Der September 2022 im historischen Palästina — Monthly Summary

Westjordanland

Im vergangenen September wurden 2587 Verstöße gegen die Menschenrechte der Palästinenser:innen in den besetzten Gebieten gezählt.

Die Klassenkameraden des 7-jährigen Rayan Suleiman sitzen während der Beerdigung des Jungen am 30. September in Tuqu, einem Dorf südlich der Stadt Bethlehem im Westjordanland, neben seiner Leiche. Nach Angaben der Familie des Jungen erlitt Rayan einen Herzanfall, als israelische Soldaten sein Haus stürmten, während sie palästinensische Kinder verfolgten, die von der Schule nach Hause kamen. Oren Ziv ActiveStills

Getötet

Die israelische Besatzungsarmee tötete im September 13 Palästinenser, darunter 2 Kinder. Mindestens 436 weitere Palästinenser:innen wurden verletzt, darunter ein Journalist & ein Rettungssanitäter. Unter den Getöteten ist der 7-jährige Rayan Sulaiman, der vor Angst einen Herzinfarkt erlitt, als israelische Soldat:innen nach ihrer Jagd auf Schüler:innen in sein Elternhaus eindrangen.

Rayan Yaser Ali Sulaiman

Militärüberfälle

775 Mal fiel die Besatzungsarmee gewaltsam in Ortschaften des besetzten Westjordanlandes ein. Diese Übergriffe beinhalteten erneut willkürliche Razzien in zivilen Wohnhäusern, Verhaftungen sowie Schießereien der Soldat:innen, die Angst unter der Zivilbevölkerung hervorriefen. Dabei wurden 358 Palästinenser:innen willkürlich verhaftet, darunter 22 Kinder, 3 Frauen & 3 Journalist:innen.

Die Besatzungstruppen & Siedler verübten 245 Schussangriffe auf Palästinenser:innen.

Die Zahl der Angriffe auf Gebetsstätten und heilige Stätten erreichte 27.

Vertreibungspolitik

Die Vertreibung & Zwangsenteignung von Palästinenser:innen ging auch im vergangenen Monat weiter. Die Besatzungsarmee zerstörte 8 Familienhäuser, mehrere Tausend m² Ackerland sowie landwirtschaftliche Infrastruktur.

Seit Anfang 2022 hat die Besatzungsarmee 115 palästinensische Familien obdachlos gemacht, insgesamt 686 Personen, darunter 132 Frauen & 310 Kinder. Dies war das Ergebnis des Abrisses von 121 Häusern & 41 Wohnzelten durch die Armee. Diese Vertreibung erfolgt ohne Entschädigung oder alternativen Wohnraum. Die Besatzung zerstörte außerdem Ackerland & 92 weitere zivile Objekte (für Verwaltung, Bildung, Landwirtschaft, Medizin, Religion, etc.).

Die UN bezeichnet diese Praxis als Kriegsverbrechen, Amnesty International, Human Rights Watch & weitere Menschenrechtsorganisationen sowie die UN zeigen, dass es sich um eine Praxis israelischer Apartheidspolitik handelt, um die Demographie im besetzten Westjordanland zu Gunsten jüdisch-israelischer Siedler:innen zu verschieben. In diesem Sinne geht auch der völkerrechtswidrige Siedlungsbau im Westjordanland weiter. Dieser stellt gemäß Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen dar.

Keine Bewegungsfreiheit

Im September errichtete die Besatzung zusätzlich zu den 108 permanenten Militärcheckpoints 397 temporäre. Diese schränken die Bewegungsfreiheit von Palästinenser:innen massiv ein, Besuche von Verwandten, Freunden, Schulen, Universitäten oder die Fahrt zur Arbeit verzögern können Stunden dauern. Israelis sind von diesen Checkpoints nicht betroffen können diese auf eigenen Straßen umgehen.

Palästinenser passieren einen israelischen Militärkontrollpunkt mit einem von der AI kontrollierten Gewehr in der Shuhada-Straße in der Westbankstadt Hebron, 28. September. Oren Ziv ActiveStills

Siedlergewalt

Es kam im September zu mindestens 10 Angriffen & Gewaltaktionen von Siedler:innen gegen Palästinenser:innen. So überfiel am 17. September ein bewaffneter israelischer Siedler das Dorf Al Khader, hielt einen palästinensischen Bauern mit vorgehaltener Waffe fest & ließ ihn erst später wieder frei. Am 20. Septembergriffen israelische Siedler die Händler des Al Khawajat-Marktes in Jerusalems an & setzten Tränengas ein. Infolgedessen erlitten Dutzende von Händler:innen & Passant:innen schwere Atemnot. Seit Anfang des Jahres haben Siedler mindestens 184 Angriffe verübt. Bei zwei dieser Angriffe wurden 2 Palästinenser getötet.

Widerstand

Die Aktivitäten des Widerstands haben ihren Aufwärtstrend der letzten Monate beibehalten. Neben den wöchentlichen Demos & den Konfrontationen mit den eindringenden israelischen Soldat:innen, die vom Steinewerfen bis zu Maschinengewehren reichen, haben palästinensische Kämpfer in diesem Monat Angriffe auf militärische Checkpoints außerhalb der Städte verübt. Bei einem der Angriffe am Kontrollpunkt Jalamah wurde ein israelischer Offizier getötet.

Freiluftgefängnis Gaza

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 16. Jahr in Folge an, mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Sie ist völkerrechtlich illegal & gilt als aktive Kriegshandlung. Die 2,2 Mio dort lebenden Menschen Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf fast nichts exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiterhin beraubt wird. Zahlreiche Kranke warten zu lange oder gar vergeblich auf eine Erlaubnis zur Ausreise zwecks medizinischer Behandlung. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sind mehr als 62,2 % der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen. Es gibt nahezu kein Trinkwasser. Laut der UN gilt der Gazastreifen aufgrund der Zustände als unbewohnbar.

3 palästinensische Krebspatienten aus dem Gazastreifen verstarben diesen Monat, weil die israelische Besatzung ihnen die Ausreise aus dem Gazastreifen zur medizinischen Behandlung verbot. Seit Anfang dieses Jahres ist die Zahl der Patienten, die aufgrund Ausreiseverbot zur Behandlung außerhalb Gazas gestorben sind, auf 7 gestiegen, darunter 3 Kinder.

12 Mal schoss die israelische Marine diesen Monat von Kanonenbooten aus auf palästinensische Fischer vor der Küste des Gazastreifens. 16 Mal schossen israelische Soldat:innen im September auf Landwirt:innen & Schäfer im Gazastreifen, die daraufhin ihre Arbeit unterbrechen mussten.

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