete 16 palästinensische Zivilisten an diesen.

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