Auch im Süden des Gazastreifens tödlich — Daily Update 8.11.

Auch im Süden des Gazastreifens tödlich

Gaza

Der Sprecher der Qassam-Brigaden, dem militanten Flügel der Hamas sagte, die Frage der Gefangenen habe für den bewaffneten Flügel der Hamas weiterhin Priorität. “Der Fall der Geiseln hat für uns weiterhin Priorität, und wir betonen, dass die einzige Möglichkeit, sie zu befreien, ein vollständiger oder schrittweiser Gefangenenaustausch ist”, sagte er in einer Fernsehansprache auf Al-Aqsa TV. Der Sprecher der Qassam-Brigaden sagte, die Gruppe halte Frauen, kranke und ältere Menschen sowie andere Zivilisten gefangen, betonte jedoch, dass Israel die gleichen Personen in seinen Gefängnissen festhalte. “Dieses Problem kann nur durch einen Handel innerhalb jeder dieser Kategorien [von in Gefängnissen Gefangenen und Geiseln] oder durch einen umfassenden Prozess, der alle einschließt, gelöst werden”, fügte er hinzu.

Nord-Gaza:

Die Lage von Hunderttausenden von Palästinenser:innen in Gaza-Stadt und anderen Gebieten nördlich des Wadi Gaza (im Folgenden: der Norden) wird immer schlimmer. Die bewaffneten Zusammenstöße und die intensiven Bombardierungen dauern an, während die Menschen darum kämpfen, das Minimum an Wasser und Nahrungsmitteln zum Überleben zu erhalten.

Am 7. November gab es im Norden keine Bäckereien mehr, da es an Treibstoff, Wasser und Weizenmehl mangelt und viele Bäckereien beschädigt sind. Die Partner im Bereich der Ernährungssicherheit waren in den letzten sieben Tagen nicht in der Lage, Hilfe in den Norden zu liefern.

Die Angriffe in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern im Norden halten an. Darin sind Zehntausende von Binnenvertriebenen untergebracht, die nur mit dem Nötigsten versorgt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation führen die Krankenhäuser im Norden aufgrund des Mangels an medizinischen Hilfsgütern komplexe Operationen, einschließlich Amputationen, ohne Anästhesie durch.

Am Sonntag präsentierte der israelische Militärsprecher Daniel Hagari Videos, Fotos und Tonaufnahmen, die seiner Meinung nach auf die Strategie der Hamas hinweisen, Krankenhäuser als Deckung zu nutzen, insbesondere unter dem Sheikh Hamad Hospital.
Al Jazeera hat nun eine Recherche veröffentlicht, die zeigt, dass die Behauptung Israels, ein Hamas-Tunnel befinde sich unter dem katarischen Sheikh-Hamad-Krankenhaus im Norden des Gazastreifens, nicht zu belegen ist.

Dem Al-Quds-Krankenhaus in Gaza-Stadt wird nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds (PRCS) voraussichtlich am heutigen Mittwoch der Treibstoff ausgehen.

Die Straßen zum Krankenhaus sind wegen der Bombardierungen in der vergangenen Nacht komplett geschlossen, so dass Krankenwägen und medizinisches Personal keine Möglichkeit haben, das Krankenhaus zu verlassen, um Verletzte zu erreichen (Aljazeera)

Süd-Gaza

Am 7. November forderte das israelische Militär die Bewohner des Nordens erneut auf, in den Süden zu ziehen. Den vierten Tag in Folge öffnete es einen “Korridor” entlang der Hauptverkehrsader, der Salah-Ad-Deen-Straße, für die Bewohner:innen, damit sie den Norden zwischen 10 und 14 Uhr verlassen konnten. UN-Beobachter:innen schätzen, dass bis zu 15.000 Menschen den Korridor passiert haben könnten, dreimal so viele wie am 6. November. Die meisten von ihnen, darunter Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, kamen zu Fuß und mit nur wenigen Habseligkeiten an. Einige Binnenvertriebene berichteten, dass sie israelische Kontrollpunkte passieren mussten, um das Gebiet zu erreichen, und Zeugen von Verhaftungen durch israelische Streitkräfte wurden.

Die südlichen Gebiete des Gazastreifens sollen “aus israelischer Sicht sicher sein”, sagte Tareq Abu Azzoum von Al Jazeera.Die israelische Armee hat die Bewohner von Gaza-Stadt und des Nordens aufgefordert, den Süden zu evakuieren, aber viele wurden bei Luftangriffen getötet, als sie versuchten, sich auf den Weg zu machen.

Außerdem berichtet Aljazeera, dass mehr als 40 Prozent der heutigen Opfer aus den südlichen Gebieten des Streifens stammen: “Im Flüchtlingslager al-Nuseirat und in der Stadt Khan Younis wurden die Angriffe fortgesetzt”, sagte Abu Azzoum.

Die Notunterkünfte südlich von Wadi Gaza sind nicht in der Lage, die Neuankömmlinge aufzunehmen, da sie stark überfüllt sind; in einer Unterkunft müssen sich über 600 Binnenvertriebene eine Toilette teilen.

