Angriffe im Norden, Lieferung deutscher Munition

Angriffe im Norden, Lieferung deutscher Munition

Gaza

– Israelische Panzer stürmten in Teile des nördlichen Gazastreifens zurück, die sie in der vergangenen Woche verlassen hatten, wie Anwohner am Dienstag berichteten. Damit entfachten sie einige der heftigsten Kämpfe seit Neujahr, als die israelische Besatzungsarmee ankündigte, ihre Operationen und Angriffe dort zu reduzieren. Reuters berichtet: Massive Explosionen waren über den nördlichen Gebieten des Gazastreifens von der israelischen Grenze aus zu sehen – eine Seltenheit in den letzten zwei Wochen, nachdem die israelische Armee im Rahmen eines Übergangs zu kleineren, gezielten Operationen einen Truppenabzug im Norden angekündigt hatte. Bei Aljazeera hieß es dazu: Der Angriff auf den Rest des Gazastreifens, einschließlich des Südens, in den Israel die Palästinenser:innen zuvor gedrängt hatte, weil es ihn als sicheres Gebiet bezeichnete, wird fortgesetzt. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Zerschlagung der Hamas im Zentrum und im Süden des Streifens“, sagte ein Sprecher der Besatzungstruppen.

– Im Norden ist die Lage katastrophal: Viele Bewohner und Hilfsorganisationen erklärten, dieser Teil der Region sei von humanitärer Hilfe weitgehend abgeschnitten und benötige dringend Hilfe – so berichteten ABC  News diese Woche. „Die Menschen sind absolut verzweifelt“, sagte Juliette Touma, Leiterin der Kommunikationsabteilung des Hilfswerks der Vereinten Nationen, gegenüber ABC News. „Nur sehr, sehr wenig ist in den Norden gelangt.“ Die Hilfsorganisationen drängen auf einen besseren Zugang, um die Tausenden von Menschen, die im Norden des Gazastreifens verbleiben und weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten sind, mit Lebensmitteln und Treibstoff zu versorgen.

– Im Süden des Gazastreifens halten die Angriffe an. Laut Berichten aus der vergangenen Nacht flohen vertriebene Palästinenser  nach einem israelischen Bombenangriff aus dem Gebiet des Al-Nasser-Krankenhauses in Khan Younis, während die israelischen Truppen näher kamen. 

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– Israel und die Hamas haben vereinbart, Medikamente und Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen und im Gegenzug 45 israelische Geiseln, die von der Hamas festgehalten werden, mit Medikamenten zu versorgen.  Hani Mahmoud von Al Jazeera berichtete aus Rafah, dass Bewohner und intern vertriebene Palästinenser besorgt seien, dass die dringend benötigte Hilfe angesichts des anhaltenden israelischen Bombardements die vorgesehenen Gebiete nicht erreichen könnte. „Die Luftangriffe setzen die Bombardierung des Gazastreifens von Norden nach Süden fort“, so Mahmoud. Er fügte hinzu, dass der sechstägige Stromausfall die Situation noch verschlimmert habe, was die Koordinierung der Maßnahmen vor Ort „sehr schwierig“ mache. Die Hamas hat weitere Einzelheiten zu der von Katar und Frankreich ausgehandelten Vereinbarung über die Lieferung von Medikamenten an die belagerte Bevölkerung des Gazastreifens und die dort gefangen gehaltenen Israelis bekannt gegeben: Für jede Kiste mit Medikamenten, die den Gefangenen zur Verfügung gestellt wird, werden 1.000 Kisten für die palästinensische Zivilbevölkerung verschickt, so der hochrangige Hamas-Funktionär Moussa Abu Marzouk.

–  Jeder einzelne Mensch im Gazastreifen ist hungrig, ein Viertel der Bevölkerung ist vom Hungertod bedroht, so UN-Experten. Die 2,3 Millionen palästinensischen Bewohner des Küstengebiets machen 80 Prozent aller Personen weltweit aus, die von einer Hungersnot oder einer Hungerkatastrophe betroffen sind. „Darüber hinaus sind alle Kinder unter fünf Jahren – 335.000 von ihnen – stark von schwerer Unterernährung bedroht, da das Risiko von Hungersnöten weiter zunimmt, eine ganze Generation ist nun in Gefahr, zu verkümmern“, so die Experten.

Westjordanland:

– Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa haben israelische Streitkräfte bei den jüngsten Razzien im besetzten Westjordanland mindestens 85 Palästinenser festgenommen. Sie fügte hinzu, dass 40 von ihnen Palästinenser aus dem Gazastreifen waren, die im Westjordanland arbeiteten. Seit dem 7. Oktober hat Israel fast 6.000 Palästinenser im besetzten Westjordanland in Gewahrsam genommen.

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– Die israelische Besatzungsarmee griff unter anderem das Geflüchtetenlager Tullkarem an, wo sie Berichte zufolge den ganzen Mittwoch über Razzien durchführte. Nach Angaben von Bewohnern gingen die israelischen Streitkräfte von Haus zu Haus und sprengten manchmal sogar Türen auf, um in die Häuser zu gelangen. Sie haben auch Massenverhaftungen vorgenommen und Palästinenser:innen auf Feldern verhört. Zuvor hatte ein Drohnenangriff Palästinenser:innen getroffen, die sich in der Nähe eines Autos im Lager aufhielten. Dabei wurden mindestens vier von ihnen getötet, ihre Leichen wurden in ein örtliches Krankenhaus gebracht.

International:

– Die Bundesregierung prüft eine mögliche Lieferung von Präzisionsmunition an Israel. Die beteiligten Ressorts hätten sich bereits grundsätzlich geeinigt, nun werde hinter den Kulissen an der Umsetzung gearbeitet, heißt es in einem Bericht des „Spiegel“. Das Ersuchen, rund 10.000 Schuss 120-Millimeter Präzisionsmunition für die israelische Armee zu liefern, war bereits im November in Berlin eingegangen. Seitdem beraten Kanzleramt, Wehrressort, Außenamt und das Wirtschaftsministerium über die Anfrage. Einige Details seien aber noch unklar. Israel wolle die Lieferungen der Munition bezahlen, derzeit laufen aber offenbar noch Gespräche über die Vertragsdetails und den Preis. Die Hamas hat Deutschland in einem öffentlichen Statement deswegen verurteilt: Deutschland trage die „volle politische und moralische Verantwortung für die Kriegsverbrechen der nationalsozialistischen zionistischen Regierung und den völkermörderischen Krieg gegen unser palästiensisches Volk im Gazastreifen.“

 – Das International Centre of Justice for Palestinians hat bei der Kriegsverbrecherabteilung der Met Police Strafanzeige gegen britische Beamte wegen Mittäterschaft bei israelischen Kriegsverbrechen erstattet.

– Die Hisbollah hat am Mittwoch Angriffe auf israelische Truppen und Militärstützpunkte verübt

– Die USA werden die Houthis offenbar erneut als „terroristische Gruppe“ einstufen, nachdem sie sie 2021 von der Liste gestrichen hatten

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