Dritter Angriff auf Flüchtlingslager Jabalia — Daily Update

Dritter Angriff auf Flüchtlingslager Jabalia 

Das Jabalia Flüchtlingslager, das größte Flüchtlingslager in Gaza, wurde zum dritten Mal in diesem Krieg Ziel israelischer Angriffe.

Gaza

  • Seit der Weiterführung der israelischen Angriffe auf Gaza sind in den letzten 24 Stunden mindestens 700 Palästinenser*innen getötet worden. Damit steigt die Gesamtzahl der Todesopfer in Gaza seit dem 07. Oktober auf mindestens 15.207.
    Der zuvor von uns auf Deutsch übersetzte und hier veröffentlichte Artikel von Yuval Abraham (+972 Magazin) erklärt einige Hintergründe dazu, warum die Zahl der getöteten palästinensischen Zivilist*innen in diesem Gazakrieg derart hoch ist. 👉🏼 https://occupied-news.medium.com/eine-fabrik-f%C3%BCr-massenmorde-israels-kalkulierte-bombardierung-des-gazastreifens-676f53a89c17
  • Im Norden Gazas hat Israel erneut das Jabalia Flüchtlingslager angegriffen. Jabalia ist mit knapp unter 1,5 km2 und ca. 116.000 registrierten Flüchtlingen das größte Flüchtlingslager in Gaza und dicht besiedelt. Trotzdem wurde das Flüchtlingslager im Laufe dieses Krieges bereits zwei Mal das Ziel von israelischen Angriffen. Bei dem heutigen, dritten Angriff wurden mehrere Häuser gleichzeitig attackiert, weshalb die Zahl der Getöteten und Verschütteten besonders hoch ist. Und selbst Rettungskräfte werden beim Versuch Hilfe zu leisten angegriffen.
  • Reuters und Al Jazeera berichten von Kämpfen zwischen palästinensischen Kämpfer*innen und der israelischen Armee in den Sheikh Radwan und Nassr Stadtteilen in Gaza City.
  • Weitere 600 Personen mit anderer oder Palästinenser*innen mit doppelter Staatsbügerschaft werden vorausichtlich Gaza über den Rafah-Grenzübergang verlassen dürfen. Mehr als 300 davon haben die US-amerikanische oder kanadische Staatsbürgerschaft, weitere kommen unter anderem aus Deutschland, Griechenland, den Philippinen, Norwegen und der Türkei. Seit der Weiterführung der Kampfhandlungen am Freitag wurde die Grenze in Rafah damit für fast 900 Personen mit anderer oder doppelter Staatsbürgerschaft geöffnet. Darüber hinaus durften auch 13 weitere verletzte Personen am frühen Sonntag den Gazastreifen über Rafah verlassen.
  • Die Hamas gab bekannt, dass alle Verhandlungen zum Austausch weiterer Gefangenen abgebrochen werden, solange Israel seine Angriffe auf Gaza fortführt. Bereits gestern forderte die Hamas ein Ende der Kampfhandlungen, sowie die Freilassung aller Gefangenen als Grundlage für weitere Verhandlungen. Gleichzeitig hat Israel ebenfalls gestern seine Verhandlungsführer*innen aus Qatar abgezogen und begründete dies damit, dass die Hamas die Bedingungen des Waffenruheabkommens verletzt habe.
  • Thomas White, Direktor für UNRWA-Angelegenheiten in Gaza, berichtet, dass eine der von den Vereinten Nationen geführten Schulen in der belagerten Enklave derzeit von einem Hepatitis-A-Ausbruch betroffen sei. Damit betont White die wachsende Gefahr von ansteckenden Krankenheiten, welche durch die Zerstörung ziviler und medizinischer Infrastrukturen in Gaza gegeben ist. Hepatitis A ist eine hoch ansteckende, kurzfristige Leberinfektion, die sich durch engen persönlichen Kontakt oder den Konsum kontaminierter Lebensmittel oder Getränke ausbreitet.
  • Der NGO Heritage for Peace zufolge hat Israel in diesem Krieg in Gaza 100 Wahrzeichen des palästinensischen Kulturerbes zerstört. Dazu gehört unter anderem die Große Omari Moschee, eine der bedeutendsten antiken Moscheen im historischen Palästina; die Kirche des Heiligen, welche als drittälteste Kirche der Welt gilt; ein 2.000 Jahre alter römischer Friedhof, welcher erst letztes Jahr ausgegraben wurde; sowie das Rafah Museum, welches sich auf das Erbe der Küstenenklave fokussiert.

