70 ermordete Helfer:innen innerhalb von zwei Wochen

70 ermordete Helfer:innen innerhalb von zwei Wochen

Bild: Getty Images via arab48

Lokale Volkskomitees im nördlichen Gazastreifen gaben am Sonntag bekannt, dass sie gezwungen waren die Verteilung von Hilfsgütern einzustellen. Sie meldeten außerdem die Ermordung von 70 ihrer Mitglieder innerhalb von zwei Wochen durch Israel. Eine entsprechende Meldung wurde bereits zwei Tage vor dem Mord an 7 internationalen Helfer:innen der „World Central Kitchen“ auf dem Nachrichtenportal arab48 veröffentlicht.

„Die Besatzung tötete 70 Palästinenser:innen aus den Dörfern und Komitees, während diese die humanitäre Hilfe für den nördlichen Gazastreifen sicherstellten. Dutzende weitere von ihnen wurden verletzt“, erklärten die Komitees in einer öffentlichen Stellungnahme.
„Angesichts der Abwesenheit von UN-Institutionen, insbesondere des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) und des Welternährungsprogramms (WFP) ergriffen mehrere Familien die Initiative um selbstorganisiert sicherzustellen, dass Hilfsgüter verteilt werden. In ihrer Arbeit stützten sie sich auf Treffen mit UN- und internationalen Institutionen sowie auf Appelle der Bevölkerung.“

Die Komitees wurden gebildet, nachdem die Besatzungstruppen die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen unterbrochen und gezielt Transporte von Hilfsgütern angegriffen hatten. Polizeibeamt:innen, Regierungsangestellte oder Gemeinden, die versucht hatten, die Annahme, Verteilung oder Lagerung von Hilfsgütern zu organisieren, wurden immer wieder ins Visier genommen, wie wir regelmäßig berichtet haben. Jede Einrichtung, die versucht humanitäre Hilfe zu leisten, wird zur Zielscheibe. Dem UNRWA wurden aufgrund von unbelegten Terroranschuldigungen die Finanzmittel gestrichen, palästinensische Initiativen wurden ohne Erklärung bombardiert und die World Central Kitchen (WCK) wurde laut israelischen Aussagen „aus Versehen“ bombardiert.

Laut der israelischen Tageszeitung Haaretz hat die israelische Drohne, die die WCK-Helfer:innen ermordet hat, ihre Opfer über drei verschiedene Autos in mehreren hundert Metern Entfernung gezielt gejagt. Nachdem die ersten beiden Fahrzeuge getroffen wurden, wurden die Überlebenden in das dritte Fahrzeug in Sicherheit gebracht, bevor auch dieses zerstört wurde. Die Taktik, Ersthelfer eines Drohnenschlags anzugreifen, heißt double tap strike und stellt ein Kriegsverbrechen dar. Der Konvoi wurde angegriffen, nachdem ein WCK-Truck 100 Tonnen humanitärer Hilfen in ein Lager in Deir Al Balah im zentralen Gazastreifen abgeladen hatte. Die Fahrt war mit dem israelischen Militär zudem koordiniert und zuvor abgesprochen gewesen.

Geolokalisierung des Drohnenanschlags auf WCK-Helfer:innen durch BBC-Verify

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