Demütigung über den Tod hinaus

Die israelischen Besatzungsbehörden haben am Dienstag dieser Woche den tiefgefrorenen Leichnam der getöteten Palästinenserin Mai Afana übergeben, die im Juni 2021 von israelischen Soldat:innen im besetzten Jerusalem getötet wurde. Eine große Menschenmenge nahm an ihrem Trauerzug in ihrer Heimatstadt Abu Dis, einem Vorort des östlichen Teil des besetzten Jerusalem teil, nachdem ihre Familie ihren Leichnam in Empfang genommen hatte.

Am 16. Juni 2021 wurde die 29-jährige Mai Afana nahe des Dorfes Hizma bei Jerusalems von israelischen Soldat:innen in ihrem Auto erschossen. Seit diesem Tag hatten die israelischen Besatzungsbehörden ihre Leiche zurückgehalten.

Die getötete Mai Afana, eine Universitätsdozentin & Doktorandin.

Sie wurde von den Soldat:innen angeschossen & blutend in ihrem Wagen liegen gelassen. Palästinensische Medien berichteten übereinstimmend, dass kein Krankenwagen am Tatort ankam, nachdem sie angeschossen wurde. Die junge Doktorandin, Universitätsdozentin & Mutter einer damals 4-jährigen Tochter verblutete somit langsam. Laut Besatzungsarmee habe die junge Frau versucht, israelische Soldat:innen anzugreifen. Es wurde kein Soldat verletzt. Palästinensische & internationale Menschenrechtsrechtsgruppen beschuldigen immer wieder israelische Besatzungssoldat:innen, absichtlich Palästinenser:innen zu töten, die keine Gefahr für ihr Leben oder ihre Sicherheit darstellen. Es erfolgen weder anschließende Untersuchungen solcher Vorfälle noch werden Soldat:innen zur Rechenschaft gezogen.

Was das Zurückhalten der Leichen palästinensischer Opfer von Soldatengewalt betrifft, so stellt die Praxis Israels, die Leichen der Getöteten zurückzuhalten, für die Familien eine kollektive Bestrafung dar, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt.

Dieses Foto löste viel Fassungslosigkeit & Wut aus: Israelische Soldat:innen lachen bei der Übergabe der Leiche der Palästinenserin Mai Afana, die im Juni 2021 von deren Armeekamerad:innen ermordet wurde. Die Leiche der jungen Frau wurde von der Besatzung über ein Jahr der Familie vorenthalten & erst am 23.08.2022 tiefgefroren der Familie zur Bestattung übergeben.

Der traumatische Verlust eines geliebten Menschen kann ohne eine Beerdigung lange nicht verarbeitet werden. Wird der Leichnam nach langer Zeit endlich doch frei gegeben — teilweise erst nach Jahren — reißt das erlittene Trauma erneut auf. Nach Angaben der palästinensischen Kommission für Inhaftierte hält Israel immer noch die Leichen von 104 palästinensischen Getöteten zurück, die seit 2015 von seiner Armee getötet wurden, darunter auch die Leichen von 9 politischen Gefangenen. Die Praxis betrifft auch getötete palästinensische Kinder. So wurde bspw. im April 2021 der tote Körper des 16-jährigen Yusuf Abu Jazar Gazastreifen beerdigt, 3 Jahre nach seiner Ermordung durch israelische Scharfschützen.

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Seit 1967, dem Beginn der Besatzung des Westjordanlandes, hat Israel auch zahlreiche Friedhöfe in geschlossenen Militärzonen eingerichtet, in denen es die Leichen von Palästinenser:innen aufbewahrt, die durch Soldat:innen getötet wurden & von den Angehörigen nicht besucht werden können, das die Militärzone von Palästinenser:innen nicht betreten werden darf.

Al Haq, eine von Israel verfolgte & verbotene palästinensische Menschenrechtsorganisation: “Das Zurückhalten palästinensischer Leichen ist eine seit langem gängige Praxis Israels, die gegen seine Verpflichtungen als Besatzungsmacht nach dem Völkerrecht verstößt. Das humanitäre Völkergewohnheitsrecht schreibt vor, dass die an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien die Toten respektieren müssen, die “in einer respektvollen Weise beerdigt werden müssen”. Ferner verpflichtet es die Konfliktparteien, die sterblichen Überreste und persönlichen Gegenstände der Toten an ihre Familien zurückzugeben. Darüber hinaus schreibt Artikel 17 der Zweiten Genfer Konvention vor, dass die Verstorbenen gemäß den religiösen Riten, denen sie angehören, beigesetzt werden müssen”.

Es ist Usus, verstorbene Muslime noch am Tag ihres Ablebens zu bestatten.

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