Westjordanland

  • Bei einer Razzia der israelischer Kräfte in Qalqilya, in der besetzten Westbank, wurde heute morgen ein 21-jähriger Palästinenser erschossen.
  • Auch die Gewalt durch israelische Siedler*innen, welche in den letzten fünf Tagen kurzzeitig zurück ging, nimmt — insbesondere in Nablus und Hebron — wieder zu. An diesem Wochenende wurde Bani Hassan (38) in Qawarat bei einer Konfrontation zwischen palästinensischen Anwohner*innen mit israelischen Siedler*innen unterstützt durch das Militär durch einen Schuss in die Brust getötet. In der Provinz Salfi wurde Ahmed Assi (38) ebenfalls von Siedler*innen erschossen. In einem weiteren Vofall an diesem Wochenende in der Nähe von Nablus setzten ca. 15 Siedler*innen ein Auto in Flammen und zebrachen Fensterscheiben mit Steinen. Seit dem 07. Oktober zählt die UN bereits 305 solcher Vorfälle von Siedlergewalt, bei der mindestens neun Palästinenser*innen getötet wurden.
  • Nach Angaben der Palestinian Prisoner’s Society wurden bei Razzien in der Westbank vergangene Nacht mindestens 60 Palästinenser*innen inhaftiert. Die Verhaftungen fanden hauptsächlich in Hebron, Bethlehem, Jericho, Ramallah, Nablus und Jenin statt. Damit steigt die Zahl der seit dem 07. Oktober Inhaftierten auf ca. 3.000 Palästinenser*innen. Auch während der Waffenpause vom 24.-30. November gingen die Inhaftierungen weiter, in diesem Zeitraum nahm Israel in etwa so viele Palästinenser*innen gefangen, wie durch den Gefangenenaustausch freigelassen wurden.

International

  • Die Möglichkeit, dass sich der Gazakrieg zu einem weiteren regionalen Krieg ausweitet ist nach der Waffenruhe immer noch nicht gebannt. An der israelisch-libanesischen Grenze kam es erneut zu Schusswechsel. Israelische Medien berichteten, dass vier Soldat*innen dabei “leicht” verletzt wurden. Auch der iranische Außenminister, Hossein Amirabdollahian, warnte erneut in einem Telefonat mit dem EU Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borell, dass “[w]enn die vom israelischen Regime im Gazastreifen und im Westjordanland begangenen Kriegsverbrechen nicht gestoppt werden, … sich das Ausmaß des Krieges in der Region wahrscheinlich verschärfen und ausweiten [wird].“
  • Auf der Suche nach verschollenen Gefangenen will das Großbritannien Überwachungsflugzeuge über Israel und Gaza fliegen, gab das britische Verdeidigungsministerium bekannt. Die Flugzeuge sollen allein der Informationsbeschaffung dienen und nicht bewaffnet sein. „Nur Informationen im Zusammenhang mit der Geiselbefreiung werden an die für die Geiselbefreiung zuständigen Behörden weitergegeben“, hieß es.

Das kann Sie auch interessieren:

Deutschland & Israel unterzeichnen neuen Militärkooperationsvertrag

Deutschland & Israel unterzeichnen neuen Militärkooperationsvertrag

Foto:Israelisches Kriegsschiff (HEIDI levine) via The Independent Inmitten des Völkermordes in Gaza, wegen dem sich …