Auf Eskalation gebürstet

Auf Eskalation gebürstet

Bild: Joshua Roberts/Reuters via Al Jazeera

Während in den vergangenen Tagen sowohl Syrien, Irak als auch Jemen völkerrechtswidrig bombardiert werden, hat der nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, es abgelehnt, Angriffe auf Ziele im Iran auszuschließen.

In einem Gespräch mit NBC wurde Sullivan wiederholt gefragt, ob die USA Angriffe im Iran in Erwägung ziehen würden.

„Nun, ich werde heute hier in einer nationalen Nachrichtensendung nicht darauf eingehen, was wir im Hinblick auf militärische Aktionen ausgeschlossen haben“, so Sullivan. „Was ich sagen werde, ist, dass der Präsident entschlossen ist, auf Angriffe auf unser Volk mit aller Kraft zu reagieren. Der Präsident ist auch nicht auf einen größeren Krieg im Nahen Osten aus.“

Als er erneut auf die Frage angesprochen wurde, vermied er weiterhin eine direkte Antwort. „Ich werde mich nicht dazu äußern, was auf dem Tisch liegt und was nicht, wenn es um die amerikanische Antwort geht“, sagte er.

Die USA und Großbritannien haben in der vergangenen Nacht Angriffe auf die jemenitischen Houthis gestartet und den Jemen bombardiert. Deutschland ist Teil dieser den Jemen angreifenden Militärkoalition, bestehend aus 10 Ländern. Die Houthis blockieren aktuell im Roten Meer die Durchfahrt von Handelsschiffen, die entweder israelischen Gesellschaften gehören oder einen Zielhafen in Israel ansteuern. Israel soll die Totalblockade des Gazastreifens sowie dessen Bombardierung einstellen, dann dürften die Schiffe auch wieder passieren, so die Gruppe, die de facto Nordjemen regiert.

Alle anderen Schiffe dürfen bisher passieren, dennoch haben die größten Handelsgesellschaften ihre Schiffshandelsrouten nun verlegt und steuern das Rote Meer nicht mehr an. Stattdessen nutzen sie die kostenintensivere, weil längere Route um das Kap der Guten Hoffnung. Während vor allem westliche Staaten nun Handelsverluste in Milliardenhöhe fürchten, bombardieren zehn Staaten, darunter Deutschland, den kriegsgebeutelten Jemen, anstatt den Genozid in Gaza auf diplomatische Weise endlich zu beenden.

Die Angriffe auf den Jemen erfolgten nur einen Tag nachdem die USA und Großbritannien eine Reihe von mit dem Iran verbundenen Gruppen in Syrien und im Irak angegriffen hatten. Laut dem US Central Command (Centcom) wurden mehr als 85 Ziele im Irak und in Syrien angegriffen und dabei mit dem Iran verbundene bewaffneten Gruppen in den beiden ins Visier genommen.

Diese Gruppen würden „eine direkte Bedrohung für die Stabilität des Irak, der Region und die Sicherheit der Amerikaner“ darstellen“, so Centcom-Kommandeur General Michael Erik Kurilla. Laut der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens 23 Personen in Syrien getötet. Laut der irakischen Regierung kamen mindestens 16 Menschen bei den US-Bombenangriffen, die sowohl zivile als auch Sicherheitsbereiche betrafen, im Irak ums Leben, 25 weitere wurden verletzt. Sie verurteilte die „neue Aggression gegen“ ihre Souveränität und warnte vor schlimmen Folgen in der Region.

„Dieser aggressive Schlag wird die Sicherheit im Irak und in der Region an den Rand des Abgrunds bringen“, erklärte die irakische Regierung und wies die Behauptungen Washingtons, die Luftangriffe mit Bagdad zu koordinieren, als „falsch“ und „zur Irreführung der internationalen Öffentlichkeit“ zurück.

Laut den USA seien die Angriffe als Reaktion auf einen Drohnenangriff auf einen amerikanischen Außenposten in Jordanien erfolgt, bei dem drei Soldaten getötet wurden und für den die USA vom Iran unterstützte Gruppen verantwortlich machten.

Der Iran warnte am Sonntag, die Angriffe in der Region stünden im Widerspruch zu dem erklärten Wunsch der US-amerikanischen und britischen Führung, die Kämpfe in Gaza nicht zu einem regionalen Krieg auszuweiten. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani, sagte in einer Erklärung, die Angriffe stünden „in klarem Widerspruch zu den wiederholten Behauptungen Washingtons und Londons, dass sie keine Ausweitung von Krieg und Konflikt in der Region wollen“.

Er sagte, die beiden Länder würden „Chaos, Unordnung, Unsicherheit und Instabilität schüren“, indem sie Israel in seinem Krieg im Gazastreifen unterstützen, der nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza binnen 4 Monaten mindestens 27.365 Tote gefordert hat – mehr als 8.000 werden zur Zeit unter den Trümmern vermisst. Aktuell hat Israel damit begonnen, Rafah, den südlichsten Teil des Gazastreifens, anzugreifen, in dem über ca. 1,3 Mio Menschen vor israelischen Bomben geflohen sind und in Zeltlagern eng zusammengepfercht ausharren. Ein Einmarsch israelischer Bodentruppen droht ein Schlachten von Zivilist:innen in bisher ungeahntem Ausmaß zu werden.

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