Die täglich aus Ägypten eintreffende humanitäre Hilfe deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs der Menschen. Nur 4 Prozent der Bewohner:innen des Gazastreifens werden mit Trinkwasser versorgt, während der dringend benötigte Treibstoff weiterhin verboten ist.

Westjordanland

Die Angriffe der Besatzung auf palästinensische Dörfer und Städte halten an: Laut Aljazeera wurden beispielsweise in Bethlehem 30 Kinder in einem Internat für Waisenkinder von den israelischen Streitkräften mit Tränengas beschossen.

Laut dem Amt der UN für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) haben israelische Streitkräfte zwischen dem Nachmittag des 6. November und dem Mittag des 7. November an drei verschiedenen Anlässen insgesamt drei Palästinenser erschossen: bei einer Durchsuchungs- und Festnahmeaktion in Sa’ir (Hebron) und bei Solidaritätsprotesten mit Gaza in Beit ‘Anan (Jerusalem) und Beit Fajjar (Bethlehem).

Seit dem 7. Oktober wurden 150 Palästinenser:innen, darunter 44 Kinder, von israelischen Streitkräften getötet; weitere acht, darunter ein Kind, wurden von israelischen Siedlern getötet. Drei Israelis wurden bei Angriffen von Palästinensern getötet.

Die Zahl der seit dem 7. Oktober im Westjordanland getöteten Palästinenser macht mehr als ein Drittel aller palästinensischen Todesopfer im Westjordanland im Jahr 2023 aus (397). Etwa 55 Prozent der seit dem 7. Oktober getöteten Palästinenser kamen bei Auseinandersetzungen im Anschluss an israelische Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen ums Leben, vor allem in den Gouvernements Dschenin und Tulkarm. — Etwa 30 Prozent wurden im Zusammenhang mit Solidaritätsdemonstrationen für den Gazastreifen getötet, acht Prozent bei Angriffen von Siedlern auf Palästinenser und die restlichen sieben bei Angriffen auf israelische Streitkräfte oder Siedler oder bei angeblichen Angriffen auf diese.

Seit dem 7. Oktober haben israelische Streitkräfte 2.375 Palästinenser:innen im Westjordanland verletzt, darunter mindestens 251 Kinder, mehr als die Hälfte davon im Rahmen von Demonstrationen. Vierundsechzig Palästinenser:innen wurden von Siedlern verletzt. Etwa 27 Prozent dieser Verletzungen wurden durch scharfe Munition verursacht.

Israel

Der wahllose Abschuss von Raketen durch bewaffnete palästinensische Gruppen auf israelische Bevölkerungszentren hat sich in den letzten 24 Stunden fortgesetzt, ohne dass es dabei zu Todesfällen gekommen wäre.
Nach Angaben der israelischen Behörden werden im Gazastreifen 240 Personen gefangen gehalten, darunter Israelis und ausländische Staatsangehörige. Medienberichten zufolge handelt es sich bei etwa 30 der Geiseln um Kinder. Bisher wurden vier zivile Geiseln von der Hamas freigelassen, und eine israelische Soldatin wurde von israelischen Streitkräften gerettet. Die Hamas gibt an, dass rund 60 Geiseln durch israelische Luftangriffe getötet wurden.

International

Die Tagesschau meldet, dass sich der Wert der Rüstungsexporte von Deutschland nach Israel im Vergleich zum Vorjahr fast verzehnfacht hat: Der Wert der Waren stieg von 32 auf 303 Millionen Euro. Der Großteil wurde seit Kriegsbeginn bewilligt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, machen Kriegswaffen mit einem Wert von knapp 19 Millionen Euro etwa sechs Prozent des Gesamtvolumens aus. Der Löwenanteil von knapp 284 Millionen Euro entfällt auf sonstige Rüstungsgüter. In diese Kategorie fallen zum Beispiel gepanzerte Fahrzeuge, Sicherheitsglas oder militärische Lastwagen. Die Waffenkonzerne profitieren: So ist beispielsweise der Wert einer Aktie des Rüstungsunternehmenes Rheinmetall im vergangenen Monat um fast 10 Prozent gestiegen.

Die Spitzendiplomaten der G7 haben eine “humanitäre Pause” bei den israelischen Bombardierungen gefordert, um die verzweifelte palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen mit Hilfsgütern zu versorgen. Die Außenminister der führenden Wirtschaftsdemokratien gaben am Mittwoch bekannt, dass sie sich nach intensiven Treffen in Tokio auf eine einheitliche Haltung zum Krieg zwischen Israel und Hamas geeinigt haben.

Volker Turk, der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, sagt, dass die Palästinenser im Gazastreifen einen “lebenden Alptraum” erleben und fordert einen Waffenstillstand. Israels Ministerpräsident Netanjahu lehnt allerdings erneut die Aussicht auf einen Waffenstillstand ohne Freilassung von Gefangenen im Gazastreifen ab.

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