Das Fass läuft über, auch über die Grenzen hinweg

Stand 22:00 Uhr

Tausende palästinensische Flüchtlinge, Jordanier & Libanesen marschieren zu & protestieren an Grenze zu Israel & den besetzten Gebieten, 1 Libanese erschossen |Gaza: Augenzeugen berichten von schlimmster Bombennacht seit Gazakrieg 2014, Zahl der Toten auf 126 angestiegen, darunter 31 Kinder | Pogrome rechtsradikaler Israelis gegen palästinensische Bürger*innen Israels, Überfälle auf arabische Privatwohnungen & Geschäfte | Lynchtrupps von Siedlern & Polizei unterstützt | Polizeigewalt gegen demonstrierende palästinensische Bürger*innen Israels, Netanjahu: “Ihr habt unseren vollen Rückhalt, habt keine Angst vor Untersuchungskommissionen” | heute 11 Palästinenser im Westjordanland durch israelische Armee erschossen | Massenproteste in Israel & Westjordanland, Überfälle auf israelische Polizeistationen

Gaza

Die Zahl der Toten ist in Gaza auf 126 angestiegen, darunter 31 Kinder & 20 Frauen. Über 950 Palästinenser*innen wurden verletzt. Der erst 2-jährige Ibrahim Al Rantisi kam vergangene Nacht bei einem israelischen Luftschlag ums Leben. In Gaza gibt es — im Gegensatz zu Israel — keine Luftschutzkeller, in denen Zivilisten Schutz vor israelischen Bombenangriffen finden könnten.

Zahlreiche Wohnhäuser & Geschäfte wurden durch gezielte Anschläge der israelischen Armee auf zivile Infrastruktur zerstört & die Bewohner*innen verletzt, teils getötet. Die israelischen Bombardierungen wurde letzte Nacht massiv ausgeweitet. Laut Augenzeugenberichten waren die israelischen Bombardements der letzten Nacht die schlimmsten seit dem Gazakrieg 2014.

“Meine Mutter wurde ohnmächtig vor lauter Angst & Bomben um unser Haus herum. Sie rief mich dann an, sehr traumatisiert & panisch & sagte “wir werden ermordet werden, wir werden ermordet werden, sie sind überall”. Sie meinte die israelischen Bombenangriffe.
Was soll ich zu meiner Mutter sagen, zu meiner 2 Jahre alten Nichte? Kann die internationale Gemeinschaft meiner Mama antworten?
Ich liebe dich Mama, ich liebe dich Mama. Gaza wird durchhalten… Ich weiß, dass du es kannst, & ich weiß, dass es schwer ist.

— Majed Abusalama, palästinensischer Aktivst in Berlin aus Gaza (Palästina Spricht)

Militante palästinensische Widerstandskämpfer im Gazastreifen starteten heute eine neue Welle von Raketenangriffen auf Ashkelon & Beersheba in Israel. Insgesamt kamen auf israelischer Seite 8 Personen durch palästinensischen Raketenbeschuss ums Leben, darunter 2 Frauen, ein Soldat, eine indische Gastarbeiterin & 2 Palästinenser. Ein Kind wurde gestern in Sderot verletzt.

Israel

Tausende Jordanier*innen & nach einst nach Jordanien vertriebene Palästinenser*innen marschierten heute gemeinsam zur Grenze mit dem besetzten Palästina & versuchten, aus Protest gegen die israelische Aggression auf Gaza & Jerusalem, die israelische Besatzungsarmee zu konfrontieren. Auch aus dem Libanon erschienen zahlreiche Libanesen sowie palästinensische Flüchtlinge gemeinsam an der Grenze zu Israel. Sowohl libanesische als auch jordanische Sicherheitskräfte/Grenzpolizei konnten sie nicht aufhalten. Libanesische Medien berichten, dass israelische Streitkräfte den jungen Libanesen Muhammad Qasem Tahhan aus dem Dorf Adlon in Sidon erschossen, nachdem er an einem Protest an der Grenze zu Israel aus Solidarität mit Jerusalem & Gaza teilgenommen hatte. Die Demonstrant*innen aus Libanon & Jordanien waren unbewaffnet.

https://twitter.com/i/status/1393185416090685446

Während dessen ziehen durch zahlreiche Städte Israels Rechtsradikale jüdische Israelis durch arabische Viertel & machen Jagd auf palästinensische Bürger*innen Israels. Private Wohnungen & Geschäfte werden attackiert, die Läden teils niedergebrannt. Die israelische Polizei schreitet hierbei nicht ein, die Palästinenser*innen sind auf sich allein gestellt. Siedler aus den besetzten Gebieten & Rechtsradikale ziehen ohne Eingriff der Polizei bewaffnet durch die Städte. In Lydda (Lod) wurde selbst der arabische Friedhof von Rechtsextremisten verwüstet.

In Kafr Qara, Kafr Qanna, Lod & zahlreichen weiteren Städten kam es zu Massenprotesten palästinensischer Staatsbürger*innen Israels, die die israelischen Sicherheitskräfte gewalttätig niederschlug. Bzgl. Lydda (Lod) sagte gestern Premierminister Netanjahu zur Polizei: “Ihr habt unseren vollen Rückhalt, habt keine Angst vor Untersuchungskommissionen.” In anderen Städten attackierten Palästinenser*innen Polizeistationen & -fahrzeuge.

Besetztes Jerusalem & Westjordanland

In mindestens 24 Ortschaften des seit 54 Jahren völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland konfrontierten Palästinenser*innen schwerbewaffnete israelische Besatzungssoldat*innen & deren Militärfahrzeuge mit Steinen, Molotovcocktails & Feuerwerkskörpern. Mohammed Rawhy Hammad (30) wurde heute von den israelischen Besatzungstruppen in Ramallah ermordet. Sie beschossen ihn in seinem Wagen. Insgesamt töteten heute, am 2. Tag des muslimischen Eid Al Fitr/Zuckerfestes, israelische Besatzungssoldat*innen 11 Palästinenser*innen & verletzten über 200 weitere im besetzten Westjordanland, einige befinden sich in einem äußerst kritischen Zustand. Die meisten wurden im Oberkörper verletzt, auch mit scharfer Munition. 2 der Toten wurden außerhalb der Demonstrationen von Soldat*innen erschossen.

Zudem griffen immer wieder Siedler Palästinenser*innen an. Siedler der illegalen Siedlung Yitzhar in der Nähe des besetzten Nablus, bildeten einen Lynchmob & versuchten das Dorf Urif anzugreifen & attackierten die Schule des Dorfes. Die Einwohner*innen wehrten sich gegen den Angriff, die israelische Besatzungsarmee selbst stand fest auf der Seite der Siedler & unterstütze sie bei ihrem Angriff, am Ende wurde ein Palästinenser schwer verletzt.

Israelische Besatzungstruppen haben “absichtlich palästinensische Journalist*innen ins Visier genommen, die über Angriffe & Übergriffe auf Jerusalem & die Gläubigen in den Höfen der Al-Aqsa-Moschee berichten”, sagte heute die Coalition For Women In Journalism (CFWIJ — Koalition für Frauen im Journalismus). Mindestens 10 Journalist*innen, darunter 2 Frauen, wurden bei den Vorfällen verletzt. In einer Erklärung sagte die CFWIJ, sie sei “zutiefst bestürzt über die vorsätzlichen & bösartigen Angriffe auf Journalisten.”

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