Israelische Soldaten verhaften palästinensische Betenden. Foto: Nisreen Salem / Al Qastal News

Alle Jahre wieder: Besatzungskräfte knüppeln Gläubige in Al Aqsa-Moschee während Ramadan nieder

Israelische Besatzungskräfte überfielen — wie schon letztes Jahr während des Fastenmonats Ramadan — vergangene Nacht gewaltsam das Gelände der Al Aqsa-Moschee im besetzten Ostjerusalem & attackierten dabei bei brutal palästinensische Gläubige & nahmen 400 — 500 Palästinenser:innen fest. Sie werden aktuell in einer Polizeistation in Atarot im besetzten Ostjerusalem festgehalten. Dutzende Palästinenser:innen wurden verletzt.

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Die israelischen Besatzungskräfte wandten exzessiv Gewalt an, als sie plötzlich ohne Anlass das Gelände stürmten. Inmitten des Ramadan feuerten sie Blendgranaten & Tränengas in der Moschee auf die Anwesenden Gläubigen & Betenden & schlugen mit Schlagstöcken & Gewehren erbarmungslos auf die vollkommen überrumpelten Menschen ein. Es gab zahlreiche Fälle von schwerer Atemnot, Knochenbrüchen & Blutergüssen. Das folgendeVideo gibt einen Einblick in die Gewalt der Besatzer:innen:

Alles, was sie hatten, waren Gebetsteppiche

Der Überfall, der sich in mehreren Wellen abspielte, begann gestern gegen 22 Uhr, als die ersten Besatzungskräfte zum ersten Mal beim Betreten der Al Aqsa-Moschee gesichtet wurden.

Sie begannen damit, Menschen aus den Innenhöfen der Moschee zu vertreiben. Zahlreiche Gläubige hatten sich dort aufgehalten, um das Itikaf zu verrichten, nachdem Zehntausende zuvor das Taraweeh-Nachtgebet gesprochen hatten. Itikaf ist eine nicht obligatorische religiöse Praxis, die im Ramadan üblich ist & bei der die Gläubigen über Nacht in der Moschee bleiben, um zu beten, nachzudenken & den Koran zu rezitieren.

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Während diejenigen, die in den Höfen saßen, vertrieben wurden, schlossen sich Dutzende von Gläubigen in der Qibli-Gebetshalle der Al Aqsa ein, um den israelischen Angriffen zu entgehen.

Etwa eine Stunde später schlugen die Besatzer:innen die Fenster der Qibli-Moschee ein & feuerten Tränengas & Blendgranaten auf die Gläubigen, um sie zum Verlassen des Gebäudes zu zwingen, während sie ihnen den Strom im Gebäude ausschalteten. Dann gelang es ihnen, in die Moschee einzubrechen & die Gläubigen auch dort direkt anzugreifen.

Eine Augenzeugin berichtete lokalen Medien, dass vor allem die Männer brutal geschlagen & verhaftet wurden. “Jeder einzelne von ihnen wurde brutal verprügelt. Jeder einzelne Mann”, sagte sie.

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Der Palästinensische Rote Halbmond meldete zahlreiche Verletzte, darunter drei Personen, die in ein Krankenhaus gebracht wurden. Eine genaue Anzahl an Verwundeten konnte jedoch nicht gegeben werden, da die Rettungssanitäter:innen berichteten, dass sie aktiv von den Besatzer:innen daran gehindert wurden, Al-Aqsa zu erreichen, um die Verwundeten zu versorgen & zu registrieren. Einer wurde von einem israelischen Beamten direkt angegriffen & verletzt.

Der Überfall dauerte bis zum Mittwochmorgen an, als israelische Streitkräfte erneut Palästinenser:innen angriffen & aus dem Moscheegelände drängten & sie während des ihnen heiligen Fastenmonats am Beten hinderten, bevor Israelis, v.a. illegale Siedler:innen, unter Polizeischutz eingelassen wurden.

“Ich saß auf einem Stuhl und rezitierte [den Koran]. Sie warfen mit Blendgranaten, eine davon traf mich in der Brust”, berichtete eine ältere Frau der Nachrichtenagentur Reuters unter Tränen & Schock.

Die israelische Polizei gab eine Erklärung ab, in der es hieß, sie habe Dutzende von “Randalierern” aus der Al Aqsa-Moschee festgenommen, um die Ordnung auf dem Gelände wiederherzustellen. Tatsache ist, dass dre Angriff vollkommen unprovoziert war & sich später die anwesende Palästinenser:innen gegen den Angriff der Besatzer:innen mit Steinen wehrten. Ein Polizist sei dabei am Bein verletzt worden.

Najeh Bkeirat, der stellvertretende Direktor des islamischen Waqf in der Al Aqsa-Moschee, bezeichnete die gewaltsame Razzia in einem Interview mit Al Jazeera als einen vorsätzlichen Angriff zur Einschüchterung & Demonstration von Macht. “Was haben die Menschen dort drinnen getan, außer zu beten? Alles, was sie hatten, waren Gebetsteppiche”, sagte er.

Schon letztes Jahr kam es während des Ramadan zu äußerst brutalen Überfällen auf Gläubige in der Al Aqsa-Moschee. So wurden an einem Tag 152 Menschen verletzt & 400 verhaftet. In den sozialen Netzwerken wurde daher schon befürchtet, dass sich dies auch 2023 wiederholen wird. Es gab daher in den sozialen Medien Aufrufe, zur Al Aqsa-Moschee zu kommen & sie “gegen die Besatzer zu verteidigen”.

Der Ministerpräsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mohammad Shtayyeh, sagte in einer Erklärung: “Was in Jerusalem geschehen ist, ist ein großes Verbrechen gegen die Gläubigen. Das Gebet in der Al-Aqsa-Moschee findet nicht mit Erlaubnis der [israelischen] Besatzung statt, sondern ist unser Recht”.

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Jordanien, das die christlichen & muslimischen heiligen Stätten des besetzten Jerusalems im Rahmen einer seit dem Krieg von 1967 bestehenden Status-quo-Vereinbarung verwaltet, verurteilte Israels “schamlose” Erstürmung der Anlage. Das ägyptische Außenministerium forderte unterdessen einen sofortigen Stopp des “eklatanten Angriffs” Israels auf die Al-Aqsa-Gläubigen.

Wer die Dinge hintergründig verstehen will: Das es beim sogenannten Nahost-Konflikt & der Al Aqsa-Moschee entgegen der häufigen Behauptungen westlicher Berichterstatter:innen nicht um einen Religionskonflikt, sondern Vertreibungspolitik geht, könnt ihr in unserem Spotlight “Al Aqsa — Die Kolonialisierung des Gebets” nachlesen:

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