14 Tote nach tagelangem Angriff auf Flüchtlingslager im Westjordanland

14 Tote nach tagelangem Angriff auf Flüchtlingslager im Westjordanland

Ein Palästinenser nach dem israelischen Überfall auf das Lager Nur Shams in Tulkarm im besetzten Westjordanland, 21. April 2024 (Reuters/Ammar Awad)

Am gestrigen Samstag zog sich die israelische Besatzungsarmee aus der Ortschaft Tulkaram im Westjordanland zurück, nach dem sie das dortige Flüchtlingslager Nour Al Shams (zu deutsch Licht der Sonne) 50 Stunden lang angegriffen und belagert hatten. Mindestens 14 Palästinenser kamen dabei ums Leben.

Der Angriff begann am späten Donnerstag, als israelische Panzerfahrzeuge und Besatzungstruppen das Flüchtlingslager Nur Shams östlich der Stadt Tulkaram umstellten. Über 2 Tage lang hielten die Besatzer:innen die Belagerung des Lagers aufrecht, während sie auf die Bewohner:innen schossen, zahlreiche Menschen festnahmen und Häuser zerstörten. Während der Invasion drang die Armee in das einzige Krankenhaus des Flüchtlingslagers ein und griff das medizinische Personal an.

Nach Angaben der palästinensischen Widerstandsbewegungen sind 10 der Getöteten Kämpfer, die anderen 4 waren Zivilisten, darunter ein erst 15-jähriger Junge. Mindestens 40 weitere Personen wurden verwundet. „Einer der Getöteten, Rajai Abu Sweilem, starb durch den Beschuss eines Hauses, als er nach seiner alten Mutter sehen wollte“, sagte Qazmouz gegenüber arabischen Medien, der bei der Bergung einiger Leichen half. „Wir haben ihn in Stücken gefunden.“

Mindestens 2 der 10 getöteten Widerstandskämpfer sollen von israelischen Soldat:innen exekutiert worden sein, nachdem sie sich ergeben und ihre Hände erhoben hatten. Mindestens 2 Nichtkombattanten bzw. Zivilisten sollen Berichten zufolge außerdem von den Besatzer:innen als menschliche Schutzschilde missbraucht worden sein, um sicher in Wohnhäuser einzudringen und sie zu durchsuchen, anschließend wurden sie von den Soldat:innen vom Hausdach gestoßen und auf diese Weise getötet.

Die meisten der getöteten Kämpfer gehörten der Fatah an. Mindestens 50 Zivilist:innen (darunter auch Verwundete) wurden willkürlich verhaftet, von denen die meisten nach Verhören vor Ort wieder freigelassen wurden. Ein Video des Rettungsdienstes Palästinensischer Roter Halbmond zeigt, wie Soldat:innen einen der zuvor Verhafteten freilassen, in dem sie ihn einfach auf die Straße werfen. Er zeigte zudem Spuren von Folter.

Die im Flüchtlingslager belagerten Menschen waren während der israelischen Invasion über 2 Tage lang von Nahrung und medizinischer Versorgung abgeschnitten. Auch die Verwundeten waren während der gesamten Dauer des Überfalls ohne Zugang zu medizinischer Hilfe in dem Lager eingeschlossen, da die israelischen Besatzungskräfte Krankenwagen blockierten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde einem freiwilliger Sanitäter ins Bein geschossen, als er versuchte, einen Verwundeten zu erreichen.

Die israelische Besatzungsarmee gab bekannt, dass 9 ihrer Soldaten verletzt wurden. Der Widerstand teilte Videos mit, in denen er stolz verkündete, dass er die Angreifer:innen bis zur letzten Minute unter Beschuss halten konnte, und berichtete von Angriffen und Volltreffern gegen die israelische Armee. Die meisten Widerstandskämpfer sollen wohlauf sein.

Die israelische Besatzungsarmee verteilte Flugblätter, in denen sie die Zerstörung der Kanalisation, von Geschäften und Einrichtungen als kollektive Bestrafung ankündigte.

Es war der schlimmste israelische Überfall auf Tulkaram seit 2002, sowohl was die Anzahl an Toten betrifft, als auch das Ausmaß an Zerstörung von ziviler Infrastruktur. Im gesamten Westjordanland kam es heute als Protest auf die israelische Invasion zu einem Generalstreik.

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