International Women's Day protest, Qalandiya checkpoint, West Bank, 7.3.2015 Photographer: Ahmad Al-Bazz, Activestills

3 Artikel über Frauen in politischer Haft sowie Schule & Protest unter Besatzung

Montag, 19.10.2020

“Besuche sind eher eine Strafe als ein Privileg. Eine Mutter verbringt den ganzen Monat damit, an den Moment des Besuchs zu denken, und dann, nachdem du dein Baby zehn Minuten lang gehalten hast, wird es von den Wachen weggebracht. Es ist wie die Wiederholung der Verhaftungserfahrung jeden Monat, du bist jedes Mal untröstlich”.

Keine Privatsphäre, ungekochtes Essen, stinkende Decken, … Zwei junge palästinensische Frauen & Ex-Häftlinge beschreiben die Lebensbedingungen in israelischer Haft im Besatzungsgefängnis.

Strong, independent, and behind bars

“Auch wenn wir ängstlich und traurig werden, was uns als Lehrerinnen und Lehrer stärkt, ist zu sehen, wie die Kinder die [israelische] Armee ignorieren, wenn sie die Schule stürmen, und sich immer noch auf den Unterricht konzentrieren oder manchmal sogar anfangen zu singen”.

Wie es ist, unter Besatzung zu lernen: Wenn der Weg zur Schule zum Spießrutenlauf vor aggressiven Siedlern & Soldat*innen wird & deiner von der EU-geförderten Schule der Abriss droht — mit Absegnung israelischer Gerichte.

https://www.middleeasteye.net/news/palestine-israel-children-limbo-school-demolition-order

Wir haben außerdem noch einen spannenden deutschsprachigen Artikel für euch. Israelische Soldaten brachten IEDs [improvised explosive devices/improvisierte Sprengkörper] am Eingang zum palästinensischen Dorf Kafr Qaddum an. Sie hatten sie so platziert, dass jeder Kontakt sie sofort zur Explosion bringen musste. Und genau das ist letzten Monat passiert. Der erste Sprengsatz explodierte, nachdem ein Siebenjähriger ihn entdeckt hatte — zum Glück hat er ihn nicht berührt. Wasim Shteiwi, ein Verwandter, der an den Ort des Geschehens geholt wurde und den Gegenstand prüfte, wurde durch die Explosion leicht verwundet. Der Artikel beleuchtet nicht nur diesen Vorfall, sondern auch, wie israelische Gesellschaft & Militär damit umgehen, warum jeden Freitag die Menschen in Kafr Qaddum demonstrieren & welchen Repressalien sie ausgesetzt sind.

“D”ie vorherrschende Meinung in Israel ist, dass wir den Palästinensern alles antun können, was uns gefällt, und dass irgendwie ein ganzes Volk, das gegen eine viel stärkere Besatzungsmacht kämpft, abgeschreckt sein würde, wenn wir es nur genug kränkten, einschüchterten und missbrauchten. Das ist Entmenschlichung nicht nur, weil so viele glauben, dass diese Aktionen vernünftig sind, sondern auch, weil wir annehmen, dass die Antwort der Palästinenser auf kollektive Bestrafung anders ausfallen wird als unsere. Weil ihre Menschlichkeit irgendwie anders ist als die unsere. Israelis benutzen oft das Bibelwort „Je mehr man sie aber unterdrückte, desto größer wurde ihre Zahl; und umso mehr breiteten sie sich aus“, um unsere Widerständigkeit angesichts der Gegnerschaft zu demonstrieren.”

Und falls ihr euch schon immer gewundert habt, warum man so selten diese alltäglichen Geschichten hört… warum man an sich kaum palästinensische Stimmen zum Thema vernimmt, obwohl Palästinenser*innen den meisten — und besten — Einblick in ihre eigenen Erfahrungen unter Besatzung haben, dann haben wir eine spannende Statistik für euch am Beispiel der New York Times (via Maha Nassar/Salem Barahmeh vom Palestine Institute for Public Diplomacy)

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