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“Der tödlichste Ort für Journalisten”

Gaza

  • Seit dem 07. Oktober wurden 18.787 Palästinenser:innen in Gaza getötet.
  • Der UN zufolge konnten bisher nur 500 verletzte Palästinenser:innen und andere Personen mit medizinischem Behandlungsbedarf aus dem Gazastreifen evakuiert werden. Das entspricht gerade einmal 1 Prozent der 50.500 Verletzten. Dabei würden 8.000 von ihnen sofortige Hilfe benötigen.
  • Gaza ist der tödlichste Ort für Journalist:innen und deren Familien dieses Jahr: Dem Internationalen Journalistenverband zufolge kamen 73 Prozent der dieses Jahr weltweit getöteten Journalis:innen und Medienangestellten in Gaza ums Leben. Das OHCHR bestätigte die Ermordung von 50 Journalist:innen und Medienschaffenden in Gaza und erhielt Informationen über möglicherweise 30 weitere Fälle. Insgesamt sind das etwa 6 Prozent aller beim Journalistensyndikat in Gaza registrierten Personen. „Journalisten und Medienschaffende haben mithilfe verschiedener Instrumente, darunter auch sozialer Medien, die Welt in Echtzeit über die Schrecken informiert, die die Zivilbevölkerung in Gaza ertragen muss. Ihr Engagement verdient Anerkennung. Aber nach und nach werden diese Augen vor Ort dunkel“, heißt es in einer Erklärung des UN-Büros.
  • Nachdem in den vergangenen Wochen Nachrichten über Folterungen und Demütigungen palästinensischer Männer Schlagzeilen machten, berichtet die Palestinian Commission of Detainees Affairs nun auch über Folterungen von in Gaza gefangen genommenen palästinensischen Frauen durch das israelische Militär.
    Das UN-Menschenrechtsbüro gab an, mehrer Berichte über Massenverhaftungen, Misshandlungen und das gewaltsame Verschwindenlassen von möglicherweise Tausenden Palästinenser:innen durch israelische Soldaten im Norden Gazas erhalten zu haben. Unter ihnen befinden sich mindestens 100 Frauen und Mädchen – glaubwürdige Quellen sprechen von 140 willkürlich festgenommenen Frauen und Mädchen, die an unbekannten Orten festgehalten werden. Darüber hinaus befinden sich auch Senior:innen unter den Gefangenen. In mehreren Zufluchtsorten, vor allem in Schulen, wurden außergerichtliche Hinrichtungen von Zivilist:innen durchgeführt.
  • Drei israelische Gefangene der Hamas — Yotam Haim, Alon Shamriz and Samer El-Talalqa — wurden vergangenen Freitag durch das israelische Militär im Norden Gazas getötet. Es wird vermutet, dass die drei Männer sich entweder selbst aus der Gefangenenschaft befreien konnten oder aber zurückgelassen wurden. Bei ihrer Begegnung mit dem israelischen Militär inmitten eines Kampffeldes mit der Hamas in Gaza City waren sie oberkörperfrei und einer trug sogar eine weiße Flagge. Trotzdem, so berichtete CNN, fühlte sich mindestens einer der Soldaten bedroht, eröffnete Feuer und tötete dabei zwei der Männer. Der dritte flüchtete zunächst zurück in das Gebäude aus dem die drei kamen, rief auf Hebräisch um Hilfe aber wurde bei einem späteren Beschuss auch getötet. Der Zwischenfall schockierte die israelische Gesellschaft und beschäftigt die dortigen Medien. In einem Leitartikel der Haaretz heißt es: „Man darf auch nicht verschleiern, was aus der Voruntersuchung der [israelischen Armee] hervorgeht, nämlich dass es bei Angriffen keine ausreichende Unterscheidung zwischen Hamas-Kämpfern und Zivilisten gibt. Dieses Mal zahlten israelische Geiseln auf tragische Weise den Preis.“
    Obwohl die israelische Regierung wiederholt erklärt hat, dass die Befreiung der Gefangenen ein zentrales Ziel des Krieges sei, hat sie in den sieben Wochen aktiver Bodenoperationen bisher nur eine Gefangene befreit und die toten Körper weiterer gefunden. Für die Angehörigen der in Gaza Gefangenen Israelis kommt nun die Angst hinzu, dass die entführten Familienmitglieder nicht nur durch die Hamas oder israelische Bombardierung Gazas, sondern auch durch die eigenen Bodentruppen getötet werden könnten.

Westjordanland

  • In einem Überfall israelischer Streitkräfte auf das Nur Shams Flüchtlingscamp in Tulkarem im besetzten Westjordanland wurden mindestens fünf Palästinenser:innen getötet. Eigenen Angaben zufolge hat das israelische Militär dabei ein Kampfflugzeug eingesetzt.
  • Ein 49-jähriger Mann wurde an einer Tankstelle in der Nähe des Rantis Checkpoint im besetzten Westjordanland von einem unbekannten mit einem Messer attackiert. Israels nationaler Notdienst Magen David Adom gab bekannt, den Mann, der bei vollem Bewusstsein ist, zu behandeln.
  • 505 Palästinenser:innen wurden in diesem Jahr im Westjordanland durch die israelische Besatzungsarmee und ihre Siedler:innen getötet, darunter 111 Kinder. Nach dem 7. Oktober stieg die Zahl der Toten auf 297, darunter 70 Kinder.

Israel

  • In Israel wächst der Druck auf den derzeitigen Likud-Premierminister Benjamin Netanyahu. Der Yesh Atid-Oppositionsführer Yair Lapid forderte nun vergangenen Mittwoch seinen Rücktritt und begründete dies mit der schlechten Regierungsführung im Krieg gegen die Hamas: „Diese Regierung funktioniert nicht“, sagte er gegenüber dem israelischen Channel 12. „Wir brauchen Veränderungen — Netanyahu kann nicht weiterhin Premierminister sein. Wir können es uns nicht erlauben, einen längeren Kampf mit einem Premierminister zu führen, an den die Öffentlichkeit kein Vertrauen hat“, fügte er hinzu. Nun besschuldigt der Likud Lapid, eine Regierung aufbauen zu wollen, die an einem palästinensischen Staat interessiert sei: „Es ist bedauerlich und beschämend, dass Lapid während eines Krieges Politik betreibt, wenn er vorschlägt, den Premierminister, der den Kampf leitet, zu stürzen und ihn durch eine Regierung zu ersetzen, die einen palästinensischen Staat gründen und der Palästinensischen Autonomiebehörde die Kontrolle über Gaza ermöglichen wird“, sagte die Partei in einer Stellungnahme. Die Partei Yesh Atid wiederum entgegnet, dass es lediglich darum ginge, Netanyahu zu ersetzen, nicht die regierende Likud-Partei.
  • Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Beginn der Bodeninvasion in Gaza 122 Soldaten getötet.